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Kinostart 27. Dezember: «Cäsar muss sterben»

Uhr | Aktualisiert 27.12.2012 10:26 Uhr

Cäsar (Giovanni Arcuri) probt seinen Einmarsch. (FOTO: DPA)

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Hinter Gefängnismauern entstand der neue Film der Italiener Paolo und Vittorio Taviani. In «Cäsar muss sterben» zeigen die italienischen Regie-Altmeister, was Kunst in Menschen bewirken kann.
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Berlin/MZ. 

„Cäsar muss sterben“, der im Februar bei der Berlinale den Goldenen Bären gewann, ist ein bemerkenswerter Film. Eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm, Wahrheit und Täuschung, Kunst und Leben. Es ist ein Gangsterstück und Politdrama, und zwar im doppelten Sinn. Die Schauspieler hier sind nämlich Mörder und andere Kriminelle, zugleich spielen sie Politiker, die Schauspieler sind, und Mörder und Verbrecher anderer Art sowieso.

Wie ist das gemeint? Die Brüder Paolo (80) und Vittorio (82) Taviani, drehen seit Jahrzehnten gemeinsam und gleichberechtigt Kinofilme, für die sie vielfach ausgezeichnet und weltberühmt wurden. Ihren neuesten Film haben sie jetzt im Gefängnis gedreht. Im berüchtigten Rebibbia-Hochsicherheitstrakt bei Rom haben sie ihre Schauspieler rekrutiert und Shakespeares „Julius Caesar“ inszeniert. Ein Theaterstück, das zwar Historien- und Politdrama ist, aber doch auch als Geschichte eines Männerbundes verstanden werden kann, der an seinem Anführer zweifelt. Diesem wird die Führung erst streitig gemacht, dann wird er ermordet, schließlich kämpft man darum, wer der neue Boss werden soll. Sehr lebensnah also, aus Sicht der Häftlinge. Und dann spielt alles noch vor Ort, in Rom,

So mischen sich barocke Schurkenmonologe mit authentischen Gesprächen zu einer boshaften Melange. Hinzu kommt die Bildwirkung der Kulisse, also der realen Mauern des Gefängnisses: Beton und Stahlgitter im bleiernen Grau des weichen Schwarz-Weiß von Tavianis Material. Ein sehenswerter Kino-Dialog über Freiheit, über Macht und Gewalt.

Cäsar muss sterben
Dokudrama, Italien 2012,
Regie: Paolo und Vittorio Taviani
fsk: ab 6 jahre

Der Film startet u. a. im Kino Lichtblick, Berlin, Kastanienallee 77, Kino am Raschplatz, Hannover.

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