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Mitteldeutsche Zeitung | Kreis Wittenberg: Es geht ums nackte Überleben
06. June 2012
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Kreis Wittenberg: Es geht ums nackte Überleben

Flüchtlinge

«Flüchtlinge» bei der simulierten medizinischen Kontrolle (FOTO: E. JOCHADE)

Premsendorf/Holzdorf/MZ/EJO. -

In langer Reihe stehen die Flüchtlinge vor den Zelten. Sie sind hungrig, durstig, müde und geschwächt vom Marsch durch unwegsames Gelände. Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes nehmen die drei Familien zu je fünf Personen auf jemenitischem Territorium in Empfang. Sie kommen aus dem Krisengebiet Somalia.

Das Flüchtlingslager mit dem bezeichnenden Namen "No hope" - Keine Hoffnung - ist ihr erster Zufluchtsort auf vermeintlich sicherem Boden. Hier erfahren sie erste Hilfe, finden Ansprechpartner, werden medizinisch untersucht und bekommen zu essen und zu trinken, bevor auch dieses Lager geräumt werden muss.

Gott sei Dank, möchte man sagen, war dies nur ein Rollenspiel. Jedenfalls für die Jugendlichen, die Samstag und Sonntag zwischen Premsendorf und Holzdorf als Flüchtlinge unterwegs waren. "Youth on the Run" heißt die Aktion und wurde erstmals in Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Organisiert vom DRK-Landesverband in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung schlüpften die 16- bis 20-Jährigen in neue Identitäten und Familien. Die Teilnehmer gerieten in fast jede bei einer Flucht denkbare Situation. Von Ämterbürokratie und abenteuerlichen Aktionen, bis hin zur Verhaftung durch die Polizei. Um dies alles realistisch zu gestalten, kam Englisch als Amtssprache zum Einsatz, womit die Sprachbarriere erhöht wurde. Aber auch geliehene Uniformen ließen beim Eintreffen der Somalier in Deutschland am zweiten Tag des Spiels alles authentisch aussehen. Besonders aber wirkte der Einsatz von Rot-Kreuz-Leuten aus Italien, Dänemark, Irland und Island, die schon Erfahrung mit solchen Rollenspielen haben. So wurden die deutschen von den isländischen Kameraden ausgebildet.

Für die Jugendlichen war das alles eine neue Erfahrung. Der Verzicht auf vermeintlich wichtige Dinge wie Handy, Uhr oder Zigaretten tat den meisten schon weh. Die Leiterin des Projektes beim DRK-Landesverband, Magdalena Dommasch, brachte es auf den Punkt: "Fällt mit einem Schlag der tägliche Luxus weg, den die Jugendlichen gewöhnt sind, ist das viel effektiver als der beste Vortrag." Gelegenheit zum Reflektieren haben die Jugendlichen in der Phase der Nachbereitung, wo sie ihre Gedanken zu dem Erlebten in Gesprächen oder schriftlich ausdrücken.


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