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Stiftung Moritzburg: «Das wird die Kunsthalle des Landes»

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 13:13 Uhr
Moritzburg (FOTO: THOMAS MEINICKE) 
Der Stiftungsratsvorsitzende Jan Hofmann spricht über den Rücktritt der Direktorin, die Aufarbeitung des Rechnungshofgutachtens und die Pläne für das künftige Museum.
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Halle (Saale)/MZ. 

Die Direktorin der Stiftung Moritzburg in Halle, Katja Schneider, hat zum Januar ihren Rücktritt erklärt. Über die Situation des Museums nach diesem Entschluss sprach mit dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, dem Kultur-Staatssekretär Jan Hofmann (SPD), unser Redakteur Christian Eger.

Herr Hofmann, warum eigentlich ist Frau Schneider zurückgetreten?

Jan Hofmann: Sie hat im Stiftungsrat die Niederlegung ihres Amtes mit dem Betriebsübergang der Stiftung Moritzburg in die Stiftung Dome und Schlösser begründet, die im Januar vollzogen wird.

Der Betriebsübergang ist eine Tatsache, keine Begründung. Woraus soll dieser Rücktritt die Konsequenz sein? Wofür soll hier Verantwortung übernommen werden?

Hofmann: In der Frage der Verantwortung ist noch vieles zu klären. Im Zuge der Aufarbeitung des Gutachtens des Landesrechnungshofes haben wir an alle einschlägigen Institutionen, die in direkter Weise betroffen sind, Anfragen gestellt. Übrigens auch an mein Haus: das Kultusministerium. Wir sind dabei, uns ein umfassendes Bild zu erarbeiten. Um ein abschließendes Urteil zu fällen, ist es noch zu früh.

Kaum ist die Entscheidung über den Rücktritt bekannt geworden, macht das Wort vom "Bauernopfer" die Runde. Ist Frau Schneider das?

Hofmann: Nein, das sehe ich nicht so. Frau Schneider war Vorstand der Stiftung und ist das noch bis zum Jahresende. Sie hat aufgrund eigener Reflexionen in den vergangenen Wochen und nach Diskussionen mit dem Stiftungsrat über den Bericht des Landesrechnungshofes die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Ich habe das mit Respekt zur Kenntnis genommen und ihr das auch gesagt. Es besteht jetzt die Möglichkeit, einiges neu auf den Weg zu bringen.

Wird Frau Schneider künftig bei der Moritzburg oder bei den Luthergedenkstätten tätig sein?

Hofmann: Frau Schneider wird zunächst die Emil Nolde-Ausstellung vorbereiten, die im April in der Moritzburg gezeigt wird. Dann ist vorgesehen, dass sie am 1. Mai in den Geschäftsbereich der Stiftung Luthergedenkstätten wechselt und dort das Projekt "Cranach 2015" vorantreibt. Sie hat in der Mitarbeiterversammlung, von der ich gerade komme, gesagt, dass sie sich auf die neue Aufgabe freue.

Management-Versagen, Planlosigkeit, schwerer Pfusch am Bau: Das waren Stichworte der Moritzburg-Situation. Eine Lage, die vom Stiftungsrat und vom Kultusministerium mitverantwortet wurde. Jan-Hendrik Olbertz verfügte seinerzeit als Kultusminister und Stiftungsratsvorsitzender über alle Informationen. Wird, wie der Rechnungshof vorschlug, eine Organhaftung der vorgesetzten Stellen geprüft?

Hofmann: Wir sind jetzt erst bei der Auswertung der vorgelegten Befunde. Es sind drei Ebenen betroffen, da haben Sie völlig Recht. Es ist zu klären: Was hat der Stiftungsrat, was hat der Vorstand, was haben die Ministerien zu verantworten? Klar ist: Die Stiftung war von Anfang an schlecht aufgestellt. Zu wenig Personal, zu wenig Geld für die zu erfüllenden Aufgaben. Im Zuge der Reform der Stiftungsstrukturen ist hier einiges zu verändern. Der Betriebsübergang in die Stiftung Dome und Schlösser ist ein solcher erster Schritt.

Was bedeutet: Betriebsübergang?

Hofmann: Die Personen, Aufgaben und alle Betriebsmittel gehen in die Stiftung Dome und Schlösser über. Das Vermögen aber, die gesamte Sammlung, also alles was die Liegenschaft betrifft, bleibt Eigentum der Stiftung Moritzburg.

Seit 2003 hat sich die Depotsituation der Moritzburg verschlechtert. Wie wird die Depotfrage gelöst?

Hofmann: Wir wollen 2013 einen Weg finden, der erst einmal eine Stabilisierung des Ist-Zustandes herbeiführt. Um große Summen in die Hand zu nehmen, die für einen Neubau erforderlich wären, fehlt uns in den nächsten Jahren das Geld. Das wird die Stiftung Dome und Schlösser nicht stemmen können. Wir haben im Stiftungsrat verabredet, dass wir im Zuge der Reform besonders auf die Depotsituation schauen. Deren Verbesserung ist eines der großen dicken Bretter, die wir in den nächsten Jahren bohren müssen.

Wie steht es um die Trockenlegung der Gewölbe unter dem Westflügel?

Hofmann: Die notwendigen Abriss- und Dekontaminationsarbeiten sind ausgeschrieben worden. Durch diese Arbeiten soll das vorhandene Schadenspotenzial, welches den "Nährboden" für den Schimmel bildet, beseitigt werden. Im Anschluss an diese Arbeiten kann dann die eigentliche Bauwerkstrocknung erfolgen.

Mitte nächsten Jahres soll die Direktorenstelle ausgeschrieben werden. Was für einen Direktor suchen Sie?

Hofmann: Wir suchen eine Persönlichkeit, die ein nationales, ja vielleicht internationales Renommee besitzt. Jemanden, der in der Lage ist, der Stiftung Moritzburg ein überregional kenntliches Profil zu geben.

Ein Profil welcher Art?

Hofmann: Die Moritzburg soll die zentrale Kunsthalle des Landes Sachsen-Anhalt werden. Zugleich ein Museum, dessen regionale Identität gestärkt werden muss, weshalb wir beschlossen haben, den Zusatz "Halle Saale" in den Namen der Stiftung aufzunehmen. Wir müssen auch kritisch feststellen: Wir hatten im letzten Jahr in der Moritzburg deutlich zu wenig Besucher.

Wie viele Besucher waren es?

Hofmann: Die Zahl liegt bei etwa rund 17 000 zahlenden Besuchern im Jahr. Das ist für eine Landeskunsthalle nicht genug. Wir wollen aber deutlich mehr Gäste in ein Haus mit einem solchen Anspruch locken. Die kleinere Feininger-Galerie in Quedlinburg hat allein 12 000 bis 13 000 Besucher im Jahr. Das zeigt eben auch, dass wir wirklich einige Gründe haben, das Kunstmuseum mit einem neuen offensiven Konzept zu entwickeln.

Die Direktorenstelle der Moritzburg galt bislang als finanziell wenig attraktiv. Warum sollte sich jemand dieser Stelle zuwenden?

Hofmann: Wir müssen uns das im Einzelnen anschauen. Die finanzielle Ausstattung dieser Stelle würde ich gerne mit der Stiftung Dome und Schlösser diskutieren, wenn es so weit ist. Aber so viel ist sicher: Wenn wir eine reputierliche Person wollen, muss es eine ansehnliche Bezahlung geben.

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