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Ausstellung in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg: Bizarre Szenen mit Playmobil-Figuren

Gemälde von Valentin Magaro (2011)

Immer ohne Titel, aber stets zu vielerlei Deutungen Anlass gebend: Ein Gemälde von Valentin Magaro aus dem Jahr 2011

Foto:

peter wölk

Merseburg -

Valentin Magaro hat in den 90er Jahre in Zürich wissenschaftliches Zeichnen studiert. Eine Ausbildung, die den 1972 geborenen und heute in Winterthur lebenden Schweizer geprägt hat: Auch seine streng komponierten Zeichnungen und Gemälde fertigt er mit großer Akribie und scheinbar grenzenloser Geduld.

Unter dem Titel „Die Seele des Architekten“ sind derzeit ausgewählte Arbeiten des Künstlers aus den letzten acht Jahren in der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg zu sehen. Für Magaro, dessen Werke in zahlreichen eidgenössischen Konzern- sowie städtischen und Kantonssammlungen vertreten sind, ist die Schau in der Domstadt an der Saale die erste Personalausstellung außerhalb der Schweiz.

Planvoll inszenierte Werke

Es sind durchweg surreale Bildwelten, die der Schweizer aus figürlichen und abstrakten Elementen gestaltet. Wahlweise entstehen diese als collagierte Tuschezeichnungen oder in Form von Gemälden, die in Merseburg allesamt das stattliche Format von 1,40 Meter Höhe und zwei Meter Breite haben. Betrachtet man die Arbeiten aus einigem Abstand, könnte man glauben, dass die Zeichnungen eigentlich Grafiken und die farbintensiven Acrylbilder eher aus Buntpapier gefertigt sind. Ein Eindruck, der umso zwingender ist, da etwa die Grenzen zwischen den einzelnen Bild-Elementen immer klar gezogen sind. Diese Arbeiten folgen keiner spontanen Eingebung, sondern sind stets planvoll inszeniert.

Geschichten werden auf den Zeichnungen und Gemälden nur selten erzählt. Es handelt sich vielmehr um detailreich-kraftvolle Kunstwerke in der Art von Wimmelbildern, auf denen man umso mehr entdecken kann, je intensiver man sich ihnen widmet. Auf zahlreichen Gemälden hat Magaro etwa einen Totenschädel, das alte Sinnbild der menschlichen Vergänglichkeit, eingefügt. Entdecken wird man derlei Details aber erst bei der wiederholten Betrachtung der Arbeiten, die allesamt unbetitelt sind, was aus Künstlersicht konsequent ist, aber beim Publikum Verwirrung stiften kann.

Da ist das Gemälde, auf dem eine Frau mit dem Aussehen einer Domina die bewaffnete Hand zum Schlag erhebt gegen einen nicht näher definierbaren Gegenstand. Zu ihr gehört eine Sprechblase, in der nur ein Mäanderband zu erkennen ist, das seit der Jungsteinzeit als Ornament dient und etwas Unendliches symbolisiert: hier vielleicht nicht enden wollendes Geschwafel. Auf der linken Seite des multiperspektivischen und in leuchtenden Farben gehaltenen Gemäldes kriecht eine ebenso spärlich bekleidete Frau aus einem Spielzeughaus, derweil über ihrem Kopf eine urzeitliche Wasserschildkröte sich fortbewegt. Gefangen von dieser bizarren Szene könnte dem Betrachter entgehen, dass da auch noch zwei Playmobil-Figuren das spannende Bild beleben.

Ähnlich eigenwillig sind die Themen der collagierten Tuschezeichnungen. Etwa jenes faszinierende Blatt, auf dem eine junge Frau auf einem bärenköpfigen weiblichen Körper frivol zu reiten scheint, verfolgt von dem Skelett eines jungen Mannes, der, auf einem Holzpferdgerüst sitzend, ihr eine Rose reichen will. Eine Frau, vielleicht die Mutter des derart beschäftigten Mädchens, schaut in den Raum hinein und mit einigem Entsetzen auf die erkennbar erotisch aufgeladene Szene, die sich unter einer Dachschräge abspielt.

Züchtiger geht es auf jenen Arbeiten zu, auf denen mit dünnem Federstrich gezeichnetes Laub die Gestalt einer Katze oder - wie man es aus der Jugendstilarchitektur kennt - einer jungen Frau annimmt. Im Kabinett der Galerie wiederum sind Zeichnungen vereint, die eine kreative Folge einer Reise sind, die den Schweizer auf die Insel Bali führte. Deren Kunst habe Magaro so beeindruckt, dass er die dämonischen Fabelwesen, die für die zu Indonesien gehörende Insel so charakteristisch sind, in vielfacher Variation ins Bild fügte.

Rede für Sitte-Retrospektive

Die Preise bewegen sich von 740 Euro für eine Zeichnung bis zu 14.800 Euro für ein Gemälde. Unterstützt wurde das Projekt von Kulturstiftung des Kantons Thurgau und der Saalesparkasse.

Am kommenden Sonntag ist Valentin Magaro abermals in Merseburg zu Gast. Er wird, neben Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, zur Eröffnung einer neuen Willi-Sitte-Ausstellung sprechen. Anlass für die schlicht „Retrospektive“ betitelte Schau, in der nach Angaben der Einrichtung ein Überblick über das Gesamtwerk des 2013 in Halle gestorbenen Sitte gegeben werden soll, ist das zehnjährige Bestehen der Galerie. (mz)

Valentin Magaro
„Die Seele des Architekten“
Malerei und Zeichnungen
Willi-Sitte-Galerie Merseburg
Domstraße 15
bis zum 15. April, Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr
Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro


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