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Einblicke in die Bronzezeit

Uhr | Aktualisiert 30.03.2005 14:00 Uhr
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Harald Meller mit seinem «Schatz»

Nichts geht über die Himmelsscheibe: Landesarchäologe Harald Meller hält seinen Schatz hoch. (MZ-Foto: Uwe Gellert)

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Die bedeutendste Bronzezeit-Schau Europas wird am Donnerstag in Halle eröffnet. Im Mittelpunkt der Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" stehen die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra und der etwa zwei Jahrhunderte jüngere Sonnenwagen von Trundholm. Die Scheibe ist erstmals vollständig restauriert zu sehen. Ab Freitag ist die Schau im Landesmuseum für Vorgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich.
Halle/MZ. 

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer kommt damit eine internationale Kooperation zwischen dem halleschen Museum und dem dänischen Nationalmuseum Kopenhagen zum Tragen. Dieses steuert mit dem 1902 entdeckten "Sonnenwagen" ein bronzezeitliches Spitzenwerk bei. Das Museum stimmt einer Ausleihe nur aufgrund der in der wissenschaftlichen Welt als sensationell angesehenen Parallelen mit der Himmelsscheibe von Nebra zu.

Zusammen mit weiteren rund 1600 Exponaten aus halleschen Beständen sowie von 68 Leihgebern aus 18 Ländern umreißt die Ausstellung das Weltbild einer Epoche, in der mehr Verbindungen zwischen den nordischen, mitteleuropäischen und mediterranen Kulturen bestanden als bisher bekannt war. Diese Erkenntnis hat auch eine Fülle neuer naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden genährt, die in der bis zum 24. April 2005 geöffneten Ausstellung gleichfalls dokumentiert werden.

Wesentlich hat dazu die Erforschung der im Jahr 2001 bekannt gewordenen Himmelsscheibe ebenso beigetragen wie die jüngste Entdeckung eines Sonnenobservatoriums bei Goseck. Diese Einblicke in den himmelskundlichen Wissensstand des bronzezeitlichen Menschen werden mit dem Sonnenwagen und weiteren hierzulande wenig bekannten archäologischen Funden aus Skandinavien um die mythologische Dimension ergänzt. So hält der Kopenhagener Archäologe Flemming Kaul den Sonnenwagen für die "bislang älteste Idee, dass die Reise der Sonne mit Hilfe eines göttlichen Pferdes vonstatten geht".

Indessen wird die schematische Darstellung eines Schiffes auf der Himmelsscheibe durch die zeitlich und thematisch verwandten skandinavischen Vergleiche in einen ähnlichen Bezug gesetzt. Dieser setzt laut Kaul Kontakte mit dem antiken Ägypten voraus: "Über weite Bereiche Europas und der mediterranen Welt scheinen Menschen die gleichen Vorstellungen von der Sonnenreise in Verbindung mit einem Schiff geteilt zu haben. Die Reise wiederholte sich jeden Tag, die Sonne wurde jeden Morgen wiedergeboren."

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