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Kinostart 10. Januar: «Geschmack von Rost und Knochen»

Uhr | Aktualisiert 10.01.2013 11:22 Uhr

Stéphanie (Marion Cotillard) auf Tuchfühlung mit einem Killerwal. (FOTO: DPA)

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Gegensätze ziehen sich an? Stimmt wohl. Aber dann? Dann kann es verdammt schwierig werden! Wie schwierig, erzählt der französische Spielfilm «Der Geschmack von Rost und Knochen» mit schier unglaublicher, geradezu körperlich spürbarer Wucht.
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Halle (Saale)/MZ. 

Mit dem allgemein hochgelobten „Ein Prophet“ konnte Jacques Audiard vor drei Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich und seine Arbeit ziehen. Nun legt der französische Regisseur seinen nächsten Film vor, mit dem er es in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes schaffte und dort ebenfalls von den Kritikern begeistert aufgenommen wurde. Dies alles völlig zu Recht, denn Audiard ist erneut ein großartiger Film gelungen, dem man ein wenig Zeit geben muss, der dann aber das Herz des Kinozuschauers im Sturm erobert.

Erzählt wird die Geschichte von Ali (Matthias Schoenaerts), der sich mit seinem fünfjährigen Sohn im Schlepptau aus dem Norden Frankreichs auf an die Cote d’Azur macht. Dort finden sie Unterschlupf bei Alis Schwester und Ali findet Arbeit bei einer Sicherheitsfirma. Die schickt ihn als Türsteher in einen Nachtclub, wo er beim Schlichten einer Prügelei zum ersten Mal auf Stéphanie (Marion Cotillard) trifft.

Doch ein harter Schicksalsschlag soll die beiden wenige Monate später erneut zusammenbringen. Denn die als Killerwaltrainerin in einem Aquapark arbeitende Stéphanie erleidet einen schweren Unfall, der die Amputation beider Beine zur Folge hat. Da erinnert sie sich wieder an Ali, die beiden treffen sich und schließen Freundschaft. Denn die Lebensfreude, die Ali ausstrahlt, wirkt ansteckend und verleiht Stéphanie neuen Mut.

Jacques Audiard erzählt hier eine ebenso einfache wie ungewöhnliche Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sich stark über die Funktionalität und den Reiz des Körperlichen definieren und erst mit dem Verlust eines Teils ihrer physischen Unversehrtheit in sich hineinhorchen können, um sich selbst in voller Gänze wahrzunehmen und zu erfahren.

Dies verpackt Audiard in fiebrig fotografierte Bilder und bleibt in allen Einstellungen dicht dran an seinen Protagonisten. Durch diese Nähe zu den beiden sehr unterschiedlichen Charakteren entstehen immer wieder eindringliche Momente, die einen als Zuschauer dank des großartigen Spiels der zwei Hauptdarsteller durch den Film tragen. So wird hier fernab von jeglichem Betroffenheitskino eine ehrliche Geschichte in authentischen Bildern erzählt, die zwar entfernt an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert, jedoch einen deutlich dramatischeren Ton anschlägt.

Der Geschmack von Rost und Knochen

Drama, F 2012,

Regie: Jacques Audiard

FSK: ab 12 Jahre

Der Film startet u. a. im Lux am Zoo, Halle, Seebener Str. 172.

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