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Thüringen: «Wir können Dix nicht ohne Gera präsentieren»

Uhr | Aktualisiert 26.12.2012 20:25 Uhr

Das von David Chipperfield entworfene Bankgebäude in Gera sollte zu einem Dix-Kunsthaus umgebaut werden. Der Stadt ist das zu teuer. (FOTO: DHM)

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Thüringen sucht Wege, das Werk des Malers zu würdigen. Kultusminister Christoph Matschie (SPD) sieht die Stadt Gera am Zug, das Werk des Malers Otto Dix würdig in Thüringen zu präsentieren.
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gera/dpa. 

Kultusminister Christoph Matschie (SPD) sieht die Stadt Gera am Zug, das Werk des Malers Otto Dix (Foto, 1891-1969) würdig in Thüringen zu präsentieren. Dix als einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit sei für den Freistaat kulturpolitisch wichtig, sagte Matschie. "Wir haben in Gera seinen Geburtsort und eine sehenswerte Sammlung seiner Arbeiten. Wir können Dix in Thüringen nicht präsentieren ohne die Stadt Gera." Daher sei die Stadt gefordert, ihre neuen Pläne zu konkretisieren.

Ursprünglich sollte ein leerstehendes, vom Star-Architekten David Chipperfield entworfenes Bankgebäude für mehr als acht Millionen Euro zu einem repräsentativen Kunsthaus umgebaut werden. Dort sollten die Geraer Dix-Sammlung und hochkarätige Leihgaben einziehen. Doch die Stadt konnte ihren Eigenanteil für den Umbau nicht aufbringen, so dass die Immobilie verkauft werden soll. Angedacht ist nun, Arbeiten von Dix in dessen Geburtshaus sowie in der spätbarocken Orangerie zu zeigen und dafür Ausstellungsflächen auszubauen. Dort werden schon heute von der städtischen Kunstsammlung Ausstellungen ausgerichtet.

"Es ist nicht einfach, mit solchen radikalen Kehrtwenden umzugehen", sagte Matschie auch mit Blick auf Sammler und die Dix-Stiftung, die für das Kunsthaus Leihgaben zugesagt hatten. Möglicherweise sei über Jahre aufgebautes Vertrauen beschädigt worden. Die neuen Pläne könne er noch nicht abschließend bewerten. Mit Hinweis auf renommierte Sammlungen etwa in Stuttgart und Chemnitz betonte der Minister aber: "Wenn man jetzt noch einen bedeutenden Ausstellungsort schaffen will, dann kann man kein kleines Karo machen." Dix füge sich zudem gut ins neue Kulturkonzept des Freistaates ein. Dieses Konzept will sich verstärkt den Aufbrüchen widmen, die von Thüringen ausgingen.

Für das geplante Kunsthaus hatten Bau-, Wirtschafts- und Kultusministerium Fördermittel in Aussicht gestellt. Ob eine solche "gemeinsame Kraftanstrengung" in dieser Sache noch einmal möglich sei, bezweifelte Matschie. Er bestätigte aber, dass im kommenden Landeshaushalt noch Geld für die museale Ausstattung des Kunsthauses eingeplant sei. Zwar sei zu prüfen, ob es umgewidmet werden könne, doch dafür sei zuallererst ein tragfähiges Konzept nötig, betonte der Minister. Als einen wichtigen Baustein dafür sieht Matschie das Geburtshaus des Künstlers im Stadtteil Untermhaus. Allerdings habe die Stadt mehr zu zeigen, als es der Platz dort hergebe. Otto Dix wurde 1891 in Gera geboren, wo er aufwuchs. Er studierte und lehrte an der Dresdner Kunstakademie, bis er dort 1933 von den Nationalsozialisten entlassen wurde; seine Kunst wurde als "entartet" diffamiert. Nach dem Krieg war Dix auf der ersten Documenta in Kassel vertreten. 1966 wurde er Ehrenbürger der Stadt Gera. 1969 starb er in Singen am Bodensee.