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Schweiz: Kabarettist Emil Steinberger wird 80

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Kabarettist Emil Steinberger (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Humor ist, wenn kein Schweizer lacht? Spätestens seit Emil als kauziger Postbeamter die Kabarettbühne betrat, ist dieses Vorurteil als solches entlarvt. Auch mit 80 sorgt er für heftige Lachanfälle.
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Zürich/dpa. 

Sein Name wurde zum Lachprogramm: Emil. „Ich war von Anfang an überzeugt, dass dieser Name genau der richtige für komische Charaktere ist“, erinnert sich Emil Steinberger. Am 6. Januar feiert der international bekannteste und zugleich „dienstälteste“ Schweizer Kabarettist seinen 80. Geburtstag. Für das Wort „Ruhestand“ hat der Meister der eidgenössischen Alltagsparodie nach eigenem Bekunden nur ein kräftiges Lachen übrig.

Ob als Spezialist für seltsame Kreuzworträtsel, als Postbeamter, Ski-Lehrer oder Tankwart - Emil ist in seiner jeweiligen selbst gewählten Rolle immer der einfache, etwas verkniffen dreinblickende Durchschnittsschweizer. Der „Mann von nebenan“, der sich irgendwie durchmuffelt und sich auf alles irgendwie einen Reim macht.

Seine Paraderolle ermöglichte es ihm - auch zur Freude ungezählter Fans in Deutschland -, menschliche Schwächen, Spießigkeit, Dummheit und Vorurteile aufs Korn zu nehmen. „Geschichten, die das Leben schrieb“ hieß sein erstes Programm. Bis heute macht er sich gnadenlos über gewisse Zeitgenossen lustig, doch stets gibt es eine Grenze: Niemand wird beleidigt.

Manchmal genügt schon das Klingeln des Telefons auf Emils Bühnenschreibtisch, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Es weiß oder ahnt zumindest, was nun kommt. Zum Beispiel: „Polizeihauptwache, Schnieder, halbdrei Uhr. Äh, was haben Sie, eine Bombe vor dem Haus. ... Oh, na, das ist eine Überraschung. Was? Nein, wir können jetzt nicht kommen. Sind schon alle Leute im Bett.“

Und wie heißen sie nur, diese Dings, diese Löcher, naja die Löcher mit Karton drum herum? Ach ja, Lochkarten! Bei anderen mag das eher lächerlich als lustig wirken. Doch mit der Unschuldsmimik seines - auch heute noch - bubenhaft wirkenden Gesichtes macht Emil selbst aus der flachsten Pointe einen Lacherfolg.

Die Entdeckung seines Talents verdankt er auch einem Lehrer. „Der erklärte uns das Sonnensystem. Ich habe gestaunt und gestaunt. Plötzlich sagt er: Emil, geh' vor die Tür.“ Die nachgereichte Begründung des Pädagogen: „Ach, Emil, wenn ich dich angucke, muss ich einfach immer lachen.“

1967 gründete der gelernte Postbeamte und studierte Grafiker in seiner Geburtsstadt zusammen mit seiner ersten Frau Maya das Luzerner Kleintheater. Seitdem hat der vielseitig interessierte Künstler immer wieder Neues versucht, meist mit Erfolg.

Mit dem Zirkus Knie war er als „Kniemil“ auf Tournee. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht. Und er war nicht immer nur der Spaßmacher: Als kleinkarierter Einwanderungsbeamter brillierte Steinberger 1978 in dem Film „Die Schweizermacher“ von Rolf Lyssy. Bis heute ist die bittere Satire über eine Einbürgerungspraxis, die Ausländer zwang, sich schweizerischer als die Schweizer zu geben, einer der international erfolgreichsten Filme der Eidgenossenschaft.

Nach einem selbsterwählten mehrjährigen Abtauchen „als Mister Nobody“ in New York heiratete Steinberger dort 1999 seine zweite Frau Niccel. Die 1965 als Nicole Kristuf in Wermelskirchen (Nordrhein-Westfalen) geborene Autorin ist Spezialistin für Gelotologie, also für jene Wissenschaft, die sich mit körperlichen wie psychischen Auswirkungen des Lachens beschäftigt.

Mit Niccel kehrte Emil dann in die Schweiz zurück. Sie leben in einem Haus bei Montreux am Genfer See, dessen Name ebenso passend ist, wie der Beruf der Gemahlin: „Riant Château“ - Lachendes Schloss.

Die Begeisterung der Schweizer für ihren Spiegelvorhalter ist derweil ungebrochen. Das Fernsehen würdigt ihn mit der Sendung „Emil wird Lachtzig“. Im September steht der Kabarett-Methusalem im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum in der Geburtstagsgala „Merci vielmol“ auf der Bühne. An vier Abenden, in einem Saal mit immerhin fast 1900 Sitzplätzen. Schon jetzt sind alle vier Shows ausverkauft.