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Dreharbeiten: Christiane Paul greift wieder zum Skalpell

Uhr | Aktualisiert 23.11.2012 20:10 Uhr
Realitätsnah: Regisseur Robert Thalheim (links) drehte mit den beiden Hauptdarstellern Christiane Paul und Charly Hübner im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle während des laufenden Betriebs. (FOTO: THOMAS MEINICKE) 
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Zusammen mit Charly Hübner dreht die 38-jährige Christiane Paul in Halle den Film "Eltern". Darin spielt sie eine Ärztin, die sie selbst einmal war.
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Halle (Saale)/MZ. 

Wenn, dann ist Robert Thalheim schuld. Verantwortlich dafür, dass vielleicht eines der aufrichtigsten Gesichter des deutschen Films von der Leinwand verschwindet. Doch bewusst ist sich der Regisseur seiner Schuld nicht. Schließlich hat der 38-Jährige Christiane Paul ("Die Welle", "Hindenburg") in seinem neuen Film "Eltern" nicht als Ärztin besetzt, um ihr den Schauspielberuf abspenstig zu machen. Und sie an die Freuden ihrer alten Profession, der Medizin, zu erinnern.

Daher schaute der Berliner am Donnerstag bei einem Pressetermin im Rahmen der Dreharbeiten in Halle ziemlich verdutzt in die Presserunde, als die 38-Jährige bei der Frage nachdenklich wurde, ob der Film ihr denn wieder Lust auf den Arztberuf gemacht hätte. "Ja, auch", sagt die momentan Brünette und fügt hinzu: "Es war einfach schön, das alles wiederzusehen."

Die Dreharbeiten im halleschen Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara hätten einfach sehr viele Erinnerungen geweckt. Und: "Wir haben etwas sehr Authentisches hier geschafft", sagt Paul am letzten "Eltern"-Drehtag in dem halleschen Hospital. Obwohl sie von der medizinischen Fachrichtung ihrer Figur nicht viel Ahnung habe. Paul, die bis 2004 in der Unfallchirurgie arbeitete, bis sie zugunsten ihrer Tochter und der Schauspielerei den Beruf aufgab, spielt in Thalheims viertem Film eine Anästhesistin.

Bei laufendem Betrieb filmte das Team in dem Krankenhaus nahe der Franckeschen Stiftungen. Eine Seltenheit. Die meisten deutschen Produktionen drehen in der stillgelegten Lungenfachklinik Heckeshorn in Berlin. Doch von der angeblichen Authentizität dieses Ortes hält der hallesche Chefarzt Hendrik Liedtke nicht viel: "Das ist alles Staffage, angeordnet von Menschen, die keine Ahnung haben." Medizinische Geräte aus dem letzten Jahrhundert und abgenutzte Krankenzimmer, "dagegen sind die Bilder von hier dokumentarisch". "Mir ist es wichtig, so nah wie möglich an die wirklichen Prozesse des Lebens ranzugehen", begründet Thalheim, dessen erste beide Spielfilme "Netto" und "Am Ende kommen Touristen" je eine Nominierung für den Grimme Preis und den Deutschen Filmpreis einheimsten, die Entscheidung für das Krankenhaus. Neun von den insgesamt 32 Tagen werde in Halle gedreht, der Rest in Berlin. Außenaufnahmen sind in Halle nicht geplant. Obwohl die Produzenten von der Stadt als besseres Berlin schwärmen. Der zweite Drehort soll die alte Spielstätte des Thalia Theater in der Kardinal-Albrecht-Straße sein. Denn Charly Hübner spielt in der Komödie den Theaterregisseur Konrad, der den Hausmann gibt, derweil seine Frau Christine, gespielt von Christiane Paul, als Anästhesistin Karriere macht. Konrad kümmert sich um die gemeinsamen Kinder Käthe (10) und Emma (5). Doch die Rollenverteilung gerät ins Wanken, als Konrad die Chance erhält, wieder in seinen Beruf zurückzukehren.

Um die neuen Herausforderungen zu stemmen, beschließt die Familie zur Unterstützung das Au-pair-Mädchen Isabel (Clara Lago) aus Argentinien zu engagieren. Doch die ist keine Hilfe, wie sich herausstellt. Charly Hübner verriet am Donnerstag nur so viel: "Wir drehen heute eine Szene, wo ich das schwangere Au-pair-Mädchen im Krankenhaus besuche."

Der 39-Jährige, der während der Dreharbeiten auch Verwandte in Bad Lauchstädt besuchte, betonte aber lachend, dass seine Filmfigur, der Ehemann, nicht Schuld an Isabels anderen Umständen sei. Nur nebenbei: Die Komödie böte einige witzige Situationen, sagt der Schauspieler. Trotzdem gebe es auch in diesem Werk Einiges, das man nicht weglachen könne. "Es gibt Dinge, die kann man mit Komik nicht recherchieren. Dann muss man das Hemd aufknöpfen und zeigen." Das Thema des Films trage in der heutigen Gesellschaft so viel Wahrheit in sich, erklärte Hübner, der aktuell als Ermittler in den Rostocker Polizeiruf-110-Folgen des NDR und in der Action-Serie "Transporter" auf RTL als Mechaniker zu sehen ist.

Jeder kenne heute die Problematik, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, sagt seine Kollegin Paul. Sie muss es wissen. Neben ihren Filmprojekten, spielt sie ab und zu Theater, liest Hörbücher ein und engagiert sich unter anderem als Umweltaktivistin. Und das mittlerweile als alleinerziehende Mutter. Sie lebt mit ihren beiden Kindern, getrennt von ihrem Mann, der auch als Arzt arbeitet, in Berlin. Bleibt zu hoffen, dass die Geschichte von "Eltern" besser ausgeht. Im kommenden Jahr kommt der Film in die Kinos.