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Achim Mentzel: Ulknudel, Beatpionier, Frauenheld

Achim Mentzel

Achim Mentzel

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Berlin -

In Rainald Grebes Brandenburg-Hymne musste er als Paradebeispiel für Provinzialismus herhalten, als Schlagersänger, der nicht mal zum Auftritt im abgelegenen Autohaus in Schwedt findet. Mancher lernte ihn erst durch die TV-Satiren von Oliver Kalkofe kennen, der den Schlagerfuzzi verspotten wollte – und dann einer seiner dicksten Kumpels wurde.

Dabei war Achim Mentzel beileibe nicht nur die „Stimmungskanone“ oder „Ulknudel“. Er war einer der Pioniere der Beatmusik im Osten Deutschlands. Als Filmemacher Bernd Maywald 1965 eine Band für Filmaufnahmen suchte, fiel seine Wahl auf das Diana-Show-Quartett, damals die heißeste Band Ostberlins. Zu den Musikern gehörte der 19-jährige Polsterer Achim Mentzel, der sich für die Beatles und Rolling Stones begeisterte. Vor der Kamera bewegten sich die Dianas in Glitzerjacken synchron, bevor Mentzel Gitarre spielend auf die Knie sank, während seine Mitstreiter Gitarre und Bass hinter dem Kopf spielten. Maywald nennt die Aufnahme stolz den ersten Rockmusik-Clip Deutschlands.

Die Dianas fielen auch anderen DDR-Medien auf. Der Eulenspiegel beschrieb sie in dem Artikel die „Haarlekine von Lichtenberg“ so: „Drei Gitarren, Schießbude, Sänger. Rolling-Stones-Hit. Akustisches Porträt einer Schrottfräse. Dreifach verstärktes Marktschreier-Englisch. Kopfrollen. Stampfen.“ Mentzel musste sich bei der Jugendkommission des SED-Politbüros verantworten, und Walter Ulbricht machte mit der „Monotonie des Yeah Yeah Yeah“ erstmal Schluss.

Achim Mentzel tauchte nun als Gitarrist und Sänger in Show-Kapellen auf und blieb 1973 nach einem Auftritt im Westen. Nicht etwa aus politischen Gründen. Der Frauenheld flüchtete vor einer seiner Ex-Frauen, steht auf seiner Homepage. Nach nur wenigen Monaten kehrte er reumütig zurück. Zehn Monate Gefängnis wegen Republikflucht wurden auf Bewährung erlassen, Mentzel stieg wieder ins DDR-Showgeschäft ein. In „Fritzens Dampferband“ teilte er sich die Gesangseinlagen mit einer gewissen Nina Hagen, die auf der Bühne noch exaltierter war – und von ihrer Reise in den Westen nicht zurückkam.

Frohsinn und gute Laune

Rückkehr in den Osten.Achim Mentzel aber verbreitete im Osten Frohsinn und gute Laune. Seine erste Amiga-Platte hieß „Stimmung, Jux und Mentzel“, er moderierte Fernsehshows wie „Achims Hitparade“ – die ab 1992 im MDR weiterlief. Während Kollegen ihre Anhänger nur in der Schlager- und Volksmusikszene fanden, gelang es Mentzel, darüber hinaus populär zu werden. Der Zwei-Zentner-Mann wurde Kult, nicht zuletzt dank seiner Spötter

Nach Einstellung seiner Sendung gastierte er unentwegt in Unterhaltungshows, sogar bei „Let’s Dance“ auf RTL. Auch ging er auf Tournee – und musste beileibe nicht nur märkische Autohäuser bespielen. Im Juli wollte der Frohsinnsbringer seinen 70.Geburtstag feiern. Am Montagmittag ist Achim Mentzel, wie seine vierte Ehefrau Brigitte bekannt gab, nach einem Schwächeanfall überraschend in einem Cottbusser Krankenhaus gestorben. (mz)


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