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Kommentar zu Katrin Göring-Eckardt: Wendehals

Steven Geyer

Steven Geyer

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MZ

Als ein Grünen-Parteitag jüngst die Wahlniederlage besprach, trat eine zornige Frau ans Mikro – und las der Partei die Leviten: Die Grünen seien als Besserwisser, Rechthaber, Verbotspartei aufgetreten! Ständig sei von Steuern die Rede gewesen, nie von einer Vision! „Noch dazu in regelrechte Klassenkampfrhetorik verpackt“! Der Witz: Die Frau, die mit dem Wahlkampf abrechnete, hatte ihn selbst geleitet. Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grünen, beklagte in Wir-Form schlechten Wahlkampf, fehlende Visionen und Rhetorik. Salto statt Selbstkritik.

Erstaunlich, dass sie von den Grünen jetzt dafür belohnt wird: Sie wird für die nächsten zwei Jahre ihre Bundestagsfraktion führen. Es ist beachtlich, wie viele Neuanfänge die Grünen Göring-Eckardt abkaufen. Schon als sie zur Spitzenkandidatin wurde, erfand sie sich neu: von der Fraktionschefin unter Rot-Grün, die die Agenda 2010 durchgepeitscht hatte, zum sozialen Gewissen. Ein Profil, das sie nach Scheitern des Links-Kurses nun flugs durch ein „Bürgerrechtsprofil“ ersetzt – mit Verweis auf ihre DDR-Biografie. Man kann das flexibel nennen. Oder einen Begriff aus der DDR-Wendezeit bemühen: Wendehals.

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