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Multiple Sklerose : Kranke Zabitzerin darf keine Parkplätze für Behinderte benutzen

Wenn sie einkaufen möchte oder einen Arzttermin hat, ist Wenke Rüdiger auf den Rollstuhlangewiesen.

Wenn sie einkaufen möchte oder einen Arzttermin hat, ist Wenke Rüdiger auf den Rollstuhlangewiesen.

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Heiko Rebsch

Zabitz -

Wenn Wenke Rüdiger das Haus verlassen und einkaufen fahren will, kann sie nicht einfach aufstehen und sich anziehen. Zunächst muss sie sich mit ganzer Kraft aus dem Stuhl hochstemmen, dann greift sie nach dem Rollator. Ihr Lebensgefährte Mike Bechmann hilft Wenke Rüdiger dann, ihre Jacke anzuziehen und in den Rollstuhl zu steigen. So geht es dann zum Auto, Bechmann hilft seiner Lebensgefährtin, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen.

Wenke Rüdiger aus Zabitz leidet an Multipler Sklerose, kurz MS. Die Krankheit ist Schuld daran, dass die junge Frau ihre Beine kaum noch bewegen kann. „Seit Anfang 2015 kann ich nicht mal mehr alleine stehen“, berichtet die 38-Jährige. Sobald sie das Haus verlasse wolle, sei sie auf den Rollstuhl angewiesen. An schlimmen Tagen brauche sie ihn auch drinnen, dann reiche der Rollator nicht mehr aus.

Voraussetzungen nicht erfüllt

Allerdings: Behindertenparkplätze dürfen Wenke Rüdiger und ihr Lebensgefährte nicht benutzen. In einem Bescheid teilte ihnen das Landesverwaltungsamt in Halle im Herbst mit, Rüdiger erfülle nicht die Voraussetzungen, um das Merkzeichen „aG“ zu erhalten. Dieses Zeichen ist aber Bedingung für die Ausstellung des blauen Ausweises, der zum Parken auf Behindertenparkplätzen benötigt wird. Das Merkzeichen „aG“ steht dabei für „außergewöhnliche Gehbehinderung“. Im Bescheid heißt es: „Die Voraussetzungen zur Feststellung des Merkzeichens aG sind nicht erfüllt.“ Dieses sei für Personen, „die sich wegen der Schwere ihres Leidens dauerhaft nur mit fremder Hilfe oder nur mit großer Anstrengung außerhalb eines Kraftfahrzeugs bewegen können.“ Dazu zählen laut Bescheid zum Beispiel Querschnittgelähmte oder Menschen, denen beide Oberschenkel amputiert wurden - aber nicht Wenke Rüdiger.

Dabei, so Mike Bechmann, habe sogar ein Arzt dem Amt schriftlich empfohlen, Wenke Rüdiger das Merkzeichen „aG“ zu gewähren. Der Mediziner wollte sich der MZ gegenüber jedoch nicht äußern. Auf einen Widerspruch Rüdigers folgte im Dezember ein weiterer Brief vom Verwaltungsamt, in dem der Widerspruch abgewiesen wird. Darin heißt es: „Die Behinderungen liegen nicht in einer solchen Schwere vor, als dass eine außergewöhnliche Gehbehinderung begründet wird.“ Aus den Befunden gehe schließlich hervor, dass Rüdiger sich mehrere Meter mit Hilfe eines Rollators bewegen könne.

Welche strengen Kriterien für einen Behindertenausweis erfüllt sein müssen, lesen auf Sie auf der nächsten Seite.

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