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Tanztheater in Berlin: Kein Eia popeia der kulturellen Anständigkeit

Constanza Macras choreografierte das Stück "On Fire".

Constanza Macras choreografierte das Stück "On Fire".

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dpa

berlin -

Es braucht viele Unterstützer, um eine solch schöne Idee wie diese auf die Bühne zu bringen: Europäer und Afrikaner tanzen in „On Fire“ ihre Erfahrungen im Umgang mit Erwartungshaltungen und Meinungen - bis eine gemeinsame Erfahrung unterschiedlicher Traditionen sinnlich fassbar wird: Für die Akteure wie das Publikum beim Gastspiel im Berliner Gorki Theater.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Berliner Senat, die Rudolf Augstein Stiftung, das Goethe Institut Südafrika, das Dance Forum Johannesburg und die Momo Gallery haben die Choreografin Constanza Macras und ihre Truppe Dorkypark einen neunzigminütigen Abend produziert, der keineswegs ein belehrendes Eia popeia politischer Anständigkeit liefert, sondern alles, was man von modernem Tanztheater erwarten darf: Athletik, Tempo, Schärfe - und obendrein Humor, was nicht alltäglich ist.

Darf gelacht werden, wenn es um so ernste Dinge wie die Begegnung unterschiedlicher Kulturen geht? Aber ja, Macras beweist es und erreicht nach einiger Zeit auch die Zuschauer damit. Am Ende gibt es tosenden Applaus.

Die Themen, die die Tänzerinnen und Tänzer verhandeln, betreffen alle Lebensbereiche: Um Arbeit geht es, um Liebe natürlich - und immer um die Entdeckung des Selbst. Die Behauptung des Individuellen, aus dem zwar Konflikte, aber auch Lösungsansätze erwachsen, steht im Zentrum von Macras’ Ästhetik. Sie wird souverän und leidenschaftlich zelebriert zwischen Strenge und Ausgelassenheit, tänzerischer Meisterschaft und heiterer Grenzverletzung bis zu Anleihen beim Break Dance.

Es ist augenscheinlich, dass die gemeinsame Arbeit Fenster aufgestoßen hat und den Blick freigibt auf eine Welt, die fern davon ist, heil zu sein - aber in Bewegung. Dabei wird kein altes, kitschiges Bild erneuert, das den schönen schwarzen Wilden als Menschen im Urzustand feiert, nach dem sich der Europäer sehnt und dem er sich überlegen dünkt. Nein: Hier geht es um Teilhabe an der einen Welt, die uns geliehen ist für unsere Zeit. (mz)