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Kinostart 29. November: «Alexander Granach - Da geht ein Mensch»

Uhr | Aktualisiert 29.11.2012 09:21 Uhr

«Alexander Granach - Da geht ein Mensch» portraitiert eine bewegte Schauspielerkarriere. (FOTO: DPA)

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Vom krummbeinigen Bäckergehilfen zum Bühnenstar der Weimarer Republik: Der Schauspieler Alexander Granach (1890-1945) hatte eine ungewöhnliche Karriere. Berühmt wurde er als Hausmeister in Friedrich Wilhelm Murnaus Kultfilm «Nosferatu» (1922).
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Berlin/dpa. 

Die Münchner Journalistin und Dokumentarfilmerin Angelika Wittlich widmet dem jüdischen Bauernsohn aus Galizien jetzt das Filmporträt «Alexander Granach - Da geht ein Mensch».

«Diese Geschichte ist voll von Lebenskraft und zugleich eine wunderbare Liebesgeschichte», sagt die Regisseurin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wittlich hatte 2008 zusammen mit der Verlegerin Hilde Becher die 300 Briefe herausgegeben, die Granach während der Nazizeit aus dem Exil an seine Schweizer Geliebte und Schauspielkollegin Lotte Lieven schrieb. Zusammen mit seiner Autobiografie «Da geht ein Mensch» und Gesprächen mit Zeitzeugen entstand daraus jetzt die filmische Lebensgeschichte.

1890 als neuntes Kind jüdischer Bauern in der heutigen Ukraine geboren, war der 16-Jährige mit der Lohnkasse seines damaligen Meisters nach Berlin durchgebrannt und hielt sich zunächst als Bäckergehilfe und Sargtischler über Wasser.

Nach ersten Auftritten in einem jiddischen Amateurtheater wird er von Max Reinhardt entdeckt und arbeitet später mit allen Theaterlegenden der Weimarer Zeit zusammen, darunter Erwin Piscator, Jürgen Fehling und Bertolt Brecht. «Ich erinnere mich seiner, wie er in München um 1920 herum den Shylock spielte, frech, aufdringlich, brüllend, dass der Kronleuchter wackelte, sehr farbig», schrieb Brecht später in seinem «Arbeitsjournal».

Die Nazizeit macht Granachs Karriere ein jähes Ende. Er flüchtet über Wien nach Polen und Russland, muss 1938 aber Europa ganz verlassen. In den USA schafft er sowohl beim Film in Hollywood («Ninotschka», «Das siebte Kreuz») wie auch am Broadway einen Neuanfang. Am 14. März 1945 stirbt er in New York an einer verschleppten Blinddarmentzündung.

«Es ist eine verrückte Geschichte: Ein Mann, der den ersten Weltkrieg überlebt, der Hitler und Stalin entkommt, stirbt kurz vor Kriegsende einen so dummen Tod», sagt Wittlich. Für ihre Recherchen hat sie auch Granachs Sohn Gad in Jerusalem besucht, der sich trotz seiner 93 Jahre noch lebhaft an den Vater erinnerte.

Aus dem Briefwechsel des Schauspielers mit seiner Geliebten Lotte Lieven lesen im Film Juliane Köhler und Samuel Finzi. «Das Leben hat mich in meiner Jugend ganz hart am Schopf genommen», schreibt er 1936. «Dasselbe tat ich dann mit dem Leben.»

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