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Kinostart 3. Januar: «For Ellen»

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In „For Ellen“ erzählt So Yong Kim von einem erfolglosen jungen Rockmusiker, der kurz vor seiner Scheidung den Kontakt zu seiner kleinen Tochter sucht. Doch auch in dieser Beziehung scheitert er.
Hamburg/dpa. 

Man könnte diesen Independent-Film als Vater-Tochter-Drama bezeichnen, doch das trifft die Geschichte nur am Rande. Denn die in Südkorea geborene amerikanische Drehbuchautorin und Regisseurin So Yong Kim zeichnet in ihrem dritten Spielfilm „For Ellen“ die beklemmende Charakterstudie eines jungen Musikers und erzählt eine Geschichte des Scheiterns. Dazu wählt sich nicht viele Worte und lautstarke Auseinandersetzungen, sondern die bedrückende Stille und eine Kamera, die auf dem Gesicht der Protagonisten oder der leeren Winterlandschaft verharrt.

Joby (Paul Dano, „There Will Be Blood“) ist vor Jahren aus der Einöde von New York State nach Chicago geflüchtet, vor seiner Frau, seinem Kind, seiner Verantwortung, um dort seine große Karriere als Rockmusiker zu starten. Nun kehrt er zum Scheidungstermin in die Kleinstadt zurück, seine Noch-Ehefrau Claire spricht nur durch die Anwälte mit ihm, seine Tochter hat er noch nie gesehen. Erst als im klar wird, dass er alles verlieren wird, wird in ihm der Wunsch wach, doch um seine Tochter zu kämpfen.

Joby ist kein Sympathieträger, viel zu eitel, selbstgerecht und egozentrisch gibt er sich. Für den Zuschauer bleibt er schwer durchschaubar. In der trostlosen, winterlichen Landschaft ist er ein Außenseiter mit seinen schwarz lackierten Fingernägeln, den ungepflegten langen Haaren und einem Ziegenbärtchen, das er sich vor dem Anwaltstermin noch einmal fein säuberlich schwarz tuscht. Die Scheidungspapiere hat er auch nicht gelesen. Aber an seinem Leid, sind stets die andern schuld.

Vielleicht ist auch das der Grund, warum er zaghaft und viel zu spät doch um seine Tochter kämpft, letztendlich nur ein einziges Mal. Er will nicht wieder verlieren. Diese Leere Jobys füllt Paul Dano mit unglaublicher Schwere, Verlorenheit und Traurigkeit. Mehr als 20 Minuten begleitet ihn die Kamera, als es doch noch zu einem Treffen mit Ellen kommt; sie gemeinsam ins Shopping-Center, zur Bowling-Bahn, auf den Spielplatz gehen. Unbeholfen und verunsichert, dabei aber durchaus einfühlsam, versucht er sich seiner Tochter zu nähern. Die beantwortet mit kindlicher Ehrlichkeit und Knappheit seine Fragen. Diese nicht zu Ende gehenden Minuten sind das dramatische Herz dieses Filmes, ein dramaturgischer Höhepunkt voller Stille und Leere.

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