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Leitungsbau: Glättet ein Bogen die Wogen?

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 21:03 Uhr
Während der Trassenverlauf auf den Jessener Bergen noch nicht endgültig feststeht, wird außerhalb der Stadt schon fleißig gebaut. (FOTO: THOMAS CHRISTEL) 
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Der Energieversorger Envia-M reagiert auf die Kritiken von Anwohnern zur geplanten Trasse. Ein geänderter Vorschlag wird dem Initiativkreis vorgelegt.
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JESSEN/MZ. 

Energieversorger Envia-M lenkt ein: Nach den harschen Einsprüchen der Anwohner in der Nähe der bis dato geplanten Neutrassierung der 110-Kilovolt-Leitung ist die Strecke auf der Karte noch ein Stück nach Osten - etwas weiter in die Nähe der Tongrube - verlegt worden. Zunächst als Vorschlag. "Wir haben auf der Grundlage der Versammlung mit den Anwohnern am 15. Oktober im Bergschlösschen noch eine ganze Menge Einzelgespräche geführt", so Envia-M-Projektleiter Maik Sawitzki am Montag auf MZ-Nachfrage. Und auch mit Grundstückseigentümern entlang einer Trasse, die womöglich etwas mehr Akzeptanz finden könnte, so der Mann von der Envia Netzservice GmbH. Allerdings noch nicht mit allen.

Die Idee war, als Reaktion auf die Kritiken die Leitung "oben an der Arnsdorfer Reihe etwas zu verschieben". "Ich selber schätze die neue Trasse wirklich als Verbesserung ein", bemerkt Sawitzki dazu. Auch Bürgermeister Dietmar Brettschneider (CDU), dem er vorige Woche den neuen Entwurf vorstellte, habe sich positiv dazu geäußert. Der Initiativkreis der Anwohner habe den Vorschlag zur neuen Trassenführung übersandt bekommen und wolle sich darüber verständigen, so der Projektleiter. Durch diese Trassenführung würden die Abstände zwischen den einzelnen Masten, von den Fachleuten Spannfelder genannt, kleiner werden. Daraus resultierten geringere Masthöhen. Folglich wäre diese Leitungsanlage im Landschaftsbild weniger dominant. Darüber hinaus hätte sich "der Abstand zu einer Vielzahl von Wohngrundstücken der Arnsdorfer Reihe" maßgeblich vergrößert, wie Sawitzki anführt.

Höhere Akzeptanz erwartet

Freilich sei er sich im Klaren darüber, dass ein Konsens mit allen Anwohnern schwerlich zu erreichen sei. Doch von der jetzt vorgelegten Variante verspricht sich der Energieversorger bei seinem Leitungsneubau eine höhere Akzeptanz als noch zu dem in der Einwohnerversammlung präsentierten Vorschlag.

Drei wesentliche Argumente hatten Anwohner der Arnsdorfer Reihe und der Unterberge bei der Versammlung im Oktober angeführt. Sie formulierten Sorgen vor gesundheitlicher Beeinträchtigung durch elektromagnetische Strahlung, sahen einen Wertverlust ihrer Grundstücke auf sich zukommen und kritisierten den Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet.

Reaktion auf Entwicklung

Die Vertreter von Envia-M, die in großer Mannschaft nach Jessen gekommen waren, begründeten die Neutrassierung mit dem Wunsch der Stadt, die 110-kV-Hochspannungsleitung aus dem Wohngebiet herauszubekommen. Der Anlass dazu bietet sich, da der regionale Energieversorger gegenwärtig sein Netz fit macht für den Transport der regenerativen Energien.

Denn sowohl Sachsen-Anhalt als auch der Kreis Wittenberg im engeren Sinn nehmen bereits Spitzenplätze bei der Energieerzeugung aus Sonne, Wind und Biogas ein. Die durchschnittliche Produktion sei schon jetzt höher, als die im Land benötigte Jahresmenge. Das wurde inzwischen zu mehreren Anlässen begründet. "Bis 2050 sollen 80 Prozent des Stromes aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt werden", hatte Maik Sawitzki vor den Jessenern im Oktober die Pläne der Bundesregierung begründet. Aufgrund der bereits recht gut ausgebauten regenerativen Energieerzeugung in Sachsen-Anhalt gehe es inzwischen darum, den Strom dorthin zu bringen, wo er gebraucht werde. Bekanntlich hapert es in puncto Alternativenergien immer noch an Speichermöglichkeiten. Und in anderen Regionen der Bundesrepublik ist der Ausbau noch nicht so weit fortgeschritten.

Allerdings plädierten einige der betroffenen Anwohner in dem Treffen für eine Erdverkabelung statt einer Freileitungs- trasse. Das würde allerdings die Kosten enorm in die Höhe treiben, so seinerzeit die Vertreter des Energieversorgers. Prognostizierten Kosten von 2,1 Millionen Euro für die geplante Freileitung stünden über zehn Millionen Euro für die Erdverkabelung zumindest des Leitungsteils im bewohnten Gebiet gegenüber.

Anwohnerin Ines Carius, die zu den größten Kritikern des Freileitungsbaus gehört, sprach am Montag gegenüber der MZ davon, dass sie ihre Einwände aus gesundheitlicher Sicht bzw. hinsichtlich der Lebensqualität in dem betreffenden Areal noch nicht widerlegt sieht. Wie berichtet, hatte sie in der Einwohnerversammlung angeraten, wenigstens den ersten Teil der Trasse in die Erde zu verlegen. Sie mag nicht akzeptieren, dass technischer Fortschritt zu Lasten des Allgemeinwohls gehe.

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