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Flüchtlinge im Kreis Anhalt-Bitterfeld: „Es gibt genug Wohnungen“

Köthen/MZ -

Mit weiteren 250 Flüchtlingen rechnet Bernhard Böddeker, zuständiger Dezernent für Sicherheit, Ordnung und Kommunales im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, im Verlaufe dieses Jahres. „Wir liegen deutlich über den prognostizierten Zahlen, das hat uns aber nicht überrascht“, sagt er und schätzt, dass sich die Entwicklung so fortsetzen wird. Nicht nur der Konflikt in der Ukraine und der Bürgerkrieg in Syrien deuten in diese Richtung.

Allerdings ist der Anteil an Syrern in Anhalt-Bitterfeld nicht hoch, sagt der Dezernent. Hierher kommen vor allem Flüchtlinge aus Afrika, wie Burkina Faso, Benin oder Eritrea, der größte Teil kommt aber aus Bosnien, dem Kosovo oder aus Serbien, ein kleiner Teil auch aus der Türkei (Kurden).

Im Moment hält Böddeker die Situation aber für beherrschbar. Von den 564 Flüchtlingen im Landkreis sind 366 in Gemeinschaftsunterkünften und 198 in Wohnungen untergebracht. Das entspreche der Strategie, den Wohnungsanteil deutlich zu erhöhen, unterstreicht Böddeker. Neuankömmlinge bringt der Landkreis generell in Wohnungen unter, wenn nicht triftige Gründe dagegen sprechen, wie der Dezernent erklärt. In den Gemeinschaftsunterkünften gebe es noch immer eine intensivere Betreuung, räumt er ein, das könne bei Alleinreisenden oder bei Personen aus einem bestimmten Kulturkreis manchmal von Vorteil sein.

Böddeker möchte aber darauf aufmerksam machen, dass Ausländer, die zu uns kommen, nicht in jedem Fall Flüchtlinge sind. In Köthen gibt es durch die Hochschule und das Studienkolleg viele ausländische Studenten, in Zerbst seien viele Arbeiter aus Osteuropa beschäftigt und im Raum Bitterfeld arbeiten im Industriebereich viele Ausländer, hinzu kommen Geschäftsleute und natürlich Beschäftigte im Gaststättengewerbe.

„Die kosten nichts, die bringen Geld“, so der Dezernent. Was die allgemeinen Zuweisungen anbetrifft, die der Landkreis vom Land für die Flüchtlingsbetreuung bekommt, so basieren diese auf den Ausgaben des Jahres 2012. Wie hoch die Differenz zu den tatsächlichen Kosten ist, werde die Jahresrechnung für 2014 zeigen, so der Dezernent.

Zur Situation auf dem Wohnungsmarkt sagte Böddeker: „Es gibt genug Wohnungen, uns droht keine Zeltstadt“. Der Landkreis sei gut vorbereitet. „Wir haben früh genug angefangen, uns um Wohnungen zu kümmern.“ Allerdings hinke man mit der Betreuung in den Wohnungen noch hinterher. Derzeit kommen 70 Flüchtlinge auf einen Betreuer. Die Europaschulen in Bitterfeld leisten auf diesem Gebiet eine gute Arbeit, das müsse man aber weiterentwickeln, sagt Böddeker. Er bedauert, dass die Stelle beim Landkreis, die für die Organisation der Betreuung geschaffen wurde, noch nicht besetzt werden konnte. Sie wurde erneut ausgeschrieben, nachdem ein passender Bewerber wieder abgesprungen sei. Wegen der hohen Anforderungen sei es schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Beherrschen der französischen Sprache und Erfahrungen im sozialen Bereich sind zwingend.

Bei der Akquirierung von Wohnungen arbeitet der Landkreis vor allem mit den großen Wohnungsgesellschaften aber auch zunehmen mit Privatvermietern zusammen. Die Renovierungsarbeiten werden an Firmen vergeben. Es sei aber geplant, für einfache Arbeiten auch aus den Reihen der Flüchtlinge Personen zu finden, die sich an der Renovierung beteiligen, dadurch eine sinnvolle Arbeit finden und ein höheres Einkommen erzielen können.

Besonders kooperativ verhalte sich die Wohnungsgesellschaft Neubi in Bitterfeld, sagt Böddeker. Dort liegt der Schwerpunkt der Unterbringung. 185 Flüchtlinge sind dort in Wohnungen untergebracht. Die Neubi plant ein Projekt, bei dem sie selbst Betreuer für die Flüchtlinge einsetzt, die vom Landkreis bezahlt werden. Auch mit Sandersdorf, Zerbst und Quetzdölsdorf laufen Gespräche zur Anmietung von Wohnungen durch den Landkreis. In Aken gibt es derzeit drei Wohnungen mit neun Flüchtlingen, in Köthen gibt es erst eine Wohnung. Hier sei aber auch der Leerstand geringer. Angemietet werden einfache Wohnungen, unterstreicht Böddeker.

„Wir achten auch sehr darauf, dass wir die Menschen nicht in großen Wohneinheiten zusammen bringen“, so der Dezernent.

Zum Thema Kriminalität sagt der Landkreisvertreter: „Sie ist unter Ausländern in Anhalt-Bitterfeld nicht höher als unter Deutschen.“ Was man aber verlange, sei Toleranz und Anpassung. Böddeker nennt ein Beispiel: Im Fall einer Großfamilie, die im Raum Bitterfeld untergebracht ist, gebe es Probleme mit den Nachbarn, weil die Familie sich zum Beispiel nicht an die Regeln bei der Mülltrennung halte oder dazu neige, ihr soziales Leben ins Treppenhaus zu verlagern. „Da sind wir dran“, sagt Böddeker, falls Gespräche nicht fruchten, „müssen wir eine Verlegung in eine Gemeinschaftsunterkunft vornehmen. Da sind wir konsequent.“


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