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TV-Ermittler: Letzte Klappe für MDR-«Polizeiruf»-Duo aus Halle

Uhr | Aktualisiert 05.10.2012 21:13 Uhr

Herbert Schneider (Wolfgang Winkler, l.) und Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) gehen in Pension. (FOTO: DDP)

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Am Mittwoch fällt für Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler die letzte "Polizeiruf"-Klappe. In einem Buch geben sie nun launige Zeugnisse ab.
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Halle (Saale)/MZ. 

Bodenständig und mit Mutterwitz gesegnet der eine, spitzzüngiger Feingeist der andere - und beide Herbert. Schneider liebt eher Bockwurst und ist für das Praktische, Schmücke schätzt die raffinierte Küche und nimmt seinen Kollegen gern auf die Schippe. So war das Ermittlerduo gestrickt, das die Schauspieler Wolfgang Winkler (69) und Jaecki Schwarz (66) über 49 Krimifolgen des MDR-"Polizeirufs" hinweg zur Freude ihrer Fangemeinde verkörpert haben und nun noch einmal spielen.

Am Mittwoch fällt in Wörlitz die letzte Klappe zum 50. und abschließenden Film mit den beiden TV-Ermittlern, die in Halle und Umgebung für Recht und Ordnung sorgten. Dann müssen sie in Rente gehen, jedenfalls was die Mörderjagd im Fernsehen betrifft.

Der Journalist Andreas Kurtz, Gesellschaftskolumnist der Berliner Zeitung, hat es nun unternommen, den beiden Schauspielern und ihrem Publikum den Abschied mit einem schnurrigen Büchlein zu versüßen. "Herbert & Herbert: Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein!" ist der Band, erschienen im Eulenspiegel-Verlag, betitelt und vereint vor allem selbsterzählte Anekdoten und Frozzeleien von Schwarz und Winkler.

Dabei wird der Titel gewissermaßen in sein faktisches Gegenteil verkehrt, die Helden erwecken wie in ihren Krimis den Anschein eines altgedienten Ehepaares - so sicher sind sie aufeinander eingespielt, so genau kennt jeder die Stärken und Schwächen des Kollegen. Und seine Pointen, die zwangsläufig oft auf Kosten des jeweils anderen gehen. Im Zweifelsfall stehen sie aber als Profis der darstellenden Zunft felsenfest zusammen gegen den Rest der Welt, sonst wäre ihre jahrelang währende Erfolgsgeschichte als Duo auch niemals zustande gekommen.

Die Inszenierung der Beiden wirkt beim Lesen dann auch manchmal entsprechend routiniert, gleichwohl sind die Histörchen von Winkler und Schwarz allemal heiter und erzählen gelegentlich mehr als nur das, was die Protagonisten selber betrifft, die im Übrigen sehr wohl auf einer Augenhöhe miteinander reden. Und garantiert viel Spaß dabei hatten, ihr Garn zu spinnen. Ein bisschen erinnert der Auftritt an die Nummern des Komikerduos Herricht & Preil, die zumindest älteren Ostlern unvergesslich sind.

Sehr schön ist zum Beispiel der Dialog über die Frage, seit wann man sich eigentlich kennt. 1967 ist das Schlüsseljahr, als Jaecki Schwarz die Hauptrolle in Konrad Wolfs Kriegsdrama "Ich war neunzehn" spielte und schlagartig berühmt wurde. Winkler war, was man nicht auf dem Schirm hatte, auch dabei, wie viele andere Darsteller. "Aber nicht angefangen, wie ich!", trumpft Winkler in komischem Stolz auf.

Darauf Schwarz: "Du wurdest gleich nach dem Vorspann erschossen. Ende der Rolle! Aber auch die kleinste Wurze ist wichtig, nicht wahr, Mausi!" Winkler grummelt, er hätte gar nicht die Möglichkeit gehabt, gut zu spielen, er sei nur "im Dustern" gewesen. Worauf Schwarz gönnerhaft noch eins draufgibt: "Stell doch dein Licht nicht unter den Scheffel! Du hast mir viel gegeben! Also mir als Hauptdarsteller." So kalauern sich die beiden über weite Strecken des Buches, immer liebevoll dabei, wie sich versteht.

Dabei ist die Konkurrenz der Männer durchaus belegt: Beide spielten im Leben vor dem Fernsehen jahrelang nicht nur in Spielfilmen (Winkler bekam seine große Rolle schon 1965 in Kurt Maetzigs jahrzehntelang verbotenem "Das Kaninchen bin ich"), sondern vor allem auch auf der Bühne. Jaecki Schwarz in der Hauptstadt am renommierten Berliner Ensemble, Wolfgang Winkler am halleschen Schauspiel. Das hat gewiss auch Spannungen gegeben - wie immer, wenn es um Berlin und die "Provinz" ging. Dazwischen lagen gefühlte Welten. Stichelte der Berliner, so berichtet Andreas Kurtz in seinem Buch, ärgerte sich Winkler, der "in Halle weltberühmt" war und inzwischen längst selber in Berlin lebt, tatsächlich darüber. Vielleicht hat dieser persönliche Hintergrund dazu beigetragen, die beiden Männer als Typen im "Polizeiruf" so glaubwürdig und liebenswert zu machen. Der etwas hochnäsige Mann von Welt und der biedere Bulle vom Lande, so haben sie Millionen Menschen nicht nur aus Ostdeutschland gern gesehen.

Die Darsteller hatten Freude (wenn sie auch manchmal mit den Drehbüchern haderten) und ihr gutes Auskommen dabei, in Armut werden sie nach der Kündigung durch den Mitteldeutschen Rundfunk wohl nicht leben müssen. "Wir gehen in Pension", sagt Schwarz, obwohl er eigentlich lieber erschossen werden wollte. Und Winkler sagt: "Treu gehe ich mit." Das Augenzwinkern kann man direkt spüren.

"Herbert & Herbert: Mit dir möchte ich auch nicht verheiratet sein! Andreas Kurtz spricht mit Jaecki Schwarz & Wolfgang Winkler über Freundschaft, TV-Kommissare und das Leben", Eulenspiegel, 159 S., 16,95 Euro. Winkler und Schwarz live: Dienstag, 20.15 Uhr, Thalia-Buchhandlung Halle,; Freitag, 20 Uhr, Bestehornhaus Aschersleben