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Synagoge Gröbzig: «Museum gehört in die Hände des Landes»

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 14:58 Uhr
Das Museumsfest war eine der Veranstaltungen im Museum Synagoge in diesem Jahr. (ARCHIVFOTO: HEIKO REBSCH) 
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Zum neuen Vertrag über den Betrieb des Museums Synagoge Gröbzig gibt es im Südlichen Anhalt noch einige offene Fragen.
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Weissandt-Gölzau/Gröbzig/MZ. 

Einen zufriedenen Eindruck machte Thorsten Breitschuh beileibe nicht. Im Gegenteil: Der Mann aus Werdershausen, Stadtrat im Südlichen Anhalt, hatte einige kritische Bemerkungen zu dem Vertrag, der alle Jahre wieder den Ortschaftsrat in Gröbzig und die Parlamentarier in Weißandt-Gölzau umtreibt.

In dem Vertrag wird letzten Endes bestimmt, wie viel Geld der Verein für das Museum Synagoge Gröbzig erhält - und wer welchen Anteil zahlt. Aktuell geht es um den Vertrag für die Jahre 2013 bis 2015 und es geht um die satte Summe von 318.600 Euro, die als "nicht rückzahlbare Zuwendung" an den Verein der Freunde und Förderer des Museums gehen sollen. Der Anteil des Südlichen Anhalt beläuft sich dabei auf 61.350 Euro (pro Jahr also 20.450 Euro) und ist damit genauso hoch wie der Anteil des Landkreises, der ebenfalls Vertragspartner ist. Das Land, dritter im Vertragsbunde auf der Geberseite, steuert mit 195.500 Euro den Löwenanteil bei.

Breitschuhs Kritik - und auch die von Dirk Honsa, Ortsbürgermeister von Gröbzig - hatte mehrere Ansatzpunkte. Zum einen gebe es seitens des Museums Außenstände in beträchtlicher Höhe "und wir sollen weiter zugeben", zum anderen hatte Breitschuh sich nach einem ganzen Stapel von Unterlagen erkundigt, die vom Museum bis Ende 2011 zu erbringen gewesen seien, aber anscheinend nicht erbracht wurden: Erfolgsplan 2011, Haushaltsplan 2012, Maßnahmeplan 2012: "Das nährt den Verdacht, dass diese Unterlagen nicht ordnungsgemäß vorgelegen haben", so Breitschuh.

Ganz so sei es nicht, so Rita Wagner, oberste Kassenfrau im Südlichen Anhalt. Es sei vor Jahren festgelegt worden, dass das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises die Unterlagen vom Land, wo sie eingereicht wurden, zugesendet bekommt. "Wir sind die Letzten, die sie kriegen."

Breitschuh nahm von seiner kritischen Nachfrage nichts zurück, zumal die Stadträte die Ende 2011 vorzulegenden Unterlagen immer noch nicht kennen würden: "Und wir haben November 2012."

Breitschuhs Sorgen hatten einen nachvollziehbaren finanziellen Hintergrund. Zum einen verlangte er, von den Zuwendungen die Außenstände des Vereins abzuziehen.

Über deren Höhe will man zwar nicht öffentlich sprechen, sie hat aber längst eine Größenordnung erreicht, die für den Stadthaushalt von Bedeutung ist. Zustande gekommen sind die Außenstände aus nicht bezahlten Betriebskosten, die der Verein verursacht hat. Da aber die Zuwendungen an den Verein gerade zweckgebunden für die Finanzierung der Betriebskosten zu verwenden sind, ist Breitschuhs Forderung, in diesem Punkt gegenzurechnen, nicht unbillig. Immerhin ist es die Stadt, die für die nicht gezahlten Strom-, Wasser- und anderen Betriebskosten in Vorkasse gegangen ist - und das Geld wiederhaben will.

Darüber hinaus wollen die beiden Gröbziger den Vertragspassus gestrichen sehen, nach dem die Zuwendungen nicht für "Investitionen jeglicher Art" verwendet werden dürfen. Das ist ein Pferdefuß des Vertrages, der direkt auf den Eigentümer, also die Stadt Südliches Anhalt, durchschlägt. Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass man - wie eigentlich immer bei baulichen Investitionen - dafür Förderung durch das Land erhalten wird, aber es wird die in Konsolidierung befindliche Stadt hart genug ankommen, den pflichtgemäßen Eigenanteil aufzubringen.

Und Sanierungsbedarf ist da: am Hauptgebäude des Komplexes und am Kantorhaus, das Risse aufweist. "Der Kleinste geht in die größte Verantwortung", konstatiert Gröbzigs Ortsbürgermeister Honsa und stellt fest: Die institutionelle Förderung für den Verein der Freunde und Förderer des Museums Synagoge sei größer als für alle anderen Vereine im Südlichen Anhalt zusammengenommen: "Die kriegen 18.000 Euro." Und würden mehr Aktivitäten für das Leben vor Ort bringen.

Die Bedeutung des Museums sowohl regional als auch überregional, ja gar national, wolle niemand in Frage stellen, unterstreichen Honsa und Breitschuh. Man sehe sich auch in der Verantwortung: "Aber genau der Bedeutung wegen gehört das Museum in die Hände des Landes", findet Dirk Honsa.

Der auch beantragte, im Hauptausschuss noch nicht über den Vertrag zu befinden, sondern erst einmal die offenen Fragen klären zu lassen. Viel Zeit hat man im Südlichen Anhalt aber dafür nicht: Kommt der Zuwendungsvertrag, der zum 1. Januar 2013 in Kraft treten soll, nicht zustande, dann läge der Betrieb des Museum in alleeiniger Verantwortung des Stadt.

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