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Dessau: Bauhaus-Direktor fördert lebenslanges Lernen

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 08:26 Uhr

Der Direktor der Dessauer Bauhaus-Stiftung, Philipp Oswalt, steht am 05.03.2009 vor dem Gebäude des Bauhauses in Dessau-Roßlau. (FOTO: DPA)

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Der Stiftungsdirektor Philipp Oswalt denkt im MZ-Interview über Angebote für Hochschulabsolventen, Forscher und Künstler nach.
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dessau-rosslau/MZ. 

Als sich Philipp Oswalt vor mehr als vier Jahren um das Amt des Direktors der Stiftung Bauhaus Dessau bewarb, stellte er seine Pläne unter das Stichwort "Bildung". "Wie in Paris oder Rom üblich, könnte man Sommerakademien oder -Kurse veranstalten", schwärmte der Berliner Architekt in seinem ersten größeren MZ-Interview. "Ich begreife die Stiftung als einen Bildungsort von internationaler Relevanz und Ausstrahlung, der keine Universität ist und abseits der Metropolen liegt." Der in Frankfurt am Main geborene Absolvent der Technischen Universität Berlin entwarf die Bauhaus-Stiftung als "eine Plattform, die Angebote schaffen kann für ein lebenslanges Lernen".

Allein, die Verhältnisse sie sind nicht so. Ausgerechnet Oswalt, Jahrgang 1964, der umtriebige Theoretiker der "Schrumpfenden Städte", der engagierte Gegner des Schloss-Neubaus in Berlin, dieser gegenwartsversessene Stadt- und Baudenker musste sich wie kein Stiftungsdirektor zuvor dem baulichen und musealen Dessauer Erbe der 1919 gegründeten Gestaltungshochschule zuwenden. Und mehr als das. Was liegen gelassen worden war, hatte Oswalt auf eine Arbeits- und Zielebene zu heben: das Jubiläum 90 Jahre Bauhaus 2009, eine nachhaltige Lösung für eine Bauhaus-Dauerausstellung, die Rekonstruktion des Meisterhaus-Ensembles, der Bau eines Museums.

Manches davon ist bereits abgehakt, vieles auf dem Weg. Zeit, um neben dem historischen Alltag des Dessauer Bauhauses nun auch deren Stiftungsarbeit überregional sichtbar zu machen - oder neu zu erfinden. "Ich hatte mich ja eigentlich beworben, um das Gegenwartsthema voranzutreiben", sagt Oswalt dieser Tage. Denn: "Was erwartet man vom Bauhaus? Da ist das Museum und da ist die Schule."

Nachdem sozusagen die Pflicht-Hausaufgaben der Stiftung erledigt worden sind, will sich Oswalt im neuen Jahr an die Kür wagen. Die heißt: Bildung, Bildung, Bildung! Als Planspiel zunächst, als ein Abtasten von Möglichkeiten. "Erst einmal will ich die Bildungsfrage groß denken, um dann zu suchen, was real zu machen ist." Das ist aus Sicht der Stiftung durchaus notwendig. Denn "real" wurde erst einmal von Seiten des Landes gestrichen: nämlich das Geld für das postgraduale Bauhaus-Kolleg. Über Sinn oder Unsinn dieser Maßnahme will Oswalt mit niemandem streiten, sondern statt dessen neue Ziele setzen - und Partner suchen. Ein Programm entwerfen, das über die nach wie vor veranstaltete Sommerschule der Stiftung hinausgeht, die aus Drittmitteln und Teilnahmegebühren finanziert wird.

Oswalt denkt die künftige Bildungs-Arbeit der Stiftung in drei Elementen: einem theoretischen, einem praktischen und einem, das Theorie und Praxis vereint. Zur Theorie: Die Stiftung könnte zu Bauhaus-nahen Gegenständen (Architektur, Kunst, Design, Stadtplanung sowie Sozial- und Kulturwissenschaften) dreierlei anbieten - erstens, einen "Master of Science", also einen an den Bachelor anschließenden Vorkurs zur Promotion; zweitens, die Promotion, und drittens, eine Fellow-Tätigkeit, also eine teilweise finanziell gestützte Forschungstätigkeit. Zur Praxis: Oswalt denkt darüber nach, die internationale Sommerschule der Stiftung von bislang zehn Tagen auf drei bis vier Wochen auszudehnen. Darüberhinaus könnte eine Art Praxis-Seminar in der Stiftung entwickelt werden, das mindestens drei Monate umfasst. Schließlich das Ineinander von Theorie und Praxis: Hier würde Oswalt gern das Stipendium für einen "Artist in Residence" umwidmen für einen Gestalter "in Residence". Denn: "Angebote für Künstler gibt es genügend. Ich würde lieber einmal an die Angewandte Kunst denken."

Im nächsten Jahr will Oswalt seine Vorschläge im Wissenschaftlichen Beirat und im Stiftungsrat vortragen. Er sucht finanzkräftige Partner. Viel sei in Bewegung, sagt er. Auch auf Seiten des Bundes.

Der hat erst kürzlich 216 000 Euro zum Erwerb der 59 Bauhäusler-Fotografien aus der Sammlung von Thomas Walther zugeschossen. Eine Summe, die auch als eine Investition in das Dessauer Bauhaus-Museum begriffen werden soll. Im Früjahr 2013 muss der Stiftungsrat seine zwei Favoritenvorschläge für den Standort an die Öffentlichkeit bringen. Spätestens. Denn vom nächsten Jahr an steht das Bauprojekt mit dem Fernziel 2019 bereits unter Zeitdruck.