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Wegen Erkrankung der Kinder in Görzig : Ehepaar erstattet Anzeige gegen Bernd Hauschild

Fred Gregor will seine Kinder Nancy, Tom und Paul nicht mehr in die Grundschule nach Görzig schicken.

Fred Gregor will seine Kinder Nancy, Tom und Paul nicht mehr in die Grundschule nach Görzig schicken.

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Heiko Rebsch

Görzig -

Vor kurzem erst hat das Verwaltungsgericht Halle entschieden, dass die Wahl Bernd Hauschilds zum Oberbürgermeister von Köthen gültig war. Doch dem SPD-Politiker droht anderer juristischer Ärger. Fred Gregor und seine Frau Susanne haben nach eigenen Angaben Anzeige gegen ihn erstattet - wegen Körperverletzung im Amt.

In ihrem Schreiben an das Polizeirevier in Köthen heißt es unter anderem, Hauschild habe trotz besseren Wissens Minderjährige einer dauerhaften Schadstoffbelastung ausgesetzt. Gemeint ist die Grundschule Görzig, die drei der Kinder des Ehepaars Gregors besuchen. Im Herbst war bekannt geworden, dass in zwei Klassenräumen übel riechende, giftige Stoffe aus dem Fußboden austreten. Die Räume wurden saniert und werden laut Hauschild seit Januar wieder genutzt.

Doch das genügt den Gregors nicht. Sie fürchten, dass noch andere Klassenräumen betroffen sind und berichten von den gesundheitlichen Problemen ihrer Kinder: Der neunjährige Tom leide unter Reizhusten, der zehnjährige Paul habe Asthma. Beides werde schlimmer, wenn die Kinder in der Schule seien, berichten die Eltern - und führen das auf schädliche Ausdünstungen im Gebäude zurück. „Es ist doch auffällig, dass es den Kindern viel besser geht, wenn sie nicht in diese Schule müssen“, so Vater Fred Gregor. Deshalb nehmen Tom, Paul und ihre achtjährige Schwester Nancy auch nicht am Unterricht teil. „Nicht, dass Nancy auch noch krank wird“, bekräftigt Susanne Gregor. Schon seit Herbst sind die Kinder größtenteils zu Hause - erst mit Krankschreibungen, seit Jahresbeginn laut den Eltern ohne. „Klar besteht für die Kinder Schulpflicht“, weiß Fred Gregor. Er wolle seine Kinder ja auch zum Unterricht schicken, aber eben nicht nach Görzig. Eigentlich wollten die Gregors ihre Kinder in die Gröbziger Grundschule schicken - doch das Landesschulamt lehnte den Wechsel ab. Überhaupt habe man ihre Bedenken nicht ernst genommen, so die Eltern. Darum nun die Anzeige. Sie richtet sich gegen Hauschild als Leiter der Bau- und Ordnungsverwaltung der Stadt. „Er muss wissen, was in der Schule los ist und unternimmt trotzdem nichts“, so Fred Gregor .

Auf die Anzeige angesprochen, erklärt Hauschild, sie könne sich gar nicht gegen ihn persönlich richten. „Wenn überhaupt, dann gegen die Stadt Südliches Anhalt an sich.“ Und selbst wenn: „Wir haben nichts falsch gemacht.“

Nichtsdestotrotz sollen in der kommenden Woche im Auftrag der Stadt erneut Luftproben in der Görziger Schule genommen werden, wie Hauschild mitteilt. Verantwortlich sei das Landesamt für Verbraucherschutz, bei dem Gregor eine Eingabe gemacht habe. Die Proben sollen in vier verschiedenen Räumen entnommen werden. Ob die ganze Schule saniert wird, wenn die Proben eine Belastung zeigen? „.Jedwede Spekulation über erhöhte Schadstoffwerte sollte bis zur Auswertung der Messergebnisse unterbleiben“, so Stadtpressesprecher Christian Merx.

Die Gregors, fügt Hauschild an, seien die einzigen, die sich über angebliche Schadstoffe beschwerten. „Mir liegt das Wohl der Schüler und auch der Lehrer natürlich am Herzen. Wenn es von Seiten der Schulleitung hieße, sehr viele Kinder hätten Beschwerden, wäre das etwas anderes. Aber dem ist nicht so.“ Die Schulleitung war für Nachfragen nicht zu erreichen.

Fred Gregor und seine Frau beharren darauf, dass die gesundheitlichen Probleme ihrer Kinder mit dem Schulgebäude zu tun haben. „Paul war im Oktober nur einen Tag in der Schule. Wenig später mussten wir in die Notaufnahme, weil er keine Luft mehr bekam“, berichtet die Mutter.

Um auf die Probleme aufmerksam zu machen, startete Fred Gregor eine Flyeraktion. Knapp 3?000 Stück hätten Bekannte in der Gegend verteilt, berichtet Gregor. In dem Flugblatt heißt es unter anderem „Stadt Südliches Anhalt bietet Schadstoffschnüffeln für Kinder“. Als „Veranstalter“ wird neben dem Bürgermeister auch der Bereichsleiter für Bau- und Ordnungsverwaltung, also Hauschild, angegeben. „Diese Flyer empfinde ich fast als Rufmord“, sagt dieser. Er werde aber keine rechtlichen Schritte gegen Gregor einleiten.

Die Anzeige in diesem Monat ist im Übrigen nicht die erste, die Gregors in der Sache erstattet haben. Schon Anfang November erstatte Susanne Gregor Anzeige wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung zum Nachteil ihres Sohnes Paul - allerdings gegen Unbekannt. Die neuerliche Anzeige sei sozusagen eine Konkretisierung der ersten, so Gregor.

Anfang Januar - also bevor Gregor die Anzeige wegen Körperverletzung im Amt abschickte - sei ein Polizeibeamter bei ihm und Bürgermeister Burkhard Bresch (Linke) gewesen, berichtet Bernd Hauschild. Er habe für die Polizei bereits Unterlagen zur Görziger Grundschule herausgesucht. Diese würden bestätigen, dass man sich nichts vorzuwerfen habe.

Ob das Erscheinen der Polizei in der Stadtverwaltung tatsächlich auf die Anzeige der Gregors im November zurückgeht, war bis Redaktionsschluss am Freitag nicht zu erfahren. In einer Mitteilung der Polizeidirektion Ost heißt es, Ermittlungsverfahren seien nicht öffentlich, deshalb dürfe man keine Auskunft geben. (mz)


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