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Kommentar zur AfD: Schuss und Schluss

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin

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Zwei Frontfrauen der AfD haben am Wochenende öffentlich darüber nachgedacht, ob nicht der Flüchtlingszustrom an der deutschen Grenze auch mit der Schusswaffe reguliert werden kann.

Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da wollen Menschen in unser Land, weil sie verfolgt werden oder vor Krieg flüchten und/oder besser leben möchten. Deutschland also gut finden. Und zur Begrüßung werden sie „notfalls“ abgeschossen. So nach dem Motto: Schuss und Schluss. Kaum zu glauben, dass jemand im 21. Jahrhundert mitten im Europa ohne Grenzanlagen noch auf so etwas kommen kann.

Die AfD hat in den vergangenen Monaten die anderen Parteien beim Thema Flüchtlinge vor sich hergetrieben. Mit Erfolg. Die AfD steigt immer noch in der Wählergunst. In drei Bundesländern wird am 13. März gewählt und es scheint sicher, dass die Partei in die Landtage einziehen wird.

Am Anfang waren Euphorie und Hilfsbereitschaft beim Thema Flüchtlinge in Deutschland sehr groß. Ernüchterung ist nun eingetreten. Oder besser: Der Sinn für die Realität ist zurückgekehrt. Inzwischen sind sich fast alle einig, dass nicht dauerhaft Zehntausende monatlich hier ankommen können. Doch anstatt jetzt unbürokratisch und effizient zu agieren, damit die Menschen nicht nur versorgt und verwaltet werden, wird über Obergrenzen gestritten. Hört auf damit, möchte man den Politikern immer wieder laut zurufen! Denn das Festlegen einer Zahl - so realistisch das überhaupt sein kann - löst nicht ein einziges Problem.

Monatelang müssen die Betroffenen auf den Beginn des Asylverfahrens warten. In der Zeit können sie nicht arbeiten und langweilen sich. Enttäuschung und Frust wird es geben - bei den Helfern und den Flüchtlingen. Und dann? Während sich die meisten Parteien nun ehrlich und engagiert bemühen, auf die vielen, vielen Fragen auch Antworten zu finden, heizt die AfD noch die Stimmung gegen die Flüchtlinge weiter an.

Die Idee, auf diese Menschen notfalls schießen zu lassen, zeigt erneut, dass die Partei nicht daran interessiert ist, Probleme menschlich, friedlich und gemeinsam zu lösen.

Den Autor erreichen Sie unter:hartmut.augustin@mz-web.de


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