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Kinofilm «Der Hobbit»: Beste Unterhaltung mit 48 Bildern pro Sekunde

Uhr | Aktualisiert 13.12.2012 17:50 Uhr
Martin Freeman als Bilbo Baggins im Kinofilm «Der Hobbit: Eine unerwartete Reise». Als im Oktober 2010 die Nachricht herauskam, dass Martin Freeman den kleinen «Hobbit» spielen würde, war er außerhalb seiner Heimat Großbritannien wenig bekannt. Das hat sich Dank der begehrten Rolle schon vor dem Kinostart der neuen Tolkien-Verfilmung geändert. (FOTO: DPA) 
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Seit Monaten schüren die Macher die Spannung auf den «Hobbit»-Film - vom 13. Dezember an ist die Leinwandversion des Vorläufers zu J.R.R. Tolkiens Trilogie «Herr der Ringe» in deutschen Kinos zu sehen.
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HALLE (SAALE)/MZ. 

Eigentlich sollte für Regisseur Peter Jackson nach seiner fulminanten "Herr der Ringe"-Trilogie Schluss sein mit Ausflügen in J.R.R. Tolkiens Fantasie-Welt Mittelerde. Als die Pläne für eine Kinoadaption des Kinderbuchs "Der Hobbit" Kontur annahmen, befürchtete der Neuseeländer, dass er bereits alles gegeben hätte und sich womöglich wiederholen würde.

Das Schicksal wollte es, dass Jackson am Ende auch bei der Verfilmung der literarischen Einstiegsdroge ins "Ringe"-Universum das Ruder übernahm.

Wenn schon, denn schon, mag sich der Filmemacher gedacht haben, als er zumindest technisch einen völlig neuen Ansatz für seine Erzählung wählte. Statt der althergebrachten 24 Aufnahmen pro Sekunde, die die Bilder auf der Leinwand zum Leben erwecken, wählte Jackson erstmals digitale 48. Mit beeindruckendem Resultat.

An diese (in entsprechend ausgerüsteten Kinos) gestochen scharfen Bilder muss man sich erst einmal gewöhnen. Alles ist vertraut und doch ist alles neu, wenn der Zuschauer nach einiger Zeit der "Ringe"-Abstinenz noch einmal Bilbo Beutlins heimelige Erdwohnung aufsucht. Gut möglich, dass die ersten Dialoge am Zuschauer vorbeigehen, weil das Hirn voll und ganz mit der Verarbeitung des Gesehenen beschäftigt ist. In Verbindung mit ausgereifter 3D-Technik vermittelt eine kurze Actionszene gleich zu Beginn einen Eindruck von den Möglichkeiten der hohen Bildfrequenz.

Der alte Bilbo Beutlin (Ian Holm) hält für die Nachwelt Ereignisse fest, die sich bereits vor sechzig Jahren abgespielt haben. Damals bekam der junge Beutlin (Neuzugang Martin Freeman) gleich massenhaft ungebetenen Besuch. Erst kreuzte der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) bei ihm auf, dann überrollte eine Horde von 13 Zwergen sein gemütliches Zuhause, um die Speisekammer zu plündern.

Die Gäste wollen Bilbo zum Abenteuer seines Lebens überreden. Einst hatte ein Zwergen-König in seinem imposanten Reich Erebor einen großen Goldschatz angehäuft. Aber bekanntlich weckt große Liquidität stets fremde Begehrlichkeiten. Weil sich seine Spezies magisch zu Gold hingezogen fühlt, überfiel der Drache Smaug das Reich, tötete oder vertrieb die Einwohner und machte es sich im Edelmetall gemütlich. Nun wollen die Zwerge Erebor befreien. Und Bilbo soll die Horde begleiten.

Weil eine bloße Wanderung durch die Natur Mittelerdes schnell langweilig werden könnte, hetzt das Drehbuch immer neue Gegner auf die Reisegruppe. Der Zuschauer trifft alte Bekannte wie die Orks wieder, er lernt Trolle erstmals von ihrer privaten Seite kennen und schließt neue Bekanntschaften. Und natürlich stößt Bilbo Beutlin auf das schizophrene Wesen Gollum und der eine Ring wechselt seinen Besitzer.

Als man den letzten "Harry Potter"-Band gleich zu zwei Filmen verarbeitete, rechtfertigte man diese Entscheidung mit der Komplexität des Buches. Eine ähnliche Begründung kann schwerlich herhalten, wenn das vergleichsweise überschaubare Büchlein "Der Hobbit" nun an drei langen Kinoabenden ausgewertet wird. Sei's drum, eine riesige Fangemeinde empfindet wahrscheinlich jede zusätzliche Minute in Mittelerde als Geschenk. Wie Tolkien-Puristen das modifizierte Werk verkraften werden, bleibt abzuwarten.

Fakt ist, dass "Der Hobbit", Teil 1, prächtig unterhält. Dass es bei einem solchen Aufmarsch von lebenslustigen Zwergen auch so Einiges zu lachen gibt, ist der Natur des Kinderbuchs geschuldet. In der Schlacht geht es trotzdem mit unverminderter Härte zur Sache.

Martin Freeman (in "Sherlock" zu sehen) ist ein vorzüglicher Hobbit. Wenn die unerwartete Reise mit einem fiesen Cliffhanger vorerst zu Ende geht, freut man sich bereits auf das Wiedersehen mit Bilbo und Konsorten - am 12. Dezember 2013.

Der Hobbit - Eine unerwartete Reise
Fantasy, USA, Neuseeland 2012, Regie: Peter Jackson
FSK: ab 12 jahre

Der Film startet u. a. im Filmpalast Aschersleben, UCI Dessau, Cinemaxx und Bel Etage Halle.

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