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Kinostarts 17. Januar: «Django Unchained»

Uhr | Aktualisiert 17.01.2013 11:49 Uhr

Kopfgeldjäger: Dr. King Schultz (Christoph Waltz, l.) und Django (Jamie Foxx). (FOTO: DPA)

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«Django Unchained» ist unglaublich schräg, knallhart brutal und höchst vergnüglich. Ein waschechter Tarantino eben. Fans von «Pulp Fiction», «Kill Bill» und «Inglourious Basterds» können sich auf eine bluttriefende «Tour de Force» des 49 Jahre alten Kultregisseurs Quentin Tarantino freuen.
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Halle (Saale)/MZ. 

Eigentlich schade für Jamie Foxx. Der Oscar-Preisträger („Ray“) spielt zwar die Titelrolle, aber Quentin Tarantino hat in seinem Schreibstübchen einen anderen zum Star seines neuen Filmes gemacht. Nachdem Christoph Waltz mit seinem luftabschnürenden Auftritt als SS-Mann Hans Landa in Tarantinos „Inglourious Basterds“ ein Stück Filmgeschichte geschrieben und den Oscar einkassiert hat, schneiderte ihm der Kultregisseur seine neue Rolle auf den Leib.

Gestatten, Dr. King Schultz. Der ehemalige Zahnarzt verdient seine Brötchen im Amerika kurz vor dem Bürgerkrieg als Kopfgeldjäger. Ebenso eloquent wie treffsicher hat der Deutsche bislang jeder Flucht ein Ende gesetzt.

Dabei bevorzugt er eindeutig die erstere Variante der Vertragsklausel „Tot oder lebendig“. Nun soll Schultz ein verbrecherisches Bruder-Trio zur Strecke bringen. Weil er nicht weiß, wie diese Kanaillen aussehen, befreit er den Sklaven Django (Foxx), der mit den Zielpersonen leidvolle Erfahrungen gesammelt hat. Als der Job erledigt ist, gehen Schultz und Django nicht etwa getrennte Wege. Der Sklave ist nun ein freier Mann auf einem Pferd und er hat eine Mission, bei der Schultz ihn unterstützen wird.

Djangos Frau Broomhilda (Kerry Washington) wurde nach einem Fluchtversuch gebrandmarkt und von ihrem Mann getrennt. Nun arbeitet sie auf der Plantage des für seine Erbarmungslosigkeit bekannten Calvin Candie (Leonardo DiCaprio). Zwar hat Schultz einen genialen Plan zur Befreiung Broomhildas geschmiedet, aber womöglich hat das kauzige Genie diesmal seinen Meister gefunden.

Der Western „Django Unchained“ vereinigt alle Elemente, die einem Tarantino-Fan das Herz aufgehen lassen. Dabei hatte es der Filmemacher mit dem Thema Sklaverei wirklich nicht leicht. Die Rassismus-Vorwürfe, die gelegentlich gemacht wurden, entbehren allerdings jeder Grundlage.

Die kritisierte Darstellung von Gewalt, die den Zuschauer bisweilen wirklich ins Mark trifft, unterstreicht nur, wie brutal das Regime war, das der weiße Mann zu jener Zeit führte. Tarantino zeichnet nie nur schwarz und weiß, er zeigt auch die grauen Facetten menschlichen Tuns. Überhaupt ist dieses Drehbuch, das eben mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, Tarantinos Meisterstück.

Nicht die Action steht im Vordergrund, sondern die vor Witz und Hintergründigkeit sprühenden Dialoge. Und hier kommt wieder Christoph Waltz ins Spiel. Sein Dr. Schultz – kein Bösewicht, aber alles andere als ein Unschuldsengel – ist eine Figur, die der Zuschauer in jeder Sekunde genießt.

Natürlich spielen sie alle groß auf: der barbarische DiCaprio, der greise, abgründige Samuel L. Jackson und Jamie Foxx, ein Mann, der für das Westerngenre gemacht zu sein scheint. Mit Don Johnson besetzt Tarantino einmal mehr einen Schauspieler, der ein wenig aus der Mode gekommen ist. Franco Nero, der Held der „Django“-Spaghetti-Western aus den 60er Jahren, erteilt der Produktion mit einem kurzen Auftritt seinen Segen.

Es geht also doch. „Django Unchained“ ist eine zornige Abrechnung mit der Sklavenhalterzeit und ein Film, der kein Leid verharmlost. Trotzdem ist es ein einziges, großes Vergnügen, sich an die Fersen der Filmhelden zu heften. Selten vergingen 165 Minuten derart wie im Fluge. Am Ende soll man applaudieren, das wünscht sich Tarantino. Man wird den Impuls kaum unterdrücken können.

Django Unchained
Western, USA 2012
Regie: Quentin Tarantino
FSK: ab 16 Jahre

Der Film startet u. a. im Filmpalast Aschersleben, Cinemaxx Halle.

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