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Mitteldeutsche Zeitung | Kunstmuseum Moritzburg in Halle: Große Pläne für 2016
26. January 2016
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Kunstmuseum Moritzburg in Halle: Große Pläne für 2016

Félix Vallotton: La Blanche et la Noire, 1913, Öl auf Leinwand, Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Winterthur, Villa Flora

Félix Vallotton: La Blanche et la Noire, 1913, Öl auf Leinwand, Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Winterthur, Villa Flora

Foto:

Reto Pedrini, Zürich

Halle (Saale) -

Die „Magie des Augenblicks“ soll den Bann brechen und dauerhaften Zauber auslösen - so lässt sich der Plan beschreiben, den Thomas Bauer-Friedrich, der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg in Halle, verfolgt.

Genauer gesagt: Der Direktor des Landeskunstmuseums. Aber die Zuschreibung des Hauses zum Land hat zuweilen auch schon eine gewisse Distanz zwischen der Stadt (oder doch ihrer Führung) und dem Haus spüren lassen, das aber doch einen starken Bezug zu Halle hat, Landesmuseum hin oder her: Gegründet um die vorletzte Jahrhundertwende, verdankt es seine Existenz einer starken Bürgerschaft. Zuletzt hat es bei der Zahlung des Beitrages, auf den die Stadt für den Erhalt des Museum verpflichtet ist, geklemmt, weswegen das Land sich zur Klage veranlasst sah.

Herz ist für die schönen Dinge da

Das sind Dinge, die einem Museumsdirektor wohl auf der Seele, aber nicht unbedingt am Herzen liegen. Das Herz ist für die schönen Dinge da - und wenn die endlich auch von einer noch größeren Zahl von Besuchern als zuletzt 47.000 im Jahr 2015 wahrgenommen würden, wäre das Glück (fast) vollkommen. Denn einen Depotbau braucht die Moritzburg dringend. Damit der kommt, wird Bauer-Friedrich sich mühen müssen - bald gibt es Wahlen im Lande - und damit eine neue Regierungskoalition. Diese muss sich, so hofft man im Museum, den nicht ganz billigen Bauplan zueigen machen und in ihre „To-do-Liste“ tippen.

Es ist wie immer, alles hängt mit allem zusammen. Hier sind die 47.000 Besucher vom vergangenen Jahr (an zahlenden Gästen wurden 35.000 gezählt, 2014 waren es 9.000 weniger) schon eine ordentliche Zahl, aber letztlich ist der berühmte Break Even Point, jene Marke also, nach deren Erreichen es richtig zu brummen beginnt, noch nicht getroffen.

Vorfreude auf „Magie des Augenblicks“

Auch deshalb also die Vorfreude auf die „Magie des Augenblicks“, den Jahreshöhepunkt. „Wir hoffen auch auf die Chance, dass danach niemand mehr fragt: Wieso eigentlich Halle?“, sagt Bauer-Friedrich. Damit meint er, dass Halle natürlich in der Liga der wichtigen Museen der Republik mitspielen will und auch darf angesichts seiner Größe und seiner Geschichte - nur muss es eben erst einmal von Neuem belegt und dann vom Publikum verinnerlicht werden.

Mit der großen Ausstellung bedeutender französischer Malerei aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts kann das nun gelingen. Die Schau basiert auf der Kollektion, die das Ehepaar Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler aus Winterthur bei Zürich zwischen 1906 bis 1936 zusammengetragen hat.

Von Väter der Moderne bis Matisse und Marquet

Sie reicht von Werken der sogenannten Väter der Moderne wie van Gogh und Cézanne über Arbeiten der nicht minder großartigen Bonnard und Vallotton bis hin zu solchen von Matisse und Marquet. Die Sammlung, eigentlich beheimatet in der Villa Flora in Winterthur, ist derzeit quasi heimatlos, da man dort eben dabei ist, die Finanzen für die zahlreichen förderwürdigen Kunstmuseen des Ortes neu zu ordnen. Aber den Kunstwerken ist das Beste geschehen, was unter diesen Umständen denkbar ist - sie sind auf öffentlichkeitswirksamer Tournee durch vier europäische Museen: Nach Hamburg und Paris, wo sie mehr als 120.000 Besucher fand, wird Halle ab dem 12. März die dritte Station der Schau sein, bevor die rund 150 Gemälde und Plastiken im Herbst nach Stuttgart weitergereicht werden.

Die Ausstellung, die mit einiger Wahrscheinlichkeit weit in den mitteldeutschen Raum hinein und über diesen hinaus Aufmerksamkeit erzielen dürfte, wird in der Moritzburg natürlich gut flankiert von der dauerhaft präsentierten Sammlung Gerlinger. Die Expressionisten gehörten schließlich zu den Ersten hierzulande, die von den Meistern aus Frankreich beeindruckt und inspiriert worden sind.

Bauhaus im Blick

Noch bevor „Die Magie des Augenblicks“ in Halle eröffnet wird, soll am 6. Februar ein sogenannter Stabwechsel von einem ins nächste Jubeljahr sachsen-anhaltischer Kunstgeschichte überleiten: Stand 2015 stark im Zeichen des 100-jährigen Bestehens der anderen halleschen Burg - der Burg Giebichenstein, wird 2016 das vor 90 Jahren in Dessau wiedereröffnete Bauhaus in den Blick nehmen.

Dem „Burg“-Jubiläum war die noch bis zum 14. Februar gezeigte Ausstellung „Moderne in der Werkstatt“ in der Moritzburg gewidmet - eine Schau, die eben mehr auf den Werkstattgedanken und weniger auf die Präsentation einzelner Positionen und Werke abhebt. Das hat, so bedauert Thomas Bauer-Friedrich, auch zu Irritationen namentlich beim regionalen Publikum geführt, dessen Erwartungen hier offensichtlich teils in eine andere Richtung gegangen waren.

Eindeutig dürfte es hingegen beim Beitrag zur dezentralen Moderne-Ausstellung „Große Pläne!“ des Landes werden, die von der Stiftung Bauhaus verantwortet wird und zu der die hallesche Moritzburg im Herbst eine Feininger-Schau beisteuert. Im Zentrum wird dabei ein angeblich verschollenes, zerstörtes Gemälde aus Feiningers Pariser Jahren gehören, das dem Museum als Leihgabe aus Privatbesitz überlassen wurde. Auch diese Exposition mag dazu beitragen, dass die Moritzburg für die Besucher zur ersten Adresse wird. (mz)


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