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Extra: Schlagabtausch um Heesters` KZ-Auftritt

Uhr | Aktualisiert 15.04.2009 18:57 Uhr
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Heesters besucht 1941 das KZ Dachau

Der Schauspieler Johannes Heesters (l) besucht 1941 das KZ Dachau (FOTO: DPA)

Ist Johannes Heesters 1941 im KZ Dachau aufgetreten oder nicht? Darüber hat es am Donnerstag einen heftigen juristischen Schlagabtausch vor dem Berliner Landgericht gegeben.
Berlin/dpa. 

Das Gericht wird in seiner für den 16. Dezember angekündigten Entscheidung diese Frage letztendlich auch nicht klären können, wie der Vorsitzende Richter Michael Mauck andeutete. Es geht vielmehr um die Klage des 104-jährigen Schauspielers gegen den renommierten Berliner Kabarettautor und -historiker Volker Kühn (75) auf Widerruf und Unterlassung.

Kühn vertritt die Auffassung, Heesters sei nach bisherigen Zeugenaussagen und anderen Erkenntnissen bei dem KZ-Besuch des Ensembles des Münchner Gärtnerplatztheaters auch aufgetreten. Der Schauspieler hat das stets bestritten. Er nahm an der Verhandlung in Berlin nicht teil, da er zurzeit in Hamburg Theater spielt.

Der Heesters-Anwalt Gunter Fette sagte in der von beiden Seiten teilweise erregt geführten, vom Richter aber immer wieder in ruhige Bahnen gelenkten Verhandlung, Kühn habe «wider besseres Wissen Heesters der Lüge bezichtigt». Es gebe keinerlei Belege für einen damaligen Auftritt des populären Schauspielers. Der Besuch selbst mit dem Münchner Theaterensemble ist in einem Fotoalbum des damaligen KZ-Kommandanten dokumentiert, das in der Verhandlung genauso eine Rolle spielte wie auch eine vor dem Richter abgespielte DVD mit einer Heesters belastenden Zeugenaussage. Darin sagte der inzwischen gestorbene frühere Dachau-Häftling und spätere Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka auf die Frage Kühns für eine TV-Dokumentation, ob er von einem Heesters-Auftritt in Dachau etwas wisse: «Ja, was soll die Frage, ich habe ihm doch den Vorhang gezogen.»

Kühns Anwalt Raue bot dennoch an, dass sich sein Mandant dazu öffentlich nicht mehr äußern werde, «dann ist das Kapitel für uns abgeschlossen». Er bekräftigte aber seine Auffassung, dass es aus seiner Sicht «genügend Anhaltspunkte» für den Heesters-Auftritt in Dachau gebe, die entsprechenden Schlussfolgerungen Kühns seien «ein Akt der wissenschaftlichen Erkenntnis». Der Anwalt verwies auf die Widmung des damaligen KZ-Kommandanten in dem Fotoalbum für die Schauspieler: «Den lieben Künstlern, die uns am 21. 5. 1941 durch einen frohen und heiteren Nachmittag im K.L. Dachau erfreuten, gewidmet.» Auf den Fotos ist auch Heesters in Hut und Mantel bei der Besichtigung von Lagereinrichtungen zu sehen, aber nicht bei einem Auftritt oder einer Gesangsdarbietung. Dazu Anwalt Raue: «Die Widmung ist der Dank für einen ermunternden Auftritt. Ist Heesters da auf dem Klo gewesen?»

Der Heesters-Anwalt bezweifelte die Glaubwürdigkeit des Zeugen Matejka, der den Schauspieler «ein Leben lang mit Feindseligkeiten verfolgt» habe. Außerdem belege das Fotoalbum, aus dem kein einziges Bild entfernt worden sei, Heesters bisherige Äußerungen zu dem KZ-Besuch. Kühn sei ein respektabler Autor, das rechtfertige aber noch lange nicht «die Verbreitung von falschen Tatsachenbehauptungen». Fette erinnerte daran, dass Heesters selbst ein Leben lang bedauert habe, zusammen mit dem Gärtnerplatz-Ensemble der sogenannten Einladung der SS, was damals alle als Befehl verstanden hätten, in das Lager überhaupt gefolgt zu sein. «Ich schäme mich, dass es den Nazis gelungen war, uns dorthin zu locken», hatte Heesters gesagt. Raue behaupte dagegen bis heute, Heesters bagatellisiere die Grauen der Konzentrationslager. «Sie bezichtigen Heesters der Holocaust-Lüge. Sie sind ja nicht ganz bei Trost!» rief der Heesters-Anwalt erregt seinem Kollegen zu.

Der Richter sagte, beide Seiten hätten ihre Argumente vorgetragen, «ob gute oder schlechte, müssen wir abwägen». Es sei die Frage, ob es hier um eine üble Nachrede gehe oder die Beweislast beim Kläger (Heesters) liege. «Die Frage, ob Herr Heesters im KZ aufgetreten ist, werden wir nicht klären können, auch Herr Kühn nicht. Es gibt gewisse Indizien, dass es so gewesen ist und auch dafür, dass das nicht der Fall gewesen ist.»

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