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Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989: Ein Film, der die Welt veränderte

Hans-Jürgen Sievers

Der einstige Pfarrer der Reformierten Kirche Leipzig, Hans-Jürgen Sievers, steht vor der Kirche am Ring in Leipzig.

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dpa

Leipzig -

Plötzlich standen zwei langhaarige junge Männer vor seiner Kirche. Sie wollten auf den Turm und das filmen, was später als die entscheidende Montagsdemonstration in der DDR in die Geschichtsbücher eingehen sollte. „Ja, einen Moment lang habe ich überlegt, ob es sich bei den beiden jungen Leuten um Mitarbeiter der Stasi handeln könnte“, erinnert sich Hans-Jürgen Sievers, der 1989 Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig war.

Doch dann entschied er sich. „Mit dem Hausmeister habe ich geklärt, dass er mit ihnen auf den Turm steigt und die Turmtür von außen verschließt.“ Dass die beiden jungen Männer - Siegbert Schefke und Aram Radomski - zusammen mit dem Hausmeister stundenlang im Taubendreck sitzen würden, ahnten sie nicht. „Die Namen der beiden habe ich übrigens erst Jahre später zum ersten Mal gehört. Ich habe nach keinen Namen gefragt in der Zeit“, sagt Sievers.

SED-Mitglieder besetzten Plätze in Kirche

Als die Männer auf dem Turm waren, begann das Friedensgebet. Schon Stunden zuvor hatten Hunderte vor den Türen der Kirche gestanden. „Ich habe mich gefreut, weil mir zunächst gar nicht klar war, dass es hauptsächlich SED-Mitglieder waren, die möglichst viele Plätze in der Kirche einnehmen sollten“, berichtet der inzwischen 71-jährige Sievers. Als das Friedensgebet anfing, waren etwa 1500 Menschen in und vor der Kirche, die nur rund 450 Sitzplätze bietet.

Über den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King habe er gesprochen, über den Willen und die Kraft zum Durchhalten, erinnert sich Sievers, der 2005 in den Ruhestand ging. So, wie die Afroamerikaner sich gegen Schikanen und Unterdrückung gewehrt hätten, hätten auch die Menschen in der DDR den Willen zur Veränderung gehabt. Angst habe er nicht empfunden, sagt Sievers: „Kindern kann man Angst machen, Angst vorm Schwarzen Mann.“

Weitere Einzelheiten zu den Dreharbeiten lesen Sie auf Seite 2.

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