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Buch über DDR-Soldaten: Druck, Kontrolle, Angst und Flucht an der Staatsgrenze

Blick von der Westberliner Seite auf Grenzsoldaten der DDR auf der Mauer am Brandenburger Tor am 11.11.1989.

Blick von der Westberliner Seite auf Grenzsoldaten der DDR auf der Mauer am Brandenburger Tor am 11.11.1989.

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dpa

Berlin -

Schüsse hallen an einem Novembernachmittag im Jahr 1971 durch die Luft. Wenig später werden zwei Tote im Sperrstreifen des DDR-Grenzkommandos Nord entdeckt. Soldat D. und Gefreiter B. liegen mit Herzdurchschüssen am Boden. Die Grenzsoldaten haben sich „zweifelsfrei“ gegenseitig erschossen, stellt das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in einem geheimen Bericht fest.

Für die Stasi ist der Hintergrund der Tragödie schnell klar: Der 24-Jährige wollte die Grenze durchbrechen und in den Westen fliehen, sein vier Jahre jüngerer Postenführer ihn daran hindern. Familiäre Probleme, „persönliche Sentimentalität, Kraftlosigkeit und Schwächlichkeit“ hätten den Angriff des Soldaten gegen seinen Kameraden mit der positiven Einstellung zur DDR ausgelöst.

DDR-Grenzsoldaten im Dienst unter enormen Druck

Der Fall zeige den enormen Druck, dem DDR-Grenzsoldaten im Dienst ausgesetzt waren, stellt Autor Jochen Maurer in seinem Buch „Halt - Staatsgrenze!“ fest, das im Ch. Links Verlag erschienen ist. Der Autor ist Mitarbeiter am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (Potsdam).

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall hat Maurer eine Analyse vorgelegt, die das Innenleben der Grenztruppen der DDR und den Alltag von Soldaten und Offizieren in den Blick nimmt. In der Dissertation wird auch aus zahlreichen Stasi-Berichten zitiert.

Das Buch liefere gerade angesichts neu errichteter Grenzen und Mauern einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des DDR-Grenzregimes, sagte der Direktor der Berliner Mauer-Gedenkstätte, Axel Klausmeier. Deutlich werde, dass sich jede Verharmlosung und Relativierung der DDR verbiete. Menschen- und Freiheitsrechte sollten in letzter Konsequenz durch den Schießbefehl unterbunden werden.

Weitere Informationen zum Buch „Halt - Staatsgrenze!“ lesen Sie auf Seite 2.

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