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Bronzescheibe auf Stein geschmiedet

Uhr | Aktualisiert 30.03.2005 14:25 Uhr
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Kleines Feuerwerk

Mit Blasebälgen wird das Feuer in Schach gehalten, damit die Bronze, eine Legierung aus Zinn und Kupfer, lodert und heiß genug zum Gießen wird. Archäo-Metallurge und Schmied Frank Trommer (re) hatte viel zu tun und noch mehr Fragen zu beantworten. (MZ-Foto: Lutz Winkler)

Feuer lodert, Funken sprühen, Rauch steigt auf. Rötliche Bronze ergießt sich in Formen, weit sind die Schläge des Schmieds zu hören, der Bronze bearbeitet. Diese Szenen könnten sich vor 3 600 Jahren abgespielt haben, als unsere Vorfahren die berühmte Himmelsscheibe von Nebra herstellten. Am Wochenende wurde im Landesmuseum für Vorgeschichte gezeigt, wie mühevoll das war, aber auch, mit welch erstaunlicher Technik dies geschah.
Halle/MZ/hpo. 

Mittelpunkt der Schmiede im Hof des Museums war ein Holzkohlefeuer und ein Lehmofen. "Um zwei Kilo Bronze auf 1 200 Grad zu bringen, müssen wir sie etwa eine Stunde lang erhitzen", erzählte Stephan Holdermann, "und dabei unentwegt mit Blasebälgen Luft zuführen." Der Geo- und Archäologe von der Uni Innsbruck und Frank Trommer, Schmied und Archäo-Metallurge, hatten deshalb schon Rohlinge und halbfertige Scheiben mitgebracht.

Geschmiedet wurde mit Bronzebeilen, der Amboss war ein glatter Stein. Während Holdermann die Bronze langsam drehte, schlug der Schmied kräftig auf die erwärmte Legierung, die sich millimeterweise in eine Scheibe verwandelte. "Wir müssen die Bronze rund 16 Stunden bearbeiten, um eine etwa 30 Zentimeter große Scheibe zu erhalten", so Holdermann. Doch dann wäre sie noch lange nicht fertig; die Oberfläche muss noch mit Steinen geglättet und poliert werden - eine Arbeit von ein bis zwei Tagen. Erst dann können die Goldplättchen als Himmelsgestirne eingelegt werden. "Wir nehmen allerdings statt Gold Messing." Doch das störte die Besucher nicht; die Schmiede war ständig dicht umlagert. Die Handwerker, die sich ein Vierteljahr vorbereitet hatten, um das schwierige Experiment vorführen zu können, mussten unentwegt Fragen beantworten. Holdermann schätzt, dass unsere Vorfahren etwa zehn Tage brauchten, um die Himmelsscheibe anzufertigen: "Eine tolle Leistung erstklassiger Spezialisten."