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Kunst: Richter-Archiv kauft «Porträt Dr. Knobloch»

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«Porträt Dr. Knobloch»

Das «Porträt Dr. Knobloch» des in Dresden geborenen Malers Gerhard Richter (FOTO: DPA)

Das Gerhard Richter Archiv in Dresden hat mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Sparkassen-Finanzgruppe das «Porträt Dr. Knobloch» des Malers von 1964 aus Privatbesitz erworben.
Dresden/dpa. 

Stiftung, Sparkassen und Kunstsammlungen finanzierten die Summe, die in Absprache mit den Verkäufern nicht genannt werde, zu je einem Drittel, sagte die Generalsekretärin der Kulturstiftung, Isabel Pfeiffer-Poensgen, am Dienstag bei der Präsentation des Kunstwerkes in Dresden. Das 100 mal 90 Zentimeter große Bild wird von 2010 an im neuen Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen sein, sagte Generaldirektor Martin Roth.

Zum 80. Geburtstag des in der Elbestadt geborenen Künstlers im Februar 2012 planen die Kunstsammlungen eine große Jubiläumsschau, kündigte der Leiter des Archivs, Dietmar Elger, an. Richter habe sich immer gewünscht, sein Werk in Dresden zu zeigen, sagte Elger. Dann soll auch der erste Band des überarbeiteten und erweiterten Werkverzeichnisses der Bilder und Skulpturen des Künstlers vorliegen. In New York ist zudem eine Studioausstellung geplant, in der Landschaftsstudien von Richter Fotografien von Thomas Struth gegenübergestellt werden.

Das für das Archiv erworbene «Porträt Dr. Knobloch» sei ein besonders schönes Beispiel für Richters frühe Fotobilder, so Elger. Nach dem ausdrücklichen Wunsch der Verkäufer - Erben der Dargestellten - komme damit nach 20 Jahren wieder ein Bild aus der frühen Phase des Künstlers in ein öffentliches Museum. An dem nach einem Automaten-Passbild gemalten Porträt seien verschiedene Aspekte von Richters Kunst ablesbar. «Die Beziehung zum Werk von Andy Warhol wird ebenso deutlich wie der erste Schritt zur späteren Abstraktion», erklärte Elger. So sei der Vorhang im Hintergrund Vorlage für die ersten Vorhangbilder, aus denen die abstrakten Werke entstanden.

«Es ist ein wichtiger Baustein für unser Museum der Moderne», sagte der Direktor der Galerie Neue Meister, Ulrich Bischoff, in der das Bild mit anderen Dresdner Richter-Bildern sowie Leihgaben unter anderem des Künstlers hängen werde. Die beiden Räume würden von Richter selbst eingerichtet, sagte Elger. Daneben werde es je einen Raum mit Werken von Baselitz und Penck geben, so Bischoff. Das Albertinum wird derzeit saniert und umgebaut und soll 2010 wiedereröffnet werden.

Das Richter Archiv der Kunstsammlungen wurde 2006 gegründet. Es sammelt und verwahrt Bücher, Kataloge, Fotos, Briefe und Dokumente zu Richter und stellt sie für Forschungszwecke zur Verfügung. «Gerade erworben haben wir ein zweites Konvolut mit Briefen von Richter, das mit einem ersten Ankauf die Zeit von 1959 bis 1964 abdeckt.» In den Briefen an Dresdner Freunde berichte der Künstler von der schwierigen Zeit nach der Übersiedlung in den Westen, Zweifeln, Hoffnungen und seinen künstlerischen Versuchen mit den Fotobildern.

Richter gehört zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern. Er wurde 1932 in Dresden geboren, lebt und arbeitet in Köln. Zwischen 1964 und 1967 malte er zahlreiche Bildnisse von Künstlerkollegen, Galeristen und Sammlern als Auftragsporträts. Das «Porträt Dr. Knobloch» war die erste Arbeit dieser Art. Sie zeigt die Krefelder Ärztin Gisela Knobloch, die damals zum Sammlerkreis um die Düsseldorfer Galerie Schmela gehörte. Dort hatte Richter 1964 die erste Einzelausstellung. Noch am Eröffnungsabend erhielt er den Auftrag, das Porträt der Sammlerin zu malen. Neben der «Sekretärin» (1963) ist es das früheste Richter-Werk im Bestand der Dresdner Kunstsammlungen.