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Fällaktion am Elsterdamm: Kletterseil und Riesenschwert

Hier rückt die Spezialfirma alten Kastanien an der früheren Elsterbrücke in Schweinitz zu Leibe.

Hier rückt die Spezialfirma alten Kastanien an der früheren Elsterbrücke in Schweinitz zu Leibe.

Foto:

Bernd Scheibe

Schweinitz -

„Ein Meter-Schwert - das haben nicht mal unsere Leute“, sagt Detlef Schulze vom Betreuungsforstamt Annaburg anerkennend. Mit Kettensägen dieses Formats hantiert Baumpfleger Gernot Räbel, wenn es an solche Baumriesen wie hier am Schweinitzer Damm geht. In Vorbereitung der Deichbauarbeiten müssen Bäume, die unmittelbar am Fuß des Hochwasserschutzwalls stehen, gefällt werden. Die Regie darüber hat das Betreuungsforstamt.

Spezialunternehmen vor Ort

Für so „dicke Brocken“ wie die beiden Eichen, die just an der Stelle stehen, wo eine Spundwand eingerammt werden soll, bedient es sich des Spezialunternehmens von Gernot Räbel aus Ziesar. Dem vierköpfigen Team obliegt auch das Entfernen von Ästen in den Baumkronen, die in den Arbeitsbereich der Ramme ragen würden. Zehn Meter „Kopffreiheit“ brauche diese. Dabei sind Kletterkünste gefragt. Geschickt fixiert die 22-jährige Luisa Göckelmann das Sicherungsseil an einer ausgewählten Stelle - man sägt schließlich nicht den Ast ab, auf dem man sitzt - und erklimmt dann flink wie ein Wiesel Stamm und Geäst. „Auf Bäume bin ich als Kind auch geklettert“, sagt die 22-Jährige. „Aber eigentlich komme ich aus dem Bergsport“. Weil sie gern in der Natur ist, hat sie sich als Baumpflegerin ausbilden lassen. Sie lebt in Göttingen und ist selbständig - in diesem Fall wiederum arbeitet sie als Subunternehmerin für Räbel.

15 Jahre im Geschäft

Der macht diesen Job nun schon seit 15 Jahren. Mit gut 30 Metern Höhe und einem Stammumfang von dreieinhalb bis vier Metern haben die Eichen, denen er an diesem Nachmittag zu Leibe rückte, zwar schon beachtliche Ausmaße, aber Räbel hatte es nach eigenem Bekunden schon mit viel größeren Bäumen zu tun. Der höchste war 60 Meter.

Inzwischen ist ein Halteseil im oberen Stammbereich der zweiten zu fällenden Eiche angebracht. Der Traktor auf der anderen Seite des Elsterdammes wird den Baum daran in die gewünschte Richtung ziehen. Zuerst sägt Räbel den Fällkerb, dadurch wird der Stamm in Fällrichtung destabilisiert. Dann setzt er an der gegenüberliegenden Seite an. Zu etwa drei Viertel durchsägt er den mächtigen Stamm und schlägt in den Schnitt zusätzlich noch drei große Fällkeile ein. „Damit der Baum nicht zurückkommt“, wie Frank Ackermann erklärt. Der Leiter des Betreuungsforstamtes ist hinzu gekommen und verfolgt interessiert das Geschehen.

Signal per Sprechfunk

Räbel verlässt die Gefahrenzone entgegen der Fallrichtung um drei Baumlängen und gibt über Sprechfunk dem Traktoristen das Signal, anzuziehen. Unter Ächzen und Krachen fällt der Baum. Obwohl alles glatt lief, so ganz zufrieden ist der Baumpfleger nicht mit Bild, das sich nun bietet: Der Überstand auf dem Baumstumpf ist ihm zu groß. Aber den Stamm noch weiter zu durchschneiden, sei ihm zu riskant erschienen, sagt er. Beim Fallen hat der Baum die Krone der benachbarten Eiche touchiert, einige Äste sind abgebrochen. Ackermanns Bitte, das „gesundzuschneiden“, wird prompt erfüllt. Die Baumstümpfe - der Forstmann nennt das Stock - werden später vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft mit schwerer Technik gerodet. Gut eine Woche noch werden die Forstleute und Baumpfleger am Elsterdamm zugange sein. Ist das Fällen beendet, muss der Damm wieder hergerichtet werden, informiert Ackermann. „Boden wird aufgefüllt und Gras angesät.“ Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein Hochwasser Deichbauarbeiten zuvorkommt. 2013 ereilte es Elster vier Wochen vor dem ersten Spatenstich am Deich. (mz)


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