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Feuerwehr: Neue Rettungstechnik für Kleinpaschleben

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 20:23 Uhr
Ausbilder Michael Wichmann beobachtet, wie die Schere angesetzt wird. (FOTO: REBSCH) 
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Die Kleinpaschlebener Kameraden haben neue Rettungstechnik erhalten. Dass die Wehr solch eine Gerätschaft erhalten hat, hat seinen guten Grund.
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köthen/kleinpaschleben/MZ. 

Der weiße Hai (Carcharodon carcharias) hat - man weiß es aus etlichen Filmen - von allen Lebewesen des Erdballs die größte Bisskraft. Ein 3,5 Tonnen schwerer Brocken brächte es auf eine Leistung von 1,8 Tonnen. Beeindruckend ist das allemal. Aber gegen die Schere, die die Kleinpaschlebener Feuerwehr neu in ihrem Besitz hat, stinkt der Räuber der Weltmeere völlig ab. Da müssten mehr als 59 Weißhaie gleichzeitig zubeißen, um mit dem Glanzstück der Feuerwehrtechnik mithalten zu können. Die Schere entwickelt im Maximum 107 Tonnen. "Damit", sagt Andreas Hafermalz geradezu ehrfürchtig, "ist es möglich, eine B-Säule in einem Schnitt zu durchtrennen."

Die B-Säule eines Autos nämlich, die Verbindung zwischen Fahrzeugboden und Fahrzeugdach. Eines der hartnäckigsten Hindernisse, das Feuerwehrleute zu überwinden haben auf dem weg zu verletzten, eingeklemmten Personen nach einem Verkehrsunfall.

Dass die Kleinpaschlebener Wehr solch eine Gerätschaft erhalten hat, hat seinen guten Grund. Einen, der an den Orten der "Ausrückegemeinschaft" Frenz / Großpaschleben / Trinum / Zabitz / Kleinpaschleben derzeit langsam Gestalt annimmt: die B6n. Auf der wird sich in nicht mehr allzu ferner Zeit viel Verkehr konzentrieren - und das heißt: Auch die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöht sich. Die Wehren im Einzugsbereich der Pseudo-Autobahn müssen dafür gewappnet sein.

So begründet Andreas Tausch den Kauf, der die Gemeinde Osternienburger Land immerhin ganze 14 000 Euro gekostet hat. Tausch ist zuständiger Mitarbeiter für den Brandschutz in der Verwaltung und kennt die Notwendigkeit des neuen hydraulischen Rettungsgerätes, das nicht nur schneiden, sondern auch spreizen und das Fahrzeug anheben kann. "Wir hatten im Bereich bislang zwei ältere Rettungsgeräte, in Kleinpaschleben und Osternienburg, und haben es als notwendig angesehen, hier aufzurüsten." Auch wenn das Gerät vielleicht nur zwei- oder dreimal im Jahr zum Einsatz käme, sei ohne es die technische Rettungsleistung nicht mehr möglich. "Mit der Brechstange kommt man bei der modernen Fahrzeugtechnik nicht mehr weiter, wenn mal etwas passiert ist." Neben der B6n gibt es einen weiteren Risikobereich, was Unfälle angeht: die Deutsche Bahn. "Und da geht auch eine Hauptstrecke über die volle Gemeindefläche."

Technik zu haben und mit ihr auch umgehen zu können, sind zwei ganz verschiedene Stiefel. Die richtige Handhabung der Gerätschaften setzt Übung voraus - da ist es gut, wenn solch eine Übungseinheit gleich mal für 36 Feuerwehrleute auf einmal angeboten werden kann - und dann noch am "lebenden Objekt". Andreas Hafermalz ist nicht nur Leiter des Feuerwehrabschnitts Nord, sondern auch Inhaber eines Autohauses in Köthen. Der alte Renault Chamade, der an diesem Abend als Trainingsobjekt dienen soll ("Ihr könnt euch richtig austoben"), hat 21 4767 Kilometer auf dem Tacho und ist schon Schrott, bevor Spreizer und Schere ihn zerlegen. Fachlicher Leiter der lehrreichen Schrottung war mit Michael Wichmann, der Wehrleiter der Stadt Südliches Anhalt. Darüber hinaus ist Wichmann Kreisausbilder für technische Hilfeleistung und als solcher beobachtete er mit Argusaugen und kommentierenden Bemerkungen die Bemühungen der Feuerwehrleute, dem Blech zu Leibe zu rücken.

Da gab es das volle Programm: die Türentfernung mit dem Spreizer, zuvor das Entfernen der Frontscheibe mittels Glassäge, der Scherenschnitt durch die A-Säule, das Eingreifen mit dem Spreizer, der das Armaturenbrett nach oben drückt, die Entfernung der hinteren Tür, die Entfernung der B-Säule, V-Schnitte ins Dach und vieles andere mehr. Auch für die Kameraden war schnell zu merken, dass es zum einen nicht so einfach ist, einen 25 Kilo schweren Spreizer an die richtige Stelle zu wuchten, zum anderen die korrekte Umsetzung der Regeln quasi ständige Aufmerksamkeit erfordert - im Ernstfall steckt zwischen all dem Blech ein Mensch, der aus seiner misslichen Lage befreit werden muss und bei der Rettung nicht noch weitere Verletzungen erleiden soll.

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