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Alle wollen die Scheibe sehen

Uhr | Aktualisiert 30.03.2005 14:08 Uhr
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Ausstellung zur Sternenscheibe

Die Ausstellung zur Sternenscheibe im halleschen Landesmuseum für Vorgeschichte fasziniert auch durch ihre ästhetisch wirkungsvolle Präsentation, wie hier bei der Darstellung des Weltbildes der Bronzezeit. So wurde Wert darauf gelegt, die Besucher weder durch eine zu große Fülle von Exponaten noch durch Schautafeln mit langen Texten zu verschrecken. (MZ-Foto: Lutz Winkler)

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Neugier auf die Super-Scheibe: Mehr als 2 000 Besucher kamen bereits in die Bronzezeit-Schau "Der geschmiedete Himmel" in Halle. Am Freitag war der erste Publikums-Tag. "Ist das wirklich alles echt?" "Kaum zu glauben, was unsere Altvorderen schon so drauf hatten." - Schauen und Staunen war angesagt, als sich die Tore des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle am Freitag Punkt neun Uhr zum ersten Mal für die Besucher der Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" öffneten.
Halle/MZ. 

"Ist das wirklich alles echt?" "Kaum zu glauben, was unsere Altvorderen schon so drauf hatten." - Schauen und Staunen war angesagt, als sich die Tore des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle am Freitag Punkt neun Uhr zum ersten Mal für die Besucher der Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" öffneten.

Bis zum Abend drängte sich ein sichtlich und hörbar begeistertes Publikum aller Altersklassen vor den rund 1 600 kostbaren Ausstellungsstücken aus der Bronzezeit.

Im Wortsinne glänzender Mittelpunkt: die 3 600 Jahre alte Bronzescheibe mit Sonne, Mond und Sternen in Goldauflage. Der Sensationsfund, der als "Sternenscheibe von Nebra" nach seiner Entdeckung vor fünf Jahren weltbekannt wurde und nun nach sorgfältiger Restaurierung erstmals wieder öffentlich zu sehen ist.

Schon eine halbe Stunde vor Eröffnung hatten sich die Ersten vor dem imposanten Museumsbau eingefunden. Die angesichts der publicityträchtigen Vorbereitung der "größten Bronzezeitschau Europas" einzukalkulierende Schlangenbildung blieb am Freitag aus - was sicher auch an den publikumsfreundlichen Öffnungszeiten liegen mag. Dass ein Museum schon um neun Uhr öffnet, hat ja Seltenheitswert. Doch schon bald herrschte Andrang. Überwiegend ehrfürchtiges Schweigen nach den ersten Schritten - wenn die Besucher gleich zum Auftakt auf die Höhepunkte treffen: die Sternenscheibe, den Sonnenwagen von Trundholm und die 88 hauchdünnen Goldschiffchen aus dem dänischen Nors, effektvoll auf einem schwarzen "Sonnenboot" präsentiert.

Auch auf dem weiteren Weg durch die nobel inszenierte Schau verweilen die Menschen immer wieder lange vor Vitrinen und Schaustücken, machen sich gegenseitig aufmerksam auf Entdeckungen - jedes Exponat ist eine Kostbarkeit.

"Ungemein phantasieanregend" findet beispielsweise Angelika Futterknecht das alles, "weil man sich in die Menschen jener Zeit und ihr Leben hineinversetzen kann." Die Bankkauffrau aus Wolfratshausen ist zum ersten Mal in Halle und hat extra den Besuch bei einer Freundin im Thüringischen verlegt, weil sie unbedingt gleich die Himmelscheibe "in echt" sehen wollte.

Ganz spontan hatte sich dagegen Lehrer Steffen Potratz aus Suhl mit seiner Frau und den sechsjährigen Zwillingen Paul und Pauline am Freitagfrüh auf den Weg gemacht: "Ich interessiere mich besonders für Frühgeschichte - das muss man einfach gesehen haben!" "Es ist toll, was die Menschen damals schon für ein Wissen hatten", sagte Manfred Gierschmann aus Halle, der "auf jeden Fall Bekannte ins Museum schicken" und wiederkommen will. Denn "auf einmal kann man gar nicht alles fassen - da muss man mehrmals kommen."

"Schon am ersten Tag ein volles Haus - was will ein Museumschef mehr?" sagte Hausherr Harald Meller denn auch entspannt nach den anstrengenden Wochen der Ausstellungsvorbereitung. Dieser Auftakt beweise das weit über die Landesgrenzen hinaus "vom Start weg riesengroße Interesse" an der Schau, zu der insgesamt 100 000 Besuchern erwartet werden.