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Anhalt-Bitterfeld: Drosaer Herren treffen sich zum Heimabend

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 21:01 Uhr
Gute Laune ist das Markenzeichen der Männer vom Heimabend Drosa. Doch sie haben sich auch strenge Regeln auferlegt. (FOTO: HEIKO REBSCH) 
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Immer montags verschwinden abends in Drosa etliche Männer. Das geht nun schon 16 Jahre so. Eine Vermisstenanzeige hat in all den Jahren aber noch niemand erstattet, denn jeder weiß: Die Herren treffen sich montags zum Heimabend.
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Drosa/MZ. 

Immer montags verschwinden abends in Drosa etliche Männer. Das geht nun schon 16 Jahre so. Sie geben sich so seltsame Namen wie "Hütte", "Vati", "Dora", "Matze", "Emmi", "Otti", "Socke", "Butterle", "Mietz Maik", "Mate", "Fricky" und "Joh" und wer ein wenig sucht, kann ihre Steckbriefe im Internet finden. Eine Vermisstenanzeige hat in all den Jahren aber noch niemand erstattet. "Unsere Frauen kennen das doch gar nicht anders", erklärt Karel. Außerdem sind die Herren bisher nach einigen Stunden immer wieder mehr oder weniger wohlbehalten zu Hause aufgetaucht.

Mittlerweile ist ihr Aufenthaltsort an jenen Montagabenden in Drosa auch kein Geheimnis mehr. Ob Feuerwehr, Heimat- oder Sportverein - man weiß, dass Veranstaltungen am ersten Tag in der Woche mitunter schlecht besucht sein dürften, und richtet sich darauf ein; denn montags ist Heimabend.

Den Namen, der eher auf ein Kaffeekränzchen von Hausfrauen schließen lässt, hat sich die Gruppe gegeben, weil sich die zurzeit 17 Männer jeden Montag im "Heim" eines anderen Mitgliedes treffen. "Montags hatte ich damals immer frei", erklärt Gründungsmitglied Karel. Außerdem schaue man montags zusammen die dritte Bundesliga im Fernsehen an und man könne das Fußball-Wochenende auswerten.

Fußball spielt nämlich beim Heimabend eine zentrale Rolle, nicht nur, weil die Männer alle in der SG Drosa gespielt haben oder spielen, sondern wegen der mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit veranstalteten Tipprunden. "Bundesliga, Europapokal, Champions-League, Landesspiele - es wird auf alles getippt, was an Fußball in der Woche so los ist", erzählt Karel. Schriftführer Mate hat genau Buch geführt: Seit 1999 gab es 653 Tipprunden mit 6 600 Fußballspielen. Wer in einer Saison die meisten Spielergebnisse richtig vorhersah, wird Tippkönig, bekommt einen Wanderpokal und darf ein Jahr lang einen Sticker mit einer Krone tragen. In diesem Jahr ist das nach 2003 und 2005 erneut Mate.

Eine recht drastische "Auszeichnung" erhält der Verlierer: Ihm wird nicht nur ein "Arsch mit Ohren" überreicht, er muss das Zeichen seiner Schande auch sichtbar auf einem Sticker am Heimabend-T-Shirt tragen. Nachdem Otti diesen unrühmlichen Titel drei Jahre lang getragen hat (und die "Trophäe" deshalb behalten darf), ist die neu angeschaffte Mutation 2012 an Karel gegangen.

Auch sonst herrscht beim Drosaer Heimabend ein strenges Reglement aus 18 Paragrafen. Wer das Gruppen-T-Shirt außerhalb des Heimabends trägt, zahlt zum Beispiel 50 Cent in die Kasse, ebenso viel kostet verspätetes Erscheinen. Unentschuldigtes Fehlen wird gar mit einem Euro geahndet. Die Hauptregel aber lautet: Frauen haben auf den Zusammenkünften nichts zu suchen. "Das ist ein sehr wichtiger Punkt", betont Karel.

Vor Jahren wollten sich die Ehefrauen mit einem Treff der Montags-Strohwitwen revanchieren. "Das lief nur vier- oder fünfmal, wie Frauen halt so sind", bemerkt Butterle süffisant und stellt zufrieden fest: "Es ist noch kein Heimabend ausgefallen, wir haben höchstens mal einen verschoben."

Als Gründungsdatum des Heimabends Drosa haben sich die Mitglieder auf den 6. Mai 1996 geeinigt. Da jedenfalls beginnt die Buchführung. Stefan, Sven, Otti und Karel können sich jedoch erinnern, dass sie schon 1994 montags bei Letzterem in der Wohnstube Fußball geschaut haben. "Dann wurden wir immer mehr und sind montags schließlich von Wohnung zu Wohnung ,gewandert'", berichtet Karel.

In den vergangenen 16 Jahren hat der Heimabend in Drosa Spuren hinterlassen. Die Männer übernehmen beim Osterfeuer den Ausschank, sie haben zu Pfingsten für das Dorf ein Wildschwein-Essen organisiert und vor Jahren das Fahrrad-Ringreiten ins Leben gerufen, das mittlerweile zur Tradition geworden ist. Und wer sich über die Fußball- oder Kegelergebnisse der SG Drosa informieren will, ist auf der von Mate betreuten Internetseite des Heimabends genau richtig. Die aktuellen Zahlen vom Sonnabend besorgt Butterle und spätestens sonntags stehen sie im Netz.

Gegen ihre Hauptregel allerdings haben die Männer vor kurzem verstoßen: Zum ersten Mal haben sie den Jahresabschluss zusammen mit den Familien gefeiert.

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