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Spendenbereitschaft nach dem Hochwasser: Hilfe von überall her für Köthen

Uhr | Aktualisiert 28.06.2013 17:06 Uhr
Helfer der Sanitätsschule Raymond Schulz beim Sortieren von Hilfsgütern im Köthener Spendenlager.  (BILD: Ute Nicklisch)
Seit dem 12. Juni gibt es das Spendenlager für Hochwassergeschädigte in der Köthener Augustenstraße 39-42. Die MZ sprach mit Raymond Schulz von der Sanitätsschule über die große Spendenbereitschaft und logistische Herausforderungen.
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Köthen/MZ

Seit dem 12. Juni gibt es das Spendenlager für Hochwassergeschädigte in der Köthener Augustenstraße 39-42. Eröffnet wurde es durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Inzwischen hat die Sanitätsschule Raymond Schulz aus Köthen diese Aufgabe übernommen. MZ-Redakteurin Ute Hartling-Lieblang sprach mit dem Leiter Raymond Schulz über den aktuellen Stand.

Wie wird das Spendenlager angenommen?

Schulz: Sehr gut. Wir erhalten am Tag rund 300 Anfragen. Dabei machen wir keinen Unterschied, ob die Betroffenen aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld kommen. Wir sehen vor allem auch in Breitenhagen eine große Bedürftigkeit. Da wir kein Kreisverband sind, ist es für uns auch selbstverständlich, dass wir allen Hochwassergeschädigten aus Sachsen-Anhalt helfen, die sich an uns wenden. Dabei kommt uns zugute, dass wir als Verein bekannt sind und dass wir auch den Kontakt zu den Menschen in den Hochwassergebieten direkt suchen und dort bestimmte Punkte anfahren, um Rat und Hilfe anzubieten. Das hat den Vorteil, dass wir genau wissen, was vor Ort benötigt wird.

Welche Dinge können Hochwassergeschädigte bei Ihnen erhalten?

Schulz: Alles, was man zum täglichen Leben braucht. Angefangen von Kleidung über Haushaltsgeräte, Möbel bis hin zu Babynahrung.

Wer sind die Spender?

Schulz: Zu etwa 70 Prozent sind es Privatpersonen, der Rest sind Unternehmen. Uns erreichen täglich neue Anrufe und Transporte aus ganz Deutschland, die uns unterstützen. So erhalten wir zum Beispiel auch ganz viele Päckchen mit dem, was dringend gebraucht wird, vom Desinfektionsmitteln bis hin zu Handtüchern und anderen Gebrauchsgegenständen. Und weil uns so viele von außerhalb helfen, haben wir auch schon Übernachtungsmöglichkeiten für Lkw-Fahrer organisiert. Hier hilft uns zum Beispiel die Köthener Pension Schlachteplatte.

Muss man sich als Empfänger ausweisen?

Schulz: Bei den Städten und Gemeinden bekommen die Betroffenen zu diesem Zweck ein Formular, das sie als Hochwassergeschädigte ausweist. Die meisten Leute, die zu uns kommen, legen das auch vor. Wir helfen aber auch unbürokratisch, wenn jemand in einer besonderen Notlage ist und sich dieses Formular noch nicht besorgen konnte.

 Raymond Schulz mit Angela Herzog

Raymond Schulz mit Angela Herzog vom Landkreis bei der Übergabe.   (BILD: Ute Nicklisch)

Wie sind die Öffnungszeiten des Spendenlagers?

Schulz: Wir haben derzeit noch täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Das ist der großen Nachfrage geschuldet. Ich denke aber, dass wir in der übernächsten Woche auf Kernöffnungszeiten umsteigen können, denn wir müssen die Ressourcen unserer vielen ehrenamtlichen Helfer auch etwas schonen.

Wie viele Helfer haben Sie und woher kommen diese?

Schulz: Wir können uns auf etwa 35 Helfer stützen, die uns im Spendenlager helfen, sie kommen zum Teil aus unserem Verein, es melden sich aber auch ganz viel Freiwillige. Darunter auch viele ältere Menschen, denen es ein Bedürfnis ist, zu helfen, weil sie zum Beispiel früher Umsiedler waren und wissen, was es bedeutet, wenn man sein Hab und Gut verliert. Wir freuen uns über jeden, der uns unterstützen möchte.

Werden immer noch Spenden angenommen? Und was wird besonders gebraucht?

Schulz: Besonders gebraucht werden nach wie vor Möbel und Haushaltsgeräte. Wir schicken niemanden weg, der etwas spenden möchte. Denn das halte ich für sehr kontraproduktiv. Da wir mit Hilfsorganisationen des Roten Kreuzes in Tschechien und Slowenien zusammenarbeiten, kann man sicher sein, dass sämtliche Güter, die wir erhalten, auch für soziale Zwecke eingesetzt werden.

Spendet wirklich jeder nur das, was er selbst auch gebrauchen könnte, wenn er in einer Notsituation wäre?

Schulz: Um ehrlich zu sein, ist das nicht immer der Fall. Man muss aber auch wertschätzen, dass Leute spenden, die selbst nicht viel besitzen und dennoch helfen.

Es ist sicher eine große logistische Herausforderung, die vielen Hilfsgüter zu ordern und an den Mann zu bringen?

Schulz: Das ist wahr. Aber auch hier entwickelt sich ganz vieles, was wir uns vorher so nicht vorstellen konnten. So versuchen wir zum Beispiel, Spender und Empfänger gleich zusammenzubringen, so dass zum Beispiel die gespendete Schrankwand gleich von A nach B gebracht wird. In Notfällen unterstützen wir Leute auch mit unseren Fahrzeugen.

Viele Betroffene helfen sich untereinander, auch Firmen greifen ihren Mitarbeitern mit Transportkapazitäten unter die Arme. In den Kommunen und bei Vereinen beobachten wir, dass sich schon vieles vernetzt. So hat zum Beispiel der Werdershausener Carneval Verein eine Aktion gestartet, wo Bürger aus dem Ort spenden konnten und die Dinge möglichst gleich an den Mann gebracht werden. In Aken unterstützt z. B. das Autohaus Perner, das selbst vom Hochwasser geschädigt wurde, mit einem Verkaufszelt. Ein großes Netzwerk der humanitären Hilfe zu schaffen, dazu möchten wir alle einladen.

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