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Gastbeitrag von Matthias Rataiczyk: „Kultur ist die Wurzel unserer Gesellschaft“

„Es regt sich der Unmut – und das ist gut so.“, Matthias Rataiczyk, Maler

„Es regt sich der Unmut – und das ist gut so.“, Matthias Rataiczyk, Maler

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günter bauer

Halle (Saale)/MZ -

Wir leben in einem Bundesland, welches wie kaum ein anderes in Deutschland mit kulturellem Reichtum aus unterschiedlichen Jahrhunderten gesegnet ist.

Diese gewachsene Kultur, die weit mehr ist als Schlösser und Gärten, ist die Wurzel unserer Gesellschaft. Sie macht deutlich, woher wir kommen und wohin unsere Wege führen könnten. Wenn eine solche Wurzel beschädigt wird oder gar stirbt, verliert eine Gesellschaft ihre Identität. Nicht einmal ein Prozent des gesamten Haushaltes des Landes gönnen wir uns für Kultur in Sachsen-Anhalt.

Offensichtlich gibt es Kräfte in der Politik, die der Meinung sind, es ließe sich ohne Identität leben oder die Identität könne heute durch andere Medien erlangt werden. Dies ist ein gewaltiger Irrglaube, der unserem Land schadet. Kultur war und ist eine Keimzelle für Kreativität und Innovation und gibt uns in Zeiten der Not Kraft und Zuversicht. Wenn Bevölkerungszahlen schrumpfen und Haushalte gekürzt werden, ist es verständlich, wenn auch im kulturellen Bereich gespart werden muss. Doch bevor wir uns von unwiederbringlichem Gut trennen, ist im gesellschaftlichen Diskurs zu klären, wo Prioritäten gesetzt werden sollen. Wir haben zu prüfen, was uns zukünftig wichtig ist und was verzichtbar sein könnte.

Diesen Diskurs dürfen wir nicht nur auf den Kulturbereich beschränken, sondern müssen ihn im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang führen. Genauso wie wir den künftigen Generationen keine Schulden aufbürden wollen, sollten wir Verantwortung dafür übernehmen, wie stark wir kulturelle Angebote in unserer Region schrumpfen lassen.

Hört man die Worte mancher Politiker, könnte man glauben, unsere Gesellschaft sei verarmt. Doch alles andere ist der Fall – sie war noch nie so reich wie heute. Unsere Gesellschaft verändert sich. Immer deutlicher wird eine Kluft zwischen privatem Reichtum und öffentlicher Armut – Städte, Kommunen und Länder leiden an ständiger Geldknappheit.

Hier hat die Politik zu handeln und nicht den leichtesten Weg der Mittelkürzungen zu gehen, sondern nachhaltige Lösungsansätze zu entwickeln.

Der Kulturkonvent, als ein vom Landtag in Sachsen-Anhalt eingesetztes beratendes Gremium, hat in seinem Bericht der Politik die Bedeutung von Kunst und Kultur facettenreich dargelegt.

Die Mitglieder haben auf eine Erhöhung des Kulturetats auf 100 Millionen Euro plädiert, dabei liegt selbst diese Summe immer noch unter dem, was unsere Nachbarländer Sachsen und Thüringen für Kultur ausgeben.

Der Freistaat Thüringen beispielsweise beschritt 2012 den Weg zur Erhöhung von 120 auf 139 Millionen Euro für die Kultur. Die Ignoranz derer, die den Konvent in Sachsen-Anhalt einberufen hatten und sich nun über dessen Ergebnisse hinwegsetzen, ist schmerzlich und lässt an der Seriosität der Politik zweifeln. Doch im Land der Frühaufsteher regt sich der Unmut – und das ist gut so.