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Klassenfahrt: An die Mauer und in den Stasi-Knast

Die Jugendlichen der Sekundarschule Elster in einem der „Tigerkäfige“, in denen die Häftling der Stasi an die frische Luft durften, allerdings ohne Kontakt zu Mitgefangenen

Die Jugendlichen der Sekundarschule Elster in einem der „Tigerkäfige“, in denen die Häftling der Stasi an die frische Luft durften, allerdings ohne Kontakt zu Mitgefangenen

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Olaf Däumichen

Elster -

Die DDR komme im Geschichtsunterricht zu kurz, meint Olaf Däumichen, Geschichtslehrer an der Sekundarschule Elster. Deshalb gab es für beide zehnte Klassen wieder ein Projekt Geschichte/Sozialkunde verbunden mit einer Fahrt nach Berlin. Dort wurden die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße und das ehemalige Gefängnis der Staatssicherheit in Hohenschönhausen besucht. Beides hat die Schüler tief beeindruckt und sehr nachdenklich gemacht.

Paul Nebelung zum Beispiel staunte, welche Ausmaße die Mauer hatte, durch die auch Familien getrennt wurden. Unter anderem waren die Schüler auf einem Aussichtsturm und konnten von dort deutlich sehen, was damals alles zu dieser Grenzanlage gehörte, bis hin zu einem Minenfeld.

Im früheren Gefängnis wurden die beiden Klassen getrennt und von Zeitzeugen, die zu unterschiedlichen Zeiten hier inhaftiert waren, geführt. Diese erzählten viel über ihre eigenen Erlebnisse. Das sei beeindruckender gewesen, als eine Führung mit Historikern, waren sich die Jugendlichen einig. Toby Jannsohn meinte, dieses persönliche Erlebnis sei wesentlich besser und nachhaltiger, als darüber Bücher zu lesen oder Filme zu sehen. Das bestätigte Anna Lieschke: „Die Eindrücke sitzen tief.“ Damit meinte sie neben anderem die verschiedenen Zellen, darunter eine, in der die Inhaftierten im Wasser stehen mussten. Jessica Berger erzählte, dass ihre Klasse samt Betreuer in einer Zelle war und die Tür geschlossen wurde. Nur für Minuten - ein bedrückendes Gefühl. Die Häftlinge mussten darin tagelang zu zehnt aushalten, obwohl die Pritsche nur für die Hälfte von ihnen ausreichte.

Eine Abwechslung war es, wenn es an die frische Luft ging. Aber auch hier Enge und oben war der ummauerte Raum noch mit Draht abgesperrt. Die Insassen warteten regelrecht darauf, zu einem Verhör geholt zu werden, obwohl dort Psychospiele mit ihnen getrieben wurden. Aber es war eine Abwechslung, in den Zellen gab es weder Fernseher noch Radio oder Zeitungen. Briefe durften nicht geschrieben werden. Ein Zeitzeuge erzählte, dass er in Gedanken Briefe an seine Familie schickte und sich auch die Antwortpost schrieb.

Die Einzelschicksale haben die Schüler sehr beeindruckt, so sehr, dass einige sich weiter damit beschäftigen wollen, im Internet oder durch die Lektüre von Büchern. (mz)


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