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Kinostart 3. Januar: «Jack Reacher»

Uhr | Aktualisiert 02.01.2013 17:17 Uhr

US-Schauspieler Tom Cruise (r.) und seine britische Kollegin Rosamund Pike in einer Szene des Thrillers «Jack Reacher». (FOTO: DPA)

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Tom Cruise versucht als erbarmungsloser Unruhestifter „Jack Reacher“ den harten Hund zu geben.
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Halle (Saale)/MZ. 

Man kann sich ungefähr vorstellen, was im Kopf von Tom Cruise vorging, als er beschlossen hat, die auf einer Romanreihe beruhende Titelfigur des Jack Reacher zu spielen: Er wollte weg vom Image des allzu liebenswerten Strahlemanns im Dienste des Guten und endlich einmal einen ambivalenteren Charakter spielen, der ohne Rücksicht auf Verluste oder bestehende Gesetze ordentlich austeilen darf.

Dass der von ihm verkörperte Jack Reacher dabei natürlich immer noch auf der Seite der Guten für Gerechtigkeit kämpft - wenngleich nicht immer mit ganz sauberen Mitteln - versteht sich von selbst. So richtig böse sollte es dann wohl doch nicht sein.

Den Part des Bösewichts hat Cruise deshalb dem Deutschen Werner Herzog überlassen, der als Schauspieler eher selten in Erscheinung tritt, als Regisseur dafür nach Klassikern wie "Fitzcarraldo" oder "Cobra Verde" eine bekannte Größe ist. Seine Rolle des äußerst brutal vorgehenden sowjetischen Ex-Sträflings The Zec, der im Hintergrund geschickt die Fäden zieht, nutzt Herzog jedoch mehr zum ins Lächerlich gehende Chargieren als zum ernsthaften Schauspiel, womit er weder sich noch diesem Film einen Gefallen tut.

Doch die eigentliche Fehlbesetzung dieses Actionthrillers ist Tom Cruise selbst. Den knallharten Einzelkämpfer, der vermeintliche Gerechtigkeit mit eigenen Mitteln herzustellen versucht, nimmt man ihm nie so ganz ab. Zu gewollt sind seine Bemühungen, möglichst kalt und unnahbar zu wirken, was sich in einem gequält entschlossenen und leider auch ewig gleichen Gesichtsausdruck manifestiert.

Seine Figur Jack Reacher ist ein ehemaliger Ermittler, der im Dienste des Militärs Verbrechen innerhalb der Truppe aufzuklären versuchte und dabei zu den besten seines Standes zählte. Nun lebt er untergetaucht in selbstgewählter Einsamkeit, unauffindbar sogar für die Behörden.

Als in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Indiana fünf Menschen von einem Scharfschützen brutal hingerichtet werden, haben die örtliche Polizei und die Staatsanwaltschaft schnell eine heiße Spur. Diese führt zum ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora), der in seinem Verhör jedoch nur drei Worte sagt: "Holt Jack Reacher!".

Dieser erscheint dann sehr plötzlich auf der Bildfläche und versucht mit Unterstützung von Barrs Anwältin Helen Rodin (Rosamund Pike), dessen Unschuld zu beweisen. Dabei sehen sich die beiden mit einem skrupellosen, bestens vernetzten Gegner konfrontiert und geraten selbst unter Beschuss.

Wer wie in Tom Cruises "Mission: Impossible"-Streifen Action am laufenden Band erwartet, wird hier eher enttäuscht. Denn Regisseur Christopher McQuarrie, der als Drehbuchautor von "Die üblichen Verdächtigen" einen Oscar erhielt, legt mehr Wert darauf, die nicht unspannende und clever konstruierte Geschichte, die er in sorgsam ausgewählten Bildern behutsam vor uns ausbreitet, zu erzählen, als eine Verfolgungsjagd an die andere zu reihen.

Und so bleibt auch der finale Showdown erstaunlich unspektakulär, denn McQuarrie ist mehr an einer eindringlichen Charakterisierung seiner geheimnisvoll wirkenden Titelfigur interessiert. Dass man mit dieser jedoch als Zuschauer nie so ganz warm wird, liegt an Cruise, der diese in all ihrer Komplexität zu selten glaubwürdig verkörpert und in einigen Szenen sogar lächerlich wirkt.

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