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Musik: Bärenmarke: Punk war gestern - heute ist es Punk

Uhr | Aktualisiert 23.11.2012 17:45 Uhr
Mittlerweile sind die Klabusterbären zu sechst. (FOTO: MIRIAM PAPASTEFANOU) 
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Drei Jahre nach ihrem letzten Streich haben die Klabusterbären aus Halle mit "Momentaufnahme" ein neues Werk vorgelegt.
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Halle (Saale)/MZ. 

Was macht eine Band mit einem Album, wenn jedes Mitglied seine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen, musikalisch und auch inhaltlich, einbringt? Man belässt es beim Arbeitstitel "Momentaufnahme". Da sind sie also wieder. Drei Jahre nach ihrem letzten Streich haben die Klabusterbären aus Halle eben ein neues Werk vorgelegt.

Auf ihrer sechsten Scheibe präsentieren sich die Jungs nun erstmals als Sextett. Für Gitarrist und Gründungsmitglied Helge Schmidt nach mehr als 18 Jahren Bandgeschichte eine logische Entwicklung, da der vorerst letzte Neuzugang, Gitarrist Roy Hoffmann, der Band "noch einmal einen richtigen Schub gegeben hat".

Und tatsächlich haben sich die einstigen Punkrocker inzwischen weit von den gängigen Klischees des Zwei-Akkord-Geschrammels entfernt und musikalisch deutlich weiterentwickelt. Auf ihrem neuen Album präsentieren die sechs Klabusterbären ein buntes Feuerwerk an Musikstilen. "Wir haben uns bei unseren Aufnahmen nicht explizit vorgenommen, in irgendeine Richtung zu wirken", so "Helkman" Schmidt. "Jedes Lied ist so entstanden, wie wir es fühlen", sagt Schmidt, "einiges hat sich auch erst im Studio richtig entwickelt und andere Sachen sind ganz rausgefallen." Also doch Punk?

Mit "Ich mach Musik" startet das Album gleich mit einem radiotauglichen Deutschrocksong, welcher melodiös und äußerst massenkompatibel daherkommt. Doch schon im zweiten Stück wird es experimenteller. "Guten Morgen, Stahlhelm borgen" provoziert und zeigt die musikalischen Möglichkeiten der gewachsenen Mitgliederstärke.

Mit Keyboarder Christoph "Rocky" Bauer, Bassist Mario "Mayo" Döring, Schlagzeuger Roman "Romantic" Ronneberg sowie den beiden Gitarristen wird der Klangteppich bunter und schräger.

Richtig punkig wird es erst im vierten Song, in dem Sänger Jan "Ecki" Westhusen rauchig "Halle töten" ins Mikrofon schreit. Jedoch wirkt der oftmals kratzige Ton von Urgestein Westhusen in einigen Liedern ein wenig fremd, ist doch die musikalische Qualität der Band inzwischen deutlich gereift.

Mit dem Lied "Gerd, der Straßenbahnfahrer" fehlt auch diesem Album nicht die Spaßkategorie. Bei diesem Song mit Kultcharakter klingt es ein wenig nach den frühen Ärzten, während der Titel "Wayne Rooney" für reichlich Tanzlust bei anstehenden Konzerten sorgen wird.

Und sind die Klabusterbären noch Punk? "Ja klar ist der Punk noch da, aber wir waren ja schon immer auf der unbewussten Suche nach unserem eigenen Stil", so Schmidt. Dieser Stil ist bei "Momentaufnahme" nicht unbedingt durchgängig gefunden. Ein gelungenes Album einer erwachsen gewordenen Punkband ist dennoch entstanden.

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