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Barbara Thalheim im Kino Luchs in Halle: Lieder zu Filmen und Bildern

Barbara Thalheim und ihre Band

Barbara Thalheim und ihre Band sind am 11. Februar mit ihrem aktuellen Programm „ALtTag“ im Luchs-Kino in Halle zu sehen.

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Lasbandidas

Halle (Saale)/Berlin -

Barbara Thalheim kommt wieder einmal wieder, am 9. Februar gastiert sie im Volkshaus Jena, einen Tag darauf im UT Connewitz in Leipzig. Und am 11. Februar in Halles Kino Luchs am Zoo - auf Tour mit ihrem aktuellen Programm „AltTag“, in dem sie Lieder zu Filmen und Bildern singt. Oder anders herum: Man bekommt Bilder und Filme zu sehen, die mit ihren Liedern reden. Multimedial heißt das heutzutage. Und es klingt spannend.

Eigentlich war die Thalheim immer da. Oder niemals fort. Jedenfalls für jene im Osten nicht, die wach waren und sich interessierten für sich selbst und ihr sonderbares Land DDR, das so klein war und doch bei den Großen mitspielen wollte. Dessen Funktionseliten so böse sein konnten und so verbacken waren in ihrem eigenen, zähen Glaubenssaft aus Rechthaberei, Unbelehrbarkeit und Anmaßung. Und dessen Volk oft so mutlos ergeben wirkte, dass man es im Herbst 1989 gar nicht wiederzuerkennen glaubte.

„Ich hatte die Wahl: Vergessen - oder das Baby vorzeigen“

Barbara Thalheim war, wie viele Künstler und Intellektuelle, Teil dieses Staates und stand doch auch neben ihm. Sie war das Kind eines kommunistischen Vaters, der für seine Überzeugung von den Nazis in ein Konzentrationslager gesperrt worden war. Klar, dass die begabte junge Frau Karriere machte. Aber bald wurde man auch im Westen auf sie aufmerksam. Sie sang erstaunliche, starke Lieder, die Mut machten und Menschen die Herzen öffneten. Auch in der eingezäunten deutschen bürokratischen Republik gab es das Recht und die Chance auf aufrechten Gang und Individualität. Man musste es sich doch wenigstens zu nehmen versuchen! Darauf konnte man bei einem erwärmenden Konzertabend mit der Thalheim schon kommen.

Dann hieß es: Sie hört auf. 1995 ging sie auf große Abschiedstournee. Ende der 90er Jahre wurde sie sehr krank, „da hat es mir die Beine weggehauen“, sagt sie. Totgesagt war sie damals, „man hat mir noch sechs Monate gegeben“.

In dieser Zeit, da sie mit Blick auf die ärztliche Prognose nun also einen Schlussstrich für sich selber hätte ziehen sollen, entstanden 20 neue Lieder. „Ich hatte die Wahl: Vergessen - oder das Baby vorzeigen“, sagt Barbara Thalheim und lacht. Sie ist auf poetische Weise direkt und nennt die Dinge gern beim Namen. In ihren Chansons, im Gespräch.

Natürlich hat sie sich dafür entschieden, die Lieder nicht zu vergessen. Also gab es dann auch wieder Konzerte, irgendwie lief es weiter. „Das war auch ein Punkt der Gesundung“, sagt sie heute.

Denken und Singen und Dreinreden

Ein paar Jahre später, 2011, starb Jean Pacalet, der großartige Akkordeonist und Komponist, Thalheims enger Freund und ständiger Begleiter seit 1993. Da wollte sie endgültig aufhören. Aus Trauer, und weil sie dachte, ohne Jean würde es nicht weitergehen. Da war die 1947 in Leipzig geborene Sängerin schon über die 60. „Ich bin ja in Rente“, sagt Thalheim eher trotzig als sachlich. Sie nimmt diesen Zustand nicht als Schicksal an, in das man sich gefälligst zu fügen hätte.

Alter bemisst sich eben nicht nur nach Jahren, sondern auch nach der Haltung. Sie könne sich nicht vorstellen, ohne das zu sein, wofür sie leidenschaftlich brennt: Denken und Singen und Dreinreden. Und man will ihr die bald sieben Jahrzehnte tatsächlich nicht glauben, wenn man ihre Stimme und ihre klaren Ansagen hört.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie es ohne Jean funktionierte und wie eine ehemalige Stasi-Mitarbeiterin mit ihrer Vergangenheit aufräumt.

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