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Ferne Ahnen - so nah

Uhr | Aktualisiert 30.03.2005 12:40 Uhr
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Schwerter, Ringe und Beile

Bei der Sternenscheibe von Nebra wurden diese Schwerter, Ringe und Beile gefunden. (Foto: MZ)

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Die Scheibe ist ein Hit! Tausende drängen sich tagtäglich um die Schätze der Landesausstellung "Der geschmiedete Himmel" in Halle. Experten wie Medien schwärmen von einer Sensation, vom Troja Sachsen-Anhalts, nennen die Schau um die Sternenscheibe nachgerade weltbilderschütternd. Noch immer zwar ist die Botschaft der Scheibe voller Rätsel und Magie, doch hat sie schon wesentliche Erkenntnisse preisgegeben: Wie viel weiter als bisher angenommen unsere Vorfahren vor rund 3 000 Jahren waren in ihrer Entwicklung, in Kenntnissen und Lebensweise.
Halle/MZ. 

Die Scheibe ist ein Hit! Tausende drängen sich tagtäglich um die Schätze der Landesausstellung "Der geschmiedete Himmel" in Halle. Experten wie Medien schwärmen von einer Sensation, vom Troja Sachsen-Anhalts, nennen die Schau um die Sternenscheibe nachgerade weltbilderschütternd.

Noch immer zwar ist die Botschaft der Scheibe voller Rätsel und Magie, doch hat sie schon wesentliche Erkenntnisse preisgegeben: Wie viel weiter als bisher angenommen unsere Vorfahren vor rund 3 000 Jahren waren in ihrer Entwicklung, in Kenntnissen und Lebensweise. Und damit überraschend klar gemacht, dass der Bronzezeit-Ahne in unseren Breiten keineswegs der keulenschwingende Barbar war, für den wir ihn hielten. Experten schlussfolgern, dass das Lebensumfeld im heutigen Sachsen-Anhalt damals ähnlich aussah wie das der Griechen zu Zeiten des Trojanischen Krieges.

In den Vitrinen erzählt dazu jedes Stück seine Geschichte. Mit den rund 1 600 Exponaten ist sozusagen das ganze Europa der Zeit zwischen 2000 und 1000 vor Christus hier versammelt. Sie weiten den Blick auf Kultur, Religion und Astronomie jener Epoche, bringen Licht ins Dunkel der Bronzezeit. Die Sternenscheibe war eine Gabe an die Götter. Mit ihrem Fund, reif für einen Krimi, haben sie dieses Geschenk zurückgegeben. Eine archäologische Sensation, nicht in Ägypten oder im Vorderen Orient angesiedelt, sondern gleich nebenan, vor unserer mitteldeutschen Haustür. Jenseits aller wissenschaftlichen Erregung kann man in der Ausstellung wunderbar träumen. Den Leuten vor den Vitrinen dabei zusehen, wie sie in Kontakt treten mit den Altvorderen, Zwiesprache halten. Was hast du gedacht, du Bronzezeit-Mensch? Woran hast du geglaubt? Wie hast du sie hergestellt, die Dolche und Beile, den Schmuck in Formen, die glatt als modernes Design durchgehen? Auf einmal wird Archäologie auch für Laien irre spannend, weil sie ganz menschlich daherkommt.

So gehen wir durch diese Ausstellung, voller Entdeckerfreude, Staunen, Bewegung. Du bist uns auf einmal viel näher als wir je glaubten, du ferner Ahne . . .