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Tragödie in Annaburg: Kinder verlassen die Klinik in Wittenberg

Wohnblock in Annaburg

Elf Wohnungen für Asylbewerber stellt der Verein „Wohnungen durch Selbsthilfe“ in seinem Wohnblock in Annaburg zur Verfügung. Hier geschah die Verzweiflungstat.

Foto:

Klaus Adam

Annaburg -

Eine junge Frau, 29 Jahre alt, hat am Sonntagabend versucht, sich und zwei ihrer Kinder, fünf und sieben Jahre, das Leben zu nehmen (die MZ berichtete). Am Dienstag sollte die Familie, zu der zwei noch kleinere Kinder und der Vater gehören, nach Italien „kontrolliert rückgeführt“ werden, wie es in der Behördensprache heißt. Das bedeutet, die Familie sollte aus ihrer Wohnung in Annaburg in das Land gebracht werden, in dem das Asylverfahren für sie läuft (siehe „Antrag dort, wo Europa betreten wird“).

Verfahren nicht vom Tisch

Heute werde der Vater mit den vier Kindern nach ihrer Kenntnis das Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Wittenberg verlassen und in die Annaburger Wohnung zurückkehren, erfuhr die MZ von der zuständigen Mitarbeiterin der Ausländerbehörde. „Das ist ihr Zuhause in Deutschland.“ Das Rückführungsverfahren sei trotz dieses tragischen Schrittes der Mutter nicht vom Tisch. Es ruhe aber solange, bis sie endgültig genesen ist. Alle Nachfolgebehandlungen eingeschlossen. Auch wenn es ein Suizidversuch war, werde dies als Notfallbehandlung bewertet, deren Kosten das Sozialamt trage. „Da gibt es gar keine Abstriche“, so die Mitarbeiterin im Landratsamt.

Bemühungen, mit der Familie Kontakt aufzunehmen, hat gestern das Wittenberger Krankenhaus abgeblockt: „Wir müssen die Menschen schützen“, sagte Sprecherin Janet Pötzsch, sie hätten Schlimmes durchgemacht. Auch Fragen, wie es der 29-Jährigen gehe, beantwortete sie nicht.

Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (parteilos) äußerte sich bestürzt über den mutmaßlichen Verzweiflungsschritt der jungen Mutter. Er stellte allerdings klar, dass die Stadtverwaltung weder in Fragen der Wohnraumbereitstellung noch der Betreuung der Asylbewerberfamilien involviert sei. „Das ist Sache des Landkreises.“

Auf welchen Wegen die Familie nach Deutschland kam, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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