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Feuchtgebiet: Nabu kritisiert Missstände im Wulfener Bruch

Uhr | Aktualisiert 03.02.2013 18:56 Uhr
Heckrinder der Primigenius gGmbH im Wulfener Bruch. (ARCHIVFOTO: ARCHIV/REBSCH) 
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Vertreter des Naturschutzbundes sehen Missstände bei der Gewässerunterhaltung, die den Bestand von Tieren und Pflanzen im Wulfener Bruch akut gefährden. Das Land Sachsen-Anhalt hat das Feuchtgebiet als Europäisches Vogelschutzgebiet und in Teilen sogar als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen.
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wulfen/MZ. 

Andreas Wenk hat die Nase voll. "Es kann nicht allein unsere Aufgabe sein", sagt der Geschäftsführer der Primigenius gGmbH. Und meint damit den Schutz des Wulfener Bruchs. Mehr als 800 Hektar ist das ehemals artenreiche Feuchtgebiet groß. Das gemeinnützige Unternehmen verwaltet knapp ein Viertel davon.

Aus zu nassen Ackerflächen soll Feuchtgrünland werden. Mit diesem Ziel hat der Köthener Kreisverband des Naturschutzbundes (Nabu) vor knapp 20 Jahren begonnen, Flächen im Wulfener Bruch aufzukaufen. Das Land Sachsen-Anhalt hat das Gebiet als Europäisches Vogelschutzgebiet und in Teilen sogar als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen. "Es ist das bestgeschützte Gebiet in der Region", sagt Andreas Wenk.

Doch was nützen Ausweisungen auf dem Papier, wenn die Stiftungen und Verbände, die sich für das Wulfener Bruch stark machen, letztlich allein dastehen? Die MZ hat den Welttag der Feuchtgebiete, der am vergangenen Samstag begangen wurde, zum Anlass genommen, um die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis an diesem Beispiel aufzuzeigen.

Und deshalb zurück zu Andreas Wenk. "Wir haben den Eindruck, dass die Naturschutzbehörden das Gebiet aufgegeben haben." Mit "wir" meint der Leiter der Primigenius gGmbH den Nabu Köthen, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Loki-Schmidt-Stiftung Hamburg, das Vogelschutzkomitee Göttingen und die Deutsche Umwelthilfe. Stiftungen und Verbände also, die sich für den Erhalt des Feuchtgebietes einsetzen.

Mit einem Schreiben wollen sich die Naturschützer nun an Umweltminister Hermann Onko Aeikens wenden. Denn sie nehmen nicht länger hin, was der Unterhaltungsverband "Taube-Landgraben" mit dem Wulfener Bruch macht. Von einem "Missstand bei der Gewässerunterhaltung" ist die Rede. Von gravierenden Mängeln und jahrelangen fruchtlosen Bemühungen.

"Durch die insgesamt viel zu intensive und zu häufige Krautung mit Sohl- und Uferverletzungen und den Einsatz von Schlegelgeräten sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand akut gefährdet, hierunter auch bedrohte und gemeinschaftsrechtlich besonders geschützte Arten." Dieser Satz ist dem Schreiben zu entnehmen.

Zum besseren Verständnis: Mit einem Bagger wird der Landgraben, der durch das Wulfener Bruch fließt, verbreitert und vertieft. Das führt dazu, dass nicht nur die Böschung abrutscht, sondern auch der Pflanzenwuchs im Wasser zerstört wird. Doch damit nicht genug. Im Aushub finden die Naturschützer immer wieder unzählige tote Amphibien und Fische.

Erdkröten, Ringelnattern, Aale, Schleie, Stichlinge, Weißfische und sogar Schlammpeitzger haben Andreas Wenk und seine Mitstreiter schon am Ufer des Landgrabens gefunden. Letztere stehen auf der Roten Liste. Durch die Entwässerung von Auenbereichen und die Unterhaltung von Gewässern wurde die Art in Deutschland beinahe ausgerottet. Im Landgraben gibt es die bedrohten Fische. Doch wer weiß, wie lange noch?

"Das Land Sachsen-Anhalt hat eine Verpflichtung, diese Art zu erhalten", macht Andreas Wenk deutlich. Doch er fühlt sich im Stich gelassen. Vom Umweltminister erhoffen sich die Naturschützer nun Unterstützung. Denn sowohl beim Unterhaltungsverband "Taube-Landgraben" als auch bei der Landkreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld, bei der Unteren Wasser- und der Unteren Naturschutzbehörde stießen die Naturschützer bisher auf taube Ohren.

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