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Bundeswehr in Holzdorf: Abschied mit Wehmut

Seine Dienstzeit in Holzdorf wird Oberst Franz Sauerborn in unvergesslicher Erinnerung bleiben.

Seine Dienstzeit in Holzdorf wird Oberst Franz Sauerborn in unvergesslicher Erinnerung bleiben.

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Sven Gückel

Holzdorf -

Regelmäßige Wechsel des Dienstortes gehören für Offiziere der Bundeswehr, vor allem für jene in Führungsfunktion, zum militärischen Alltag. Aus diesem Grund wusste auch Oberst Franz Sauerborn, dass er den Standort Holzdorf eines Tages wieder verlassen wird. Für ihn ein Abschied in bitterer Wehmut.

Es ist keineswegs vermessen, Franz Sauerborn eine rheinische Frohnatur zu nennen. Der 51-Jährige, in Bendorf am Rhein geboren, lächelt im Gespräch sein Gegenüber oft an, vermag es, Sorgen, die zweifelsfrei auch ihn bedrücken, gekonnt zu verbergen. Doch genau diese Freundlichkeit verschafft dem Oberst der Bundeswehr unzählige Sympathien. Zudem: Bei einer Unterhaltung mit Sauerborn fühlt man sich ernst genommen, als gleichwertiger Gesprächspartner anerkannt. Es sind nicht nur Eigenschaften wie diese, die dafür sorgten, dass Franz Sauerborn in den vergangenen Jahren vermehrt zum äußeren Erscheinungsbild des Bundeswehrstandortes Holzdorf wurde. Als Standortältester war es ohnehin seine Aufgabe, das Holzdorfer Militär in der Öffentlichkeit zu vertreten. Große Fußstapfen, die andere diesbezüglich vor ihm setzten, etwa Oberst Eckard Wiegand oder Oberstleutnant Sepp Wimmer, wusste Sauerborn gekonnt fortzuführen.

Mit Bestwerten bestanden

Wenn Franz Sauerborn das Kommando über den Einsatzführungsbereich 3 morgen an seinen Nachfolger Oberstleutnant Mario Herzer übergibt, kann er das mit gutem Gewissen tun. Unter seiner Führung hat der Einsatzführungsbereich 2012 eine Nato-Überprüfung mit Bestwerten bestanden. Soldaten seines Bereiches, die nach Afghanistan, in den Kosovo, ins Baltikum oder nach Mali abkommandiert wurden, haben ihre Aufgaben erfüllt und sind unversehrt zurück gekehrt. Auch zum Hochwassereinsatz 2013 sowie zur Bewältigung des Flüchtlingsstromes wurden und werden noch immer Soldaten aus Holzdorf eingesetzt. Er selbst verbrachte als Führer der deutschen Kräfte mehrere Monate in Afghanistans Hauptstadt Kabul.

„Die personellen Belastungen waren zeitweise hoch. Dass die Truppe ihr eigentliches Dienstgeschäft, die Überwachung des deutschen Luftraumes dennoch reibungslos absolvierte, dem gehört mein uneingeschränkter Respekt“, betont er. Als offizielles „Sprachrohr“ für den gesamten Fliegerhorst weiß Oberst Sauerborn aber nicht nur die Verdienste seines eigenen Verbandes zu würdigen. „Strukturreformen, Personalmangel, Budgetkürzungen - das Militär muss im Augenblick vieles über sicher ergehen lassen. Doch unabhängig davon leisten die hier stationierten 2 000 Soldaten und zivilen Mitarbeiter einen guten Job“, sagt Sauerborn. Die Aussage des Inspekteurs der Luftwaffe, dass man auf den Standort Holzdorf auch künftig nicht verzichten werde, sei deshalb der verdiente Lohn vieler Mühen. Ohnehin sieht Sauerborn den Standort weiter wachsen. Die Reichweite der Luftraumüberwachung vom Bunker Schönewalde werde zunehmen, auch das dafür notwendige technische Know-how werde in den kommenden Jahren schrittweise erweitert. Zudem erwartet Franz Sauerborn mehr Aufgaben für die mobile Variante der Luftraumüberwachung, das DCRC. „Nach einer neuerlichen Überprüfung durch die Nato im Jahr 2017 wird es voraussichtlich ab 2018 in Standby-Bereitschaft gesetzt und als schnell abrufbare Einsatzkraft geführt, um weltweit eingesetzt zu werden“, erläutert er. Eine enorme Kraftanstrengung, die die Soldaten unter Federführung von Sauerborns Nachfolger zu bewältigen haben. Auch auf den Fliegerhorst warten neue Aufgaben, die mit personellem Zuwachs einhergehen.

Darüber hinaus nimmt die Einrichtung einer Ausbildungswerkstatt für Fluggerätemechaniker zusehends Gestalt an. Gegenwärtig werden dafür erforderliche infrastrukturelle Rahmenbedingungen geschaffen. So diese erreicht sind, werden neben den bereits vorhandenen 48 Ausbildungsstellen für Elektroniker für Geräte und Systeme am Standort Holzdorf weitere 48 Ausbildungsplätze geschaffen.

Vieles sei erreicht worden, für anderes gilt es weiter zu kämpfen. Dieses Resümee zieht Franz Sauerborn bei seinen Gedanken an den Städtebund Elbe-Elsteraue. Auf lokaler Ebene leiste dieser eine gute Arbeit, so seine persönliche Einschätzung. „Ich finde es wichtig, dass sich die umliegenden Kommunen einig sind und eine solidarische Front bilden. Nur so lässt sich auf Landes- oder Bundesebene Gehör verschaffen“, fügt er an.

Künftig Chef einer Lehrgruppe

Wo man sich wohlfühlt, da ist mein gern, lautet ein Credo Sauerborns. Der Umzug an die Offiziershochschule der Luftwaffe nach Fürstenfeldbruck fällt ihm deshalb schwer. Hier wird Franz Sauerborn Kommandeur einer Lehrgruppe und verantwortlich für die Ausbildung von Offiziersanwärtern des militärfachlichen Dienstes, angehende Führungsoffiziere, Reserveoffiziere und Luftbildauswerter. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Aufgaben eine komplett anderes Fahrwasser. Im Herzen trägt er dabei immer die Erinnerungen an seine Zeit in Holzdorf. (mz)


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