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Kinostart 31. Januar: «Zero Dark Thirty»

Uhr | Aktualisiert 30.01.2013 19:11 Uhr

Der Kinofilm «Zero Dark Thirty» bringt die Jagd auf Osama bin Laden ins Kino. (FOTO: DPA)

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Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow bringt die Jagd auf Osama bin Laden ins Kino - und sich damit ein weiteres Mal für die begehrte Film-Trophäe ins Gespräch.
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Berlin/MZ. 

Eine Handvoll Hubschrauber gleitet durch die Nacht, fast lautlos; nur aus dem Off klingt Musik: hämmernd und irgendwie unheimlich, bedrohlich, böse. Die Maschinen fliegen beängstigend knapp über ein Gebirge, um fürs Radar unsichtbar zu sein. Denn die Soldaten befinden sich auf geheimer Mission. Minuten später werden sie das Versteck von Osama bin Laden stürmen und den meistgesuchten Menschen der Welt erschießen.

In diesen Minuten ist „Zero Dark Thirty“ schon zwei Stunden alt, doch in gewisser Weise geht der Film jetzt noch einmal von vorn los. Zuvor sah man harte Arbeit: Ermittler an immer neuen Schreibtischen, in immer neuen Folterkellern, Geheimgefängnissen, fremden Ländern, bei Verhören, Treffen mit Informanten, im Gespräch miteinander und gelegentlich mit ihren Vorgesetzten, denen sie beschämt Rapport erstatten: Wieder nichts; immer noch keine Spur. Indizien werden verbunden mit Vermutung und Instinkt, Puzzlesteine kombiniert. Ermittlungsarbeit ist mühsam, und dabei zuzuschauen, ist manchmal auch recht ermüdend. Kathryn Bigelow weiß um diese Mühe, sie kostet sie geradezu aus, denn sie will uns Zuschauer spüren lassen, was „Krieg gegen den Terror“ bedeutet.

Dies ist eine Männerwelt: Weiße, kaum Schwarze, kein Asiate oder Latino. Die „Guten“ tragen Bärte und Kampfanzug; sie sind Tatmenschen. Es stören die glattrasierten Anzugträger. Bigelow war schon immer eine Regisseurin, die diese Welten harter Männer, der Muskeln, Waffen und Maschinen geliebt hat, die Welten von perfekten Handwerkern. Die wenigen Frauen, die es hier aushalten, tragen Hosen. Die Zäheste ist Maya, kalt, hart, ohne Eigenschaften. Gespielt wird sie von Jessica Chastain.

„Zero Dark Thirty“, dessen rätselhafter Titel im Militärjargon „30 Minuten nach Mitternacht“ bedeutet, ist ein hervorragender Thriller: die Anatomie einer Jagd. Bigelow schlägt sich auf keine Seite. Wer hat moralisch recht? Egal. Beziehungsweise eine Frage der Perspektive. Wer verdient unsere Anteilnahme? Alle.

Die persönliche Sicht Bigelows ist aber glasklar: Sie steht an der Seite des Staates, Amerikas, dem Osama bin Laden den Krieg erklärt hat, und dessen Opfer gerächt werden müssen. Auch Bigelow macht keine Gefangenen. Sie steht daher auch an der Seite all derjenigen, die für die Regierung die Drecksarbeit machen. Kollateralschäden inbegriffen. Wegen dieser Haltung, die man als Billigung der US-Folterpraktiken verstehen muss, hat „Zero Dark Thirty“ in den USA auch viel politische Kritik einstecken müssen. Der Zuschauer kann sich selbst sein Urteil bilden. Und dass Bigelow ausgerechnet vom „Sopranos“-Star Joe Gandolfini spielen lässt, ist von hinterhältiger Ironie: Auch die CIA ist eben eine Art Mafia. Bin Laden war einfach nur in einer anderen Gang.

Zero Dark Thirty
Politthriller, USA 2012,
Regie: Kathryn Bigelow
FSK: ab 16 jahre
Der Film startet u. a. im Cinemaxx Halle und Magdeburg.

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