Die Rammelburg im Wippertal wurde 1998 an einen Investor verkauft, aber im Schloss zeigt sich kein neues Leben. (MZ-Foto: Andreas Stedtler)
Und in Frankleben hat der Verein das Schloss inzwischen sogar übernommen. Über Jahrhunderte der Sitz der Familie von Bose, ist das vierflügelige Bauwerk der Renaissance schwer von den Folgen des Bergbaus im nahen Geiseltal geschädigt. Die Pfahlgründung zerbröselt, drinnen sind Decken durchgebrochen. Obwohl derzeit noch niemand sagen kann, wozu das Schloss einmal dienen soll, liegt doch nahe, es wiederum mit dem Schicksal des Geiseltals zu verbinden. Für die Erholungslandschaft, die dort entsteht, könnte es musealer und kultureller Mittelpunkt sein. Aber die Sanierungskosten schätzt der Architekt Konrad Fischer, der den Verein berät, auf bis zu acht Millionen Euro.
Im ganzen Land steht in ähnlicher Weise Sorge neben Hoffnung. Im Burgenlandkreis will sich für das komplett erhaltene Barockschloss Heuckewalde nach Aussage der Unteren Denkmalschutzbehörde ein Förderverein gründen, der sogar schon Eigenmittel bereitstellt. In Droyßig bei Zeitz zählt der Heimatverein auf die Unterstützung der Bürgermeisterin und Landtagsabgeordneten Ria Theil - für eine ebenfalls schier bodenlose Aufgabe. Noch dramatischer ist die Lage in Burgscheidungen, wo das in Privatbesitz befindliche Schloss mit bedeutendem Barockflügel weiter leer und ohne Nutzung dasteht.
Im Mansfelder Land sind mit Walbeck und der Rammelburg zwei der schönsten Schlossanlagen im Harz gleichfalls durch Leerstand zunehmend gefährdet. Schloss Seeburg dagegen scheint das Interesse eines kulturhistorisch interessierten Investors gefunden zu haben, dort gehen Arbeiten Schritt für Schritt voran. Der Saalkreis hat mit dem Rittergut Döllnitz, teilweise aus der Renaissance, sein derzeit akutes Leerstandsproblem, ebenso mit dem Herrenhaus in Queis.
Die Nachrichten ähneln sich überall. Das barocke Schloss Wilsleben im Kreis Aschersleben-Staßfurt, wo in den vergangenen Jahren Hoym eines der großen Schlossbaustellen war, steht seit gut acht Jahren leer. Um so erstaunlicher, dass im Land keine Institution wirklich einen Überblick über die Lage der Schlösser hat und manche der Unteren Denkmalschutzbehörden daraus ein Geheimnis machen: wegen "schwebender Verfahren", wie es etwa in Wernigerode hieß. Dass es ein öffentliches Interesse gibt, beweisen die Fördervereine.


