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Operetten-Star: Vor einem Jahr starb Johannes Heesters

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 22:56 Uhr
Johannes Heesters, 2009 (FOTO: DPA) 
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Er starb am Heiligen Abend. Am 24. Dezember 2011 hörte das Herz von Johannes Heesters auf zu schlagen. "Ich werde hundert Jahre alt" hatte er immer wieder gesungen. 108 Jahre wurden es - und damit galt "Jopie" als ältester aktiver Schauspieler der Welt. Schließlich hatte er bis fast zuletzt immer wieder auf der Bühne gestanden.
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münchen/dpa. 

Seiner mehr als 40 Jahre jüngeren Frau, der Schauspielerin Simone Rethel, fällt es auch ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes schwer, allein zu sein. "Ich muss noch lernen, für mich selber zu denken", sagt sie. "Ich habe mich sehr gerne um Jopie gekümmert, und es war eine große Umstellung für mich, plötzlich nur noch an mich zu denken. Alles nur für mich selber zu machen, gefällt mir auch noch nicht." Gerade weil er so alt wurde, sei der Abschied schwer gefallen. "Gerade dann, wenn ein Mensch so lange bei einem war, hat man das Gefühl, er geht nicht mehr."

Rethel war dabei, als ihr Mann an Heiligabend im Klinikum Starnberg für immer einschlief. Auch Enkelin Wiesje Herold war anwesend. Eine Woche zuvor war "Jopie" mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen und lag seitdem auf der Intensivstation. Erst am 5. Dezember hatte er seinen letzten Geburtstag gefeiert. "Jopie ist am 5. Dezember geboren - das ist in Holland der größte Feiertag - zu Weihnachten ist er gegangen. Das hat etwas Magisches", sagt Rethel.

Schon zu Lebzeiten war Heesters eine Legende im Operetten-Reich. Sein Markenzeichen: Frack, Zylinder und überlanger weißer Seidenschal. Seine Paraderolle: Graf Danilo Danilowitsch, der leichtlebige Gigolo aus Lehárs Operette "Die lustige Witwe". Mit seinem Namen verbunden sind Evergreens wie "Man müsste Klavier spielen können" und vor allem "Heut geh' ich ins Maxim, da bin ich so intim".

Jahrzehntelang wurde Heesters wegen seiner Karriere im Deutschland der Nationalsozialisten von niederländischen Bühnen boykottiert. Erst 2008, nach einem halben Jahrhundert, ging ein Herzenswunsch in Erfüllung, als er in seiner Geburtsstadt auftreten durfte.

Seinen Tod nahmen seine Landsleute im vergangenen Jahr mit gemischten Gefühlen auf. Medien verwiesen auf seinen Besuch im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941. Heesters hatte sich bis ins hohe Alter gegen die Vorwürfe gewehrt, er sei dort aufgetreten.

Der Künstler habe wohl "keine blasse Ahnung" gehabt, wie problematisch seine Auftritte in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat gesehen wurden, hieß es beim angesehenen Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation. "Auch nach seinem Tod kann man das nicht anders als dumm nennen."

Am zweitletzten Tag des Jahres 2011 wurde "Jopie" auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt. Sein Freund, der Schauspieler Thomas Fritsch, sagte damals: "Vielleicht singt er jetzt irgendwo da oben weiter!"

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