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Film: «Schakal Carlos» schafft es auf die Kinoleinwand

Uhr | Aktualisiert 04.07.2010 18:51 Uhr
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Ilich Ramirez Sánchez

Ilich Ramirez Sánchez, der als Terrorist «Carlos» berüchtigt und gefürchtet wurde. Sein Leben wurde jetzt verfilmt. (FOTO: DPA)

Wenn man die Geschichte des seinerzeit meistgesuchten Terroristen der Welt erzählen will, braucht man Zeit. Mehr als fünf Stunden dauert der Film "Carlos - Der Schakal" über Ilich Ramirez Sánchez, der als Terrorist "Carlos" berüchtigt und gefürchtet wurde. "Wenn ich einen Weg gefunden hätte, diese Geschichte in einem kürzeren Film zu erzählen, hätte ich das getan.
MÜNCHEN/DPA. 

Aber das ging nicht", sagte Regisseur Olivier Assayas am Samstag kurz vor der Deutschlandpremiere auf dem Filmfest München.

Der komplexe Film versucht, dem Mythos "Carlos" auf den Grund zu gehen. Er erzählt die Geschichte des Venezolaners, der unter anderem für die Geiselnahme der OPEC-Ölminister in Wien im Jahr 1975 verantwortlich ist. Assayas zeichnet seine Entwicklung vom ideologisch-politischen Kämpfer - vom pro-palästinensischen Aktivisten - hin zu einem Söldner, der im Grunde nur noch für Geld tötet. Nach der Premiere des Filmes in Cannes ließen sich die Kritiker zu Jubelstürmen hinreißen.

Das könnte in erster Linie an der beeindruckenden Leistung des Hauptdarstellers Edgar Ramírez liegen, der für die Rolle nicht nur alles gelesen hat, was er über seinen Landsmann in Erfahrung bringen konnte, sondern auch Körpereinsatz zeigte: Im Laufe des Films nimmt die Filmfigur fast 20 Kilogramm zu. Der Schauspieler, der wie Carlos aus Venezuela stammt, sagte: "Es war einfach großartig, eine so facettenreiche Rolle spielen zu können. Ich spiele am liebsten Figuren, die mit mir selbst überhaupt nichts zu tun haben. Dabei lerne ich viel über die menschliche Natur."

Der echte "Carlos" wurde 1994 verhaftet und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in Frankreich. An der Entstehung des Films war er nicht beteiligt. Es sei zu schwierig gewesen, an ihn heranzukommen. "Außerdem wäre der Wahrheitsgehalt seiner Worte wahrscheinlich sehr gering gewesen", sagte Assayas. "Carlos hat noch nie die Wahrheit gesagt."