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Hockenheimring: Böhse Onkelz geben Comeback

Böhse Onkelz

Sichtbar gealtert, aber gut gelaunt. Die Böhsen Onkelz sind wieder da.

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Facebook-Screenshot

Halle -

Punkt Mitternacht lief der ominöse Countdown ab. Und es passierte erst mal nichts. Die Server auf der Homepage der Böhsen Onkelz waren komplett überlastet. Bei Facebook fand sich immerhin ein Hinweis: Onkelz 2014 - 20 Juni, Hockenheimring. Wie es aussieht, sind sie also wieder da. Es wäre das erste Konzert der umstrittenen Band seit neun Jahren.

2005 hatte sich die Gruppe mit einem gigantischen Festival von ihren Fans verabschiedet. Weit über 100.000 Menschen pilgerten damals zum Lausitzring. Zu diesem Zeitpunkt konnten die vier Onkelz auf eine 25 Jahre lange, wechselhafte Bandgeschichte zurückblicken.

Links? Rechts? Skandalband?

Angefangen hatte alles in den 80er Jahren. Stephan Weidner (Der W), Kevin Russel und Peter "Pe" Schorowsky gründeten eine Punk-Band und nannten sie zunächst Böhse Onkels. Matthias "Gonzo" Röhr kam etwas später dazu. Zu viert spielten die Musiker wenig beachtet im Frankfurter Untergrund und wurden bald Teil der dortigen Skinhead-Szene. 1984 erschien das Album "Der nette Mann", das 1986 als jugendgefährend indiziert und später wegen Gewaltverherrlichung zusätzlich beschlagnahmt wurde. Erst danach nahm die Bekanntheit der Böhsen Onkelz zu.

Als sich die Skinhead-Szene immer weiter nach rechts entwickelte, sagten sich die Onkelz nach eigener Aussage von ihr los. Das Image einer Rechtsrockband sind sie aber trotz zahlreicher gegenteiliger Beteuerungen und einiger Aktionen gegen Rechtsextremismus bis heute nicht los geworden. Drogen- und Gewaltexzesse, vor allem von Sänger Russel, taten ihr übriges in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Böhsen Onkelz gelten deshalb bis heute als Skandalband.

Trotz oder vielleicht auch wegen des miserablen Rufs erfreuten sich die Musiker in den 90er Jahren stetig wachsender Beliebtheit. Es folgten mehrere Nummer-Eins-Alben und ausverkaufte Konzerte in immer größeren Hallen. So wurden die Onkelz zu einer der erfolgreichsten Rock-Bands in Deutschland.

2005 löste sich die Band auf, "um nicht als Rock-Opas zu enden", wie Stephan Weidner damals betonte. Nach dem Abschlusskonzert wurde es bald still um die Onkelz. Alle vier starteten mehr oder weniger erfolgreiche Solokarrieren. Kevin Russel verbrachte die vergangenen Jahre im Gefängnis, nachdem er am Silvesterabend 2009 unter Drogeneinfluss einen schweren Unfall verursacht hatte. Zwei Männer wurden dabei lebensgefährlich verletzt.

Videos lassen Fans hoffen

In den vergangenen Tagen verdichteten sich die Gerüchte über ein Comeback der Band. Auf der Homepage erschienen zwei geheimnisvolle Videos und ein Countdown. Dies löste wilde Spekulationen im Internet aus. Das Album "E.I.N.S" gehörte in den vergangenen Tagen zu den bestverkauften CDs bei Amazon.

Zehn Minuten nach Mitternacht ist es dann amtlich. Die umstrittene Band gibt ein Comeback. Bei Facebook schreiben sie: "Genauso, wie es sich 2005 richtig angefühlt hat, einen Schlussstrich unter das Kapitel ONKELZ zu ziehen, fühlt es sich heute richtig an, ein neues Kapitel zu schreiben. Wir sind wieder E.I.N.S.! Und das wollen wir euch zeigen und mit euch teilen."