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Kulturstiftung Dessau-Wörlitz: Suche nach neuem Direktor

An Schönheit ist kein Mangel im Gartenreich: Schloss Luisium bei Dessau

An Schönheit ist kein Mangel im Gartenreich: Schloss Luisium bei Dessau

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frässdorf/kulturstiftung dessau-wörlitz

dessau-rosslau -

Am 14. Dezember vorigen Jahres wurde die Stelle des Direktors der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ausgeschrieben; am 15. Januar endete die Bewerbungsfrist. Eine vergleichsweise kurze Zeitspanne, in die auch noch der Jahreswechsel fiel. Insgesamt 21 Bewerbungen sind eingegangen, teilt das Kultusministerium mit. Nun liegt die national und international ausgeschriebene Personalie beim Kuratorium der Stiftung, dem der Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) vorsteht. Es gibt noch keinen Termin, bis wann ein Entschluss fallen soll, heißt es aus Magdeburg. Fest steht nur das: Die neue Kraft wird am 1. Februar 2017 ihren Dienst antreten.

Abgang aus Altersgründen

Dann scheidet der jetzige Direktor, Thomas Weiß, aus Altersgründen aus dem Amt. Der aus München stammende Kunsthistoriker kam 1994 als Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten Wörlitz, Oranienbaum und Luisium nach Anhalt. Drei klassische Schlossmuseen, die unter dem Dach der 1996 gegründeten Kulturstiftung 1998 mit dem bislang eigenständigen Schloss Mosigkau vereinigt worden sind. Neben den Wörlitzer Anlagen und den Gärten in und um Dessau gehören rund 7 100 Hektar Acker, Wiesen und Forst samt „Friedwald“ zum Bestand. Die Stiftung, die in Nachfolge der 1918 vom Haus Anhalt errichteten Joachim-Ernst-Stiftung steht, hat laut Satzung ihr historisches Eigentum zu erhalten, zu pflegen, wissenschaftlich zu erschließen und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Letzteres ist ein Aspekt, der seit dem im Jahr 2000 errungenen Status als Weltkulturerbe immer mehr in den Vordergrund rückt.

Schlagzeilen machte die Stiftung indes zuletzt mit der Tatsache, dass sich nahezu die gesamte Belegschaft öffentlich gegen einen Entschluss des Direktors gewendet hatte, die Stelle des Verwaltungsleiters mit deren umstrittener kommissarischer Inhaberin zu besetzen. Ein erstaunlicher Vorgang insofern, als ein offener Protest eine absolute Ausnahme ist in einer Landes-Institution, die eher von Langmut getragen wird. Schlaglichthaft wurde eine institutionelle Zerrüttung sichtbar, die nicht als eine „personelle Querele“ kleinzureden war, sondern als ein kommunikativer und sachlicher Notstand konstatiert werden musste. „Hohe Sozialkompetenz“ fordert denn auch die Stellenausschreibung.

Ziel: Vorantreiben der Stiftung

Die erwartet nicht weniger als einen Neustart. Die kommende Kraft - die ausgerechnet zum Beginn jenes Jahres antritt, in dem sich zum 200. Mal der Tod des Gartenreichschöpfers Leopold Friedrich Franz jährt - soll die Stiftung „strategisch weiterentwickeln“ heißt es, „international und national“ die Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen suchen, „Drittmittel einwerben“. Das sind klare Hinweise. Es geht um ein Vorantreiben der Stiftungsdinge in inhaltlicher, touristischer und finanzieller Hinsicht. Nachdem die Schlösser und Kleinarchitekturen von den 1990er Jahren an beinahe durchweg saniert worden sind (demnächst steht die Fassade von Schloss Kühnau und das Dach für Schloss Mosigkau auf dem Plan), geht es ans Eingemachte. Einen unbefristeten Vertrag wird es für diese Aufgabe nicht mehr geben; die Direktorenstelle ist auf fünf Jahre befristet, eine erste Verlängerung ist ohne Ausschreibung möglich.

Die Neuorganisation der Forschung erscheint dabei als die leichteste Aufgabe. Die Voraussetzungen sind seit Jahren günstig: Es gibt die Dessau-Wörlitz-Kommission am Aufklärungs-Institut in Halle, die Universität Halle, den Verein für Anhaltische Landeskunde, das Landes- und Stadtarchiv vor Ort, die Anhaltische Landesbücherei mit ihren historischen Beständen und die Evangelische Kirche. Alles ist da, es müsste nur einmal in einer konzertierten Aktion eine ergebnisorientierte Zusammenarbeit durchgehalten werden. Hier wäre vor allem Kooperation das Stichwort. Wie so etwas laufen kann - unter den in allen Stiftungen notorisch klammen Verhältnissen -, zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die mit der Universität Potsdam ein „Research Center Sanssouci“ gegründet hat. Lässt man den lächerlich hochtrabenden Titel beiseite, kommt einfach eine verabredete Projekt-Arbeit zum Vorschein, die bei Lichte besehen keinen Cent mehr kostet.

Förderungsende bleibt weiteres Problem

Das Geld ist vor allem mit Blick auf das Jahr 2019 von Interesse, dann endet der Solidarpakt II. An den aber ist die sogenannte „Leuchtturm“-Förderung des Bundes gekoppelt, der zur Zeit jährlich rund 1,2 Millionen Euro den Stiftungen zuschießt - um dieselbe Summe aufgestockt vom Land. Seit Jahren gibt es den Wunsch, die Kulturstiftung in eine institutionelle Förderung des Bundes zu überführen. Dort heißt es, dass das nur möglich sei, wenn ein anderer diese Förderung verlasse; das aber ist weder der Fall noch in Sicht. Das Bundesthema bleibt ein Problem, das bis 2019 gelöst sein muss.

Nicht geringer sind die Aufgaben in der Region, im historischen Anhalt-Dessau. Die vielfach gebeutelte Stadt Dessau-Roßlau müsste sich tatsächlich als eine Stadt „im“ Gartenreich begreifen. Was heißt: Das Gartenreich in der Stadt wäre verstärkt zu betonen und zu pflegen, zu beleben und zu bewerben - der Georgengarten, der Kühnauer Park, der Sieglitzer Berg. Auch hier wäre von Potsdam zu lernen, wie man mit solchen landschaftlichen Qualitäten die älteren West-Ost-Umzügler lockt, auf die es ankommt. Ein Konzept für das mitteldeutsche Rokoko-Schloss Mosigkau müsste her. Dass die im kommunalen Eigentum vor sich hin darbende Anhaltische Gemäldegalerie, die der künstlerische Schatz Anhalt-Dessaus ist, als eine Dauerbaustelle brach liegt, hat das Zeug zum landespolitischen Skandal.

Internationalität als Stichwort der Stunde

In all diesen Punkten braucht es ein zupackendes Interesse. Auch über die Region hinaus. „Internationalität“ ist das Stichwort der Stunde, das von den Trägern und Gönnern an die Stiftung herangetragen wird. Das nominelle Welterbe soll endlich auch in der Welt zur Kenntnis genommen werden. Was da auch für die Region möglich ist, zeigte die 2012 von der Stiftung im Schloss Oranienbaum unter dem Titel „Dutch Design - Huis van Oranje“ durchgeführte Ausstellung zum holländischen Kunsthandwerk, der ein sensationeller Publikumserfolg beschert war; ein Besuch der niederländischen Königin Beatrix inklusive. Aber auch eine Königin reist wieder ab. (mz)



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